Hoeneß' freudige Leere und Löws Hadern mit der guten Statistik

vor 1 Tag 1

Nach einem turbulenten DFB-Halbfinalspiel, in dem die siegreiche Mannschaft nicht die mit dem Plus an Torchancen gewesen war, zeigte sich Stuttgart naturgemäß glücklich. Bei den Leipzigern suchte man auch das Positive.

0, Leipzigs Zsolt Löw blieb letztlich nur Hadern.

Freud und Leid: Stuttgarts Angelo Stiller (li.) freut sich nach seinem 1:0, Leipzigs Zsolt Löw blieb letztlich nur Hadern.

"Es ist ein Traum, der wahr wird, nach Berlin zu fahren", meinte Sebastian Hoeneß bei Sky nach der turbulenten Partie. "Ich bin gerade ein bisschen leer, deshalb kommt es vielleicht nicht so rüber, wie sehr es mich freut. Aber es fällt auch viel Anspannung ab", meinte der Stuttgarter Coach. "Der Moment nach dem 2:1 war schwierig, aber da sind wir überragend mit umgegangen. Es ist kein Kopfkino losgegangen", lobte Hoeneß, der 2025 nun als drittes Familienmitglied nach Onkel Uli Hoeneß und Vater Dieter Hoeneß den DFB-Pokal in die Höhe halten könnte.

Was ihn besonders freute: "Gegen ihr 4-4-2 ist es, wenn gut gespielt, sehr schwierig zu verteidigen, und sie haben es gut gespielt. Darauf bin ich stolz, wie die Mannschaft das gemacht hat. Wir haben sicher auch das Glück des Tüchtigen gehabt, das haben wir uns auch verdient", so Hoeneß weiter. Das "Wahnsinnstor" von Angelo Stiller in der 5. Minute sei dabei "eine Initialzündung" gewesen. Apropos Stiller: Der Torschütze zum 1:0 sagte, er sei "übertrieben glücklich. Denn wir waren lange nicht mehr im Finale".

Erstes VfB-Finale seit 2013 "wird crazy"

Tatsächlich standen die Schwaben letztmals 2013 im Endspiel in Berlin, verloren aber gegen den FC Bayern mit 2:3. Der letzte Pokalsieg datiert aus dem Jahr 1997 (2:0 gegen Energie Cottbus).

Nick Woltemade, der gegen Leipzig das Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 erzielte und das 3:1 maßgeblich mit vorbereitete zeigte sich ebenfalls überglücklich: "Fußballerisch war das nicht unser bestes Spiel, aber der Wille und Mut waren da. Berlin wird crazy, ich freue mich unglaublich darauf. So etwas werde ich mein Leben nicht vergessen", meinte der 23-jährige Angreifer.

"Wenn jemand von mir Wunder erwartet..."

Die Stimmungslage bei RB Leipzig war naturgemäß weniger gut - auch wenn sich die Sachsen deutlich mehr Chancen und Torschüsse (25:9) erspielten und am Ende auf fast 70 Prozent Ballbesitz gekommen waren. "Die Enttäuschung ist groß. In der Statistik waren wir in vielen Bereichen besser", meinte Interimstrianer Zsolt Löw nach seinem ersten Spiel als Chef an der Seitenlinie. "Das war ein herber Schlag, wir wollten ins Finale."

Fast schon entschuldigend fügte Löw an: "Wenn jemand von mir Wunder erwartete, dass wir es gleich ins Pokalfinale schaffen - kein Trainer der Welt kann so schnell große Unterschiede ausmachen. Wir waren ein Stück weit die bessere Mannschaft, leider lag es an der Effizienz. Nun sind wir im Pokal raus und es geht um die Bundesliga. Wir haben nicht viel Zeit, kommen um 2 Uhr nachts zurück. Dann heißt es regenerieren, regenerieren, regenerieren."

Seiwalds Lob für Debütant Löw

Geknickt war auch Marcel Schäfer. "Wenn man um einen Titel mitspielen kann, so nah vor dem Finale steht und weiß, dass dann aufgrund des gestrigen Spiels - bei allem Respekt - die Chance größer ist als je zuvor, dann ist es eine herbe Enttäuschung", so der Sportgeschäftsführer der Leipziger, der natürlich auch mit der Chancenverwertung haderte, aber auch anmerkte: " Wenn man die Zahlen und das Spiel so sieht, spricht einiges für uns."

Nicolas Seiwald sah trotz des Ausscheidens auch Gutes. "Die Niederlage ist bitter, aber die Leistung stimmt mich positiv. Neuer Trainer, neuer Impuls: Man hat gesehen, dass wir eine richtig gute Mannschaft sind, aber die Chancenverwertung muss besser werden." Der Österreicher sprach zudem Debütant Löw Lob aus: "Er ist sehr positiv und proaktiv. Er geht auf die Spieler zu und hilft ihnen."

jom, oha

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