Hausarbeit schreiben: So gelingt die erste Hausarbeit (ohne zu betrügen)

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Rahel Süßkind / DER SPIEGEL

Das Ende des Semesters rückt näher, und damit auch die Abgabefrist für Hausarbeiten. Die haben, wie du wahrscheinlich schon mitbekommen hast, einen ziemlich schlechten Ruf.

Im besten Fall kannst du dich in einer Hausarbeit intensiv mit einem Thema beschäftigen, das dich interessiert. Doch zur Wahrheit gehört, dass das eher die Ausnahme als die Regel ist. Oft legt man das Thema nicht einmal selbst fest. Und muss plötzlich 20 Seiten über einen mittelalterlichen Theologen schreiben, von dem man noch nie gehört hat.

Noch schwerer wird es, wenn einem niemand die vielen – auf den ersten Blick willkürlichen – Regeln des wissenschaftlichen Schreibens beigebracht hat: Was muss in einer Gliederung stehen? Wie funktioniert Literaturrecherche? Wie zitiert man korrekt?

So hat es auch die Studentin Şevval dem Studienberater Tim Reichel geschildert: »Mir fehlt jegliche Freude am Schreiben meiner Hausarbeiten. Die Themen werden uns meistens aufgedrückt. Wie man wissenschaftliche Arbeiten schreibt, bringt uns niemand bei.« Was er ihr in seiner Kolumne geraten hat, kannst du hier nachlesen.

Sind Hausarbeiten am Ende?

Verständlich also, dass sich viele bei der Hausarbeit von KI helfen lassen. Besorgte Professor:innen riefen gar das Ende der Hausarbeit aus, weil nun sicherlich niemand mehr selbst schreiben würde.

Aber die Realität ist längst nicht so drastisch. Die meisten lassen sich zwar bei einem ersten Überblick über ein Thema und beim Brainstorming helfen, wie eine Befragung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung unter mehr als 20.000 Studierenden im Wintersemester 2024/25 zeigte. Als Ghostwriter diene KI aber seltener: Ein Drittel der Studierenden gab sogar an, zur Textgenerierung noch nie ChatGPT genutzt zu haben.

Für mich sind diese Zahlen eine gute Nachricht. Es klingt streberhaft, aber: Wer gar nicht selbst schreibt, lernt auch nichts. Falls du noch einen Grund brauchst, selbst zu schreiben: Nicht nur die KI-Tools für wissenschaftliche Arbeiten werden besser, sondern auch die, die von KI verfasste Texte erkennen.

Wie sich das Studium nach drei Jahren ChatGPT tatsächlich verändert hat, haben meine Kollegin Franca Quecke und ich hier recherchiert .

KI ohne Schummeln

Das alles bedeutet aber nicht, dass es ganz ohne KI gehen muss. Im Gegenteil: Viele Hochschulen fördern, dass Studierende KI nutzen. Die verwendeten Tools muss man meistens kenntlich machen, zum Beispiel als Quellenangabe oder in eidesstattlichen Erklärungen. Eine Arbeit komplett von KI schreiben zu lassen, ist aber in der Regel verboten – auch wenn viele Prüfungsordnungen den Umgang mit KI noch nicht erwähnen.

Was KI besonders gut kann, ist lästige Aufgaben zu übernehmen. Doris Weßels, Professorin und KI-Expertin von der FH Kiel, hat mir im Interview erzählt : »Studierende, die sich mit dem Schreiben schwertun, können durch KI-Tools plötzlich Freude daran entwickeln.« Wenn etwa beim Literaturverzeichnis die KI als Partnerin übernimmt, bremst einen die unliebsame Aufgabe nicht mehr aus. So bleibt mehr Energie für eigene Gedanken.

Doch wie genau sieht das aus, wenn man mit KI-Tools keine Hausarbeit plagiieren möchte, sondern sie als Unterstützung nutzt – ganz ohne Schummeln? Ich habe hier Tipps  von Studierenden, Dozierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitenden gesammelt.

So hat etwa Isabella Buck, die ein Buch zu wissenschaftlichem Schreiben mit KI veröffentlicht hat, empfohlen: »Einer der Schritte, bei dem KI unterstützen kann, ist es, Paper zu lesen und zu verstehen. Das kann gerade am Anfang des Studiums schwierig sein.« Bei Tools wie Explainpaper oder ChatPDF kann man wissenschaftliche Texte hochladen. Das Programm macht daraus einen Chatbot, der dann die Fragen der Studierenden beantwortet. Oder man lässt sich ganze Abschnitte erklären, die man nicht versteht.

»Die meisten Leute benutzen ChatGPT, um Inhalte zu erstellen, und genau das ist ein Fehler.«

Schreibcoach Mushtaq Bilal

Beim Schreiben schätzt Buck eine Funktion des Tools Jenni AI  besonders. Manchmal suche sie für Sätze oder Thesen, die sie aus dem Kopf aufgeschrieben habe, nachträglich einen entsprechenden Beleg aus der Literatur. Wenn man in dem Tool einen Absatz markiert, sucht es nach Papern, die dazu Quellen liefern. Diese zitiert es sogar im richtigen Stil.

Von Mushtaq Bilal, der sich als Coach für akademisches Schreiben mit KI selbstständig gemacht hat, kam der Tipp: »Die meisten Leute benutzen ChatGPT, um Inhalte zu erstellen, und genau das ist ein Fehler.« Der Inhalt sei meist zu vorhersehbar und ohne eigene Gedanken. Eine vorhersehbare Struktur hingegen sei sehr nützlich.

Dafür zeige er ChatGPT zunächst Arbeiten, die so aufgebaut sind, wie er die eigene Arbeit gern hätte. Im Falle einer Hausarbeit reichen für diesen Schritt womöglich auch die Rahmenbedingungen, etwa zum Umfang und der gewünschten Zitierweise. Dann teilst du laut Bilals Empfehlung alle Inhalte, die du für die Arbeit aufgeschrieben hast. Dabei kommt es noch nicht auf Grammatik, Stil und Satzzeichen an. Dann bittest du die KI: Schreibe diesen Text im Stil einer Hausarbeit um.

Das Ergebnis, betont Bilal, behandle er als Entwurf, den er anschließend selbst poliere und umschreibe.

Die Hausarbeit als Aufwärmübung

Trotz all der KI-Kniffe: Ein paar lange Abende in der Bibliothek gehören dazu. Sieh Hausarbeiten als Aufwärmübung für die längere Bachelorarbeit. Du probierst dich gerade im ersten Semester im wissenschaftlichen Arbeiten aus, das muss noch nicht perfekt sein. Hauptsache, du verzweifelst nicht am Schreiben – und holst dir an der richtigen Stelle Hilfe, ob von KI oder Kommiliton:innen.

Wenn du vor der Abgabe sichergehen willst, dass sich in deine Hausarbeiten keine Formfehler eingeschlichen haben, findest du hier noch eine ausführliche Checkliste.

Viel Spaß beim Ausprobieren wünscht

Tanya Falenczyk, Redakteurin SPIEGEL Start

Einige Anbieter haben sich auf KI-generierte Hausarbeiten in wenigen Stunden, manchmal sogar Minuten, spezialisiert. Angeblich plagiatsfrei und zu »100 Prozent sicher und legal«. Warum das nicht stimmen kann, hat meine Kollegin Franca Quecke hier recherchiert .

Beim nächsten Mal

In der letzten Folge dieser Serie in einem Monat geht es darum, über dein erstes Semester zu reflektieren und dich auf das kommende vorzubereiten. Außerdem gibt es Inspiration für deine Semesterferien.

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