Grönland-Konflikt: Friedrich Merz kritisiert US-Zolldrohungen und mahnt zu Deeskalation

vor 2 Stunden 1

Der Kanzler warnt Donald Trump vor den Folgen seiner angedrohten Zölle im Streit um Grönland. Am Mittwoch will Friedrich Merz den US-Präsidenten in Davos treffen.

19. Januar 2026, 14:45 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AFP, dpa,

 Trumps Zolldrohungen würden beiden Seiten schaden, sagte der CDU-Chef.
Bundeskanzler Friedrich Merz mahnt vor einem Handelskonflikt mit den USA: Trumps Zolldrohungen würden beiden Seiten schaden, sagte der CDU-Chef. © Michael Kappeler/​dpa

Im Streit um Grönland hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) US-Präsident Donald Trump vor den wirtschaftlichen Folgen seiner angedrohten Zölle gewarnt. "Zölle werden in der Regel von denen bezahlt, in deren Land die Importe gehen", sagte Merz in Berlin. "In diesem Fall würden die US-amerikanischen Konsumenten die Zölle bezahlen."

Unter den europäischen Staaten herrsche breite Einigkeit, dass zusätzliche Zolldrohungen das transatlantische Verhältnis schwächten statt stärkten, sagte der Kanzler und fügte mit Blick auf mögliche Gegenmaßnahmen Europas hinzu: "Sie bergen auch das Risiko einer Eskalation." 

Zugleich räumte er ein, dass US-Zölle auch der deutschen und europäischen Wirtschaft erheblich schaden würden. "Deswegen wollen wir hier eine Lösung finden", sagte Merz. Wenn es nötig sei, werde Deutschland auch "nationale Interessen schützen". Er verwies darauf, dass es die Möglichkeit geben werde, diese Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit Trump zu sprechen. Er werde versuchen, mit ihm am Mittwoch dort Gespräche zu führen.

Mit Blick auf den Konflikt im Grönland sagte Merz, er teile die Auffassung von Trump, dass die Nato ihr Engagement "im hohen Norden" verstärken müsse. Trumps Begründung, die USA müssten Grönland aus Sicherheitsgründen übernehmen, wies der Kanzler aber zurück. Deutschland teile zwar die Einschätzung, dass die europäischen Nato-Partner mehr für die Sicherheit in der Arktis tun sollten, doch dies liege im gemeinsamen transatlantischen Interesse – nicht in einer einseitigen Übernahme. Der CDU-Politiker verdeutlichte zudem, dass Dänemark auf die Unterstützung Deutschlands zählen könne.

Deutschland und anderen EU-Ländern drohen hohe US-Zölle

Trump hatte zuletzt angekündigt, ab ⁠dem 1. Februar einen zusätzlichen zehnprozentigen ⁠Zoll auf Waren aus acht EU-Ländern zu erheben – darunter Deutschland –, wenn ‌sich die Europäische Union gegen einen ​US-Kauf des zu Dänemark gehörenden Grönlands wehre. Im Juni solle der Zollsatz auf 25 Prozent steigen. Deutschland und weitere ⁠europäische Staaten hatten mit Protest auf die Drohung reagiert und ‍Widerstand angekündigt.

Grönland gehört als autonomes Gebiet zu Dänemark. Laut einer Umfrage lehnen 85 Prozent der Grönländer die Zugehörigkeit der Arktisinsel zu den USA ab. Zuletzt demonstrierten in Dänemark und auf Grönland Tausende Menschen gegen die Annexionspläne des US-Präsidenten.

Merz dementiert geplanten Kabinettsumnai

In der Vorstandssitzung seiner Partei wies der Kanzler zudem Spekulationen über eine angeblich bevorstehende Umbildung seines Kabinetts deutlich zurück. Ein entsprechender Bericht des Spiegel sei "Unsinn", sagte der CDU-Chef. Er habe keinerlei Pläne für personelle Veränderungen. Das Kabinett bestehe aus "sehr guten Ministerinnen und Ministern", die ihre Aufgaben "voll umfänglich" erfüllten.

Der Spiegel hatte berichtet, Merz plane größere Umbesetzungen sowohl in der Regierung als auch an der Spitze der Unionsfraktion im Bundestag – unter anderem, weil er mit Fraktionschef Jens Spahn unzufrieden sei. Merz widersprach dem: Mit Spahn gebe es eine "gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit". Auch Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) bezog er in sein Lob ein. Die Koordination der Regierungsarbeit über das Kanzleramt funktioniere "sehr zufriedenstellend".

Erst kürzlich hatte Merz nach überraschendem Wechsel seinen Büroleiter ersetzt. Auf den außenpolitisch orientierten Jacob Schrot folgte Philipp Birkenmaier, bislang CDU-Bundesgeschäftsführer und wirtschaftspolitischer Experte.

Verfolgen Sie unsere Berichterstattung zu den Ereignissen im Grönland-Streit im Liveblog.

Gesamten Artikel lesen