City feiert späten Sieg in Liverpool Guardiola verlässt Anfield mit einem Lächeln
Liverpools Dominik Szoboszlai traf mit einem irrwitzigen Freistoß, doch Manchester Citys Antwort kam prompt, auch dank des coolen Erling Haaland. Und Pep Guardiola könnte ein letztes Mal in Anfield gewonnen haben.
08.02.2026, 21.38 Uhr
Pep Guardiola nach dem Abpfiff in Anfield
Foto: Paul Ellis / AFPDieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.
Ende einer Ära? Der FC Liverpool gegen Manchester City, das war in den vergangenen Jahren das Duell in Englands Premier League. Was zu großen Teilen an den Trainern lag, Jürgen Klopp und Pep Guardiola. Klopp war schon im Sommer 2024 gegangen; bald könnte das auch für Guardiola gelten. Nach BBC-Informationen soll es spürbare Unsicherheit darüber geben, ob der Katalane über das Saisonende hinaus in Manchester bleibt – obwohl sein Vertrag eigentlich noch 18 Monate läuft. City soll schon mögliche Erben sichten. Wenn dies sein letzter Besuch an der Anfield Road gewesen sein sollte, verlässt Guardiola sie lächelnd.
Das Ergebnis: City hat das Spiel beim FC Liverpool nach Rückstand gedreht. Mit dem 2:1 bleibt Guardiolas Mannschaft mit sechs Punkten Rückstand hinter Tabellenführer Arsenal. Den Reds fehlen fünf Punkten auf die Top vier, sie bangen weiter um die Champions-League-Teilnahme.
Erste Halbzeit: Der Himmel über Liverpool weinte. Als hätte er geahnt, wie dieser Abend enden würde. Auf dem nassen Rasen ließ City den Ball laufen, kontrollierte das Spiel. Bereits nach 90 Sekunden hätte Erling Haaland das 1:0 erzielen können, scheiterte aber an Liverpools Keeper Alisson. Die Citizens blieben das gefährlichere Team – auch, weil Florian Wirtz bei Liverpool im ersten Durchgang kaum stattfand: nur 14 Ballkontakte, der Ex-Leverkusener konnte seine zuletzt aufsteigende Form nicht unterstreichen.
Nicht mehr unter dem Bus: Kurz vor Weihnachten hatte es bei Liverpool noch so gewirkt, als würde Mohamed Salah seinen Klub im Streit verlassen. »Als habe man mich unter den Bus geworfen«, so fühle er sich, sagte der Ägypter damals nach mehreren Partien auf der Bank. Rund zwei Monate später wirkt es, als sei nie etwas gewesen: Salah stand zum fünften Mal seit seiner Rückkehr vom Afrika-Cup in einem Pflichtspiel in der Startelf. Und er hatte Liverpools beste Aktion in Durchgang eins: Sein Heber nach einer Halbfeldflanke, an der City-Keeper Gianluigi Donnarumma vorbeisegelte, war Liverpools gefährlichste Aktion in der ersten Halbzeit.
Ein Kunstschuss: Nach der Pause gab plötzlich Liverpool den Ton an. Mit einem stärkeren Salah, einem stärkeren Wirtz, aber ein anderer stahl den Offensivstars die Show: Dominik Szoboszlai. Aus gut 30 Metern schoss er einen Freistoß innen an der Mauer vorbei Richtung Tor; mit einer aberwitzigen Flugkurve schlug er am rechten Innenpfosten ein (74. Minute). Szoboszlai profitierte auch davon, dass Torwart Donnarumma bloß zwei Spieler in seine Mauer gestellt hatte. Ein schwerwiegender Fehler gegen einen solchen Kunstschützen.
Dominik Szoboszlai trifft zur Führung
Foto: Phil Noble / REUTERSCity dreht die Partie: Auch wenn die zweite Hälfte zunächst anderes vermuten ließ, kam City nach Szoboszlais Traumtor zurück. Nach einer Kopfballablage von Haaland grätschte Bernardo Silva (84.) zum Ausgleich ein. Zu Beginn der siebenminütigen Nachspielzeit räumte Alisson Manchesters Matheus Nunes kurz vor der Grundlinie ab – Elfmeter.
Titelkampfschrei: Stürmer sein ist nicht leicht. Vor allem nicht, wenn man mit 25 Jahren bereits zweimal Torschützenkönig in England war. Die Ansprüche an Erling Haaland sind inzwischen enorm. Dass der Norweger zuletzt bloß zwei Treffer in den elf Pflichtspielen geschafft hatte, war Anlass für reichlich Kritik. Doch wer glaubte, Haaland habe darüber Selbstzweifel entwickelt, irrte: In der Nachspielzeit trat der Starstürmer zum Elfmeter an, der Druck war enorm. Haaland verwandelte trocken ins Eck. Seinen 21. Saisontreffer – Ligabestwert – feierte die blonde Naturgewalt mit ausgezogenem Trikot, einem Tritt gegen die Eckfahne und einem Kampfschrei in Richtung Tabellenspitze.
Und dann wurde es noch einmal kurios: Alisson war inzwischen nicht mehr in seinem Tor, sondern vor dem gegnerischen – der Brasilianer hatte bereits ein Torwarttor in der Premier League erzielt. Aber dieser Offensivdrang rächte sich nun: Von der Mittellinie schickte Citys Rayan Cherki Stürmer Haaland, der das Laufduell gegen Szoboszlai gewann. Der Ungar hielt Haaland am Trikot, Haaland hielt zurück, Szoboszlai ging zu Boden – und Cherkis als Pass gedachter Ball trudelte ins Tor, 3:1 (90.+10)! Es zählte nicht: Nach Ansicht der Bilder entschied der Schiedsrichter auf Foul von Szoboszlai an Haaland: kein Tor, Notbremse, Rot für Szoboszlai. Nach 105 Minuten und einem konfusen Ende war dann Schluss.

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