Domestizierung des Wolfs Wau! Hunde begleiten Menschen in Europa schon seit mehr als 15.000 Jahren
Die Vorfahren der heutigen Haushunde sind womöglich Jahrtausende früher domestiziert worden als bisher angenommen. Darauf deuten neue DNA-Analysen hin. Was Forschende aus den genetischen Daten herauslesen.
25.03.2026, 17.48 Uhr
Begleiter des Menschen: Die Geschichte der Hunde reicht bis in die Altsteinzeit zurück
Foto:Cavan Images / IMAGO
Automatisch erstellt mit KI. Mehr Informationen dazu hier.
War die Zusammenfassung hilfreich? Danke für Ihr Feedback!
Hunde waren einer Studie zufolge schon als Begleiter der Jäger- und Sammler-Gemeinschaften Europas weit verbreitet. Der älteste genetische Nachweis stammt demnach von einem Hund, der vor 15.800 Jahren lebte, wie Forschende um den Paläogenetiker Laurent Frantz von der Ludwig-Maximilians-Universität in München im Fachjournal »Nature« berichten .
Archäologische Funde deuteten zwar bereits darauf hin, dass sich Hunde vor mehr als 15.000 Jahren von Wölfen abspalteten und in ganz Europa und der Türkei vorkamen, erklären die Forschenden. So weise etwa der rund 14.300 Jahre alte Unterkiefer eines Tieres aus der Fundstelle Bonn-Oberkassel hundeähnliche Merkmale auf. Das Tier sei zusammen mit zwei Menschen bestattet worden und habe Krankheitsmerkmale, die ohne längere menschliche Pflege tödlich gewesen wären.
Wendepunkt im Verständnis der frühesten Hunde
Ohne bestätigende genetische Daten sei es jedoch schwierig gewesen, die Überreste vieler Tiere klar als Hunde zu identifizieren. Der bisher früheste bekannte eindeutige genetische Nachweis stamme von Hundeüberresten aus archäologischen Fundstätten, die etwa 10.900 Jahre alt sind, heißt es in der »Nature«-Studie.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 17 Forschungsinstituten analysierten unter anderem DNA aus Proben der britischen Fundstätte Gough’s Cave (etwa 14.300 Jahre alt) und aus der Fundstätte Pınarbaşı in der Türkei (etwa 15.800 Jahre alt). Beide Fundstätten sind dem Ende der Altsteinzeit (Jungpaläolithikum) zuzuordnen. Anschließend verglichen die Forschenden diese Daten mit den Genomen von mehreren Hundert modernen und historischen Hunden und Wölfen. Ergebnis: Bei den Tieren der beiden Fundstätten handelte es sich tatsächlich um Hunde.
Grauwölfe im Wald: Vorfahren der Haushunde
Foto:Raimund Linke / imagebroker / IMAGO
Die genetische Identifizierung der Hunde aus der Altsteinzeit habe einen Wendepunkt im Verständnis der frühesten Hunde dargestellt, erklärt Co-Erstautor William Marsh vom Natural History Museum in London. »Diese Exemplare ermöglichten es uns, weitere früher lebende Hunde an Fundorten in Deutschland, Italien und der Schweiz zu identifizieren, was deutlich zeigt, dass Hunde bereits vor mindestens 14.000 Jahren weit über Europa und die Türkei verbreitet waren.«
Trotz des Grabfunds in Bonn-Oberkassel und Anzeichen, dass Hunde in Pınarbaşı Fisch vom Menschen erhielten, ist die damalige Rolle der Hunde unklar. Das Forschungsteam fand jedoch Hinweise darauf, dass genetisch und kulturell unterschiedliche Jäger- und Sammler-Gruppen Hunde ausgetauscht haben. »Die Tatsache, dass Menschen Hunde so früh austauschten, bedeutet, dass diese Tiere wichtig gewesen sein müssen.
Eine weitere im Fachjounal »Nature« veröffentlichte Studie befasst sich mit der genetischen Herkunft der Hunde in Europa. Hunde (Canis lupus familiaris) stammen demnach von Grauwölfen (Canis lupus lupus) ab und gingen als erste Tiere überhaupt eine Beziehung zu Menschen ein. Der genaue Ort der Domestikation und die beteiligten menschlichen Gruppen sind bislang unbekannt, wie ein großes Team um den Erstautor Anders Bergström vom Francis-Crick-Institut in London und der University of East Anglia in Norwich schreibt. Es hatte Überreste von 200 Hundeartigen aus Europa bis hin nach Armenien untersucht.
Der älteste Hund dieser Studie ist ein in der Fundstelle Kesslerloch in der Schweiz entdecktes Tier, das vor 14.200 Jahren lebte. Zwar erlaube dieses Ergebnis keine genaue Bestimmung des Zeitpunkts der Domestikation, doch es sei plausibel, dass die Domestikation deutlich länger als 14.200 Jahre zurückliege, schreibt das Team.
Obwohl die archäologischen Belege in Europa die bisher ältesten sind, deuten die genetischen Daten der Studie darauf hin, dass diese frühen Hunde nicht von lokalen europäischen Wölfen abstammen, sondern Teil einer weiter verbreiteten Abstammungslinie sind, die starke Wurzeln im Osten, etwa in Sibirien, hat. Daher wurde der Hund vermutlich nicht in Europa domestiziert.
Bei heutigen Hunden fanden die Forschenden einerseits Erbgut von Hunden der Jäger und Sammler der Mittelsteinzeit, die wiederum von der östlichen Wolfslinie abstammten. Andererseits wiesen sie Gene von Hunden nach, die Bauern der Jungsteinzeit aus Südwestasien nach Europa gebracht haben.

vor 1 Stunde
1











English (US) ·