»Heated Rivalry«: Auch in Russland gibt's Fans der Serie um schwule Eishockey-Rivalen

vor 2 Tage 1

In der Serie »Heated Rivalry« geht es um zwei queere Eishockeyspieler, zwei Erzrivalen, gut aussehend, durchtrainiert, die gefühlt im Fünfminutenserientakt im Bett landen.

Die Show gefällt offenbar auch vielen Menschen in Russland – obwohl sie dort offiziell gar nicht zu sehen ist: Auf Piratenseiten im Internet gehört der Serienhit aus Kanada zu den beliebtesten Angeboten. Zuschauer in Russland geben höchste Bewertungen ab, wie etwa auf dem Portal »Kinopoisk.ru» zu sehen ist.

Dass ausgerechnet in einem Land, wo »nicht traditionelle« Sexualität geächtet wird, eine Serie auch Tabus der russischen Gesellschaft aufgreift, begeistert nicht nur Zehntausende Filmfreunde. Kommentatoren sehen darin auch einen Beweis, dass Verbote und die von Kremlchef Wladimir Putin gepflegte Politik der Bevormundung der Bürger mitunter ins Leere laufen.

Dass es um Eishockey geht, den in Russland heiligen und von rauem Männlichkeitskult geprägten Sport, macht die Sache zusätzlich pikant. Immerhin handelt es sich um eine von Putins Lieblingssportarten; der Kremlchef setzte sich immer wieder selbst in Szene beim Hockey. Aus russischer Sicht bietet die Serie aber weit mehr als das Hauptthema des Tabus von schwulen Sportlern im Profisport.

Üblicherweise seien die in Russland beliebten Sportserien patriotisch ausgeschmückt, es gehe um Helden und Siege, sagt die Moderatorin Anna Mongait vom russischen Exilsender »Doschd«. Aber diese Serie könne das russische Publikum schockieren, sagt sie und spricht von einer »Weltsensation«. In sozialen Netzwerken gibt es erstaunte Reaktionen von Russen, die eine reine Eishockey-Serie erwartet haben – und dann sehen, wie das Eis zwischen den beiden Hauptcharakteren, dem Russen Ilya und dem Kanadier Shane schmilzt.

In den Kommentarspalten der Online-Kinoportale äußern sich besonders viele Frauen begeistert. Der russische Journalist Renat Dawletgildejew erklärt, der Film breche mit in Russland verbreiteten homophoben Klischees, dass nur Hetero-Männer Eishockey spielen könnten.

Russische Zuschauer loben auch, dass die Serie teils nah an der russischen Realität sei – ohne die bei amerikanischen Filmen oft üblichen Klischees. Erinnert wird etwa, wie bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi westliche Sportler Angst hatten vor dem damals noch neuen Gesetz zum Verbot von »Homo-Propaganda«.

Szene aus »Heated Rivalry«

Szene aus »Heated Rivalry«

Foto: sabrina lantos / HBO Max

Seither gibt es viel schärfere Gesetze, Homosexuellen etwa, die als Aktivisten für Menschenrechte eintreten, droht eine Verfolgung als Extremisten und damit im Ernstfall auch Straflager-Haft. Die Jagd auf alles »Nicht-Traditionelle» kennt kaum noch Grenzen, obwohl Homosexualität selbst gar nicht verboten ist in Russland. Verlage stampfen Bücher ein, Buchläden nehmen Titel aus dem Programm, wenn in den Handlungen auch gleichgeschlechtliche Liebe vorkommt.

Die ultranationalistische Bewegung »Sorok Sorokow« fordert die Generalstaatsanwaltschaft und die für Zensur im Internet zuständige Behörde Roskomnadsor auf, »Heated Rivalry« in Russland zu verbieten. Georgi Soldatow, ein Aktivist der russisch-orthodoxen Kirche, warnt vor »offener Propaganda« von Homosexualität. Die Serie sei voll mit Sexszenen.

In den Foren auf den von Soldatow kritisierten Kino-Plattformen jedenfalls berichten Zuschauer, dass sie ganze Szenen inzwischen auswendig können, so oft haben sie «Heated Rivalry« schon geschaut. Und sie erzählen mit großer Vorfreude, dass sie die zweite Serienstaffel kaum erwarten können.

Zwei adonische Eishockey-Götter und viel heimlicher Sex: Die Serie »Heated Rivalry« wird gehypt. In Deutschland startet die Ausstrahlung am 6. Februar beim neuen Streamingdienst HBO Max. Warum eine queere Sportromanze zur weiblichen Sehnsucht wird. Hier lesen Sie mehr .

Gesamten Artikel lesen