Yung Pepp: 17-jähriger Rap-Newcomer aus Leipzig – Mitgefühl als Superkraft

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Weiß jemand von euch, wie man einen Krawattenknoten bindet?«, fragt Pepe im Backstage-Bereich des Festsaals Kreuzberg in Berlin herum. Doch von den anwesenden Künstlern und Medienleuten kann ihm keiner helfen. Sein Produzent Luka Bodzin ruft ein YouTube-Tutorial auf. Ein paar Handgriffe später sitzt der Knoten – und Pepes Outfit für die Presse­termine und das anstehende Konzert ist komplett.

Pepe wird heute Abend vor 1200 Leuten bei der »Unreleased«-Konzertreihe auftreten. Junge Rapperinnen und Rapper bekommen hier die Gelegenheit, unveröffentlichte Songs vor Publikum zu testen. Manch ein unbekannterer Künstler ist nach einem Auftritt bei »Unreleased« durchgestartet. Aber auch große Stars wie Zah1de oder Nina Chuba haben schon bei diesem Format gespielt. Für Pepe ist es ein weiteres Highlight in einem an Höhepunkten reichen Jahr.

Pepes Rap-Karriere beginnt, als ihm sein Vater zu seinem zehnten Geburtstag einen Tag im Tonstudio schenkt. Pepe nimmt seinen besten Freund mit, und sie schreiben einen Freundschaftssong: »Er schläft bei mir, ich schlaf bei ihm, best boys – das beste Team.« Heute sagt Pepe zwar: »Das klang echt scheiße. Aber in dem Moment war das für mich wie der beste Song überhaupt.«

Foto: DEIN SPIEGEL

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In Pepes Texten geht es ums Erwachsenwerden und die Unsicherheiten, die damit verbunden sind. Es geht um das Gefühl, nicht von der Politik gehört zu werden (»Wie sollen wir planen, wenn wir nicht in ihren Plan passen?«), aber auch ums Spaßhaben. Während andere Rapper betonen, dass sie härter seien als andere, meint Pepe: »Für mich ist es Flex genug zu sagen: Ich bin für dich da. Du kannst mit mir über Emotionen reden, auch als Junge.«

Einer dieser Songs ist »Meine Gang«. Luka wird darauf aufmerksam. Er produziert unter dem Namen Florida Juicy Musik für Rap-Größen wie Trettmann oder Ikkimel. Luka schreibt Pepe eine DM auf Insta: »Ich finde deine Musik stark authentisch. Wenn du mal Lust auf eine Session hast, sag Bescheid.«

Pepe ist damals 14. Er hat bereits seinen ersten Gig gespielt. Herr Scholz, sein Musiklehrer, hat dafür gesorgt, dass Pepe bei einem Schulfest auftreten darf. Manche Mitschüler reißen dumme Sprüche: »Jetzt denkt er, er wäre cool mit seiner Musik.« Aber Pepe lässt sich nicht beirren.

Im Herbst 2024 reist er nach Berlin. Luka führt dort zunächst ein Interview mit ihm: An welchen Orten hängst du gern ab? Was sind deine Lieblingsklamotten? »Das mache ich immer mit jungen Künstlern, um herauszufinden: Wer ist dieser Mensch? Und warum sollten sich die Leute gerade ihn anhören?«, erklärt Luka. Pepe erzählt ihm, dass er in Leipzig schon mal von Nazis vom E-Scooter heruntergezogen worden sei. Und dass er seine »Fuck Nazis«-Mütze jeden Tag trage, sein Papa sich aber Sorgen deswegen mache. »Das schreiben wir genau so auf«, sagt Luka. Und dann fragt er: »Ist es in Ordnung, wenn Kid Kapri noch vorbeikommt?«

In Ordnung? Kid Kapri ist Pepes großes Idol, Platz eins auf seiner Spotify-Jahresrückblick-Liste. Zu dritt schreiben sie den Song zu Ende. Völlig geflasht fährt Pepe zurück nach Leipzig: »Ich weiß noch genau, wie ich im Flixbus in der letzten Reihe saß und versucht habe, zu realisieren, was da gerade passiert ist.«

»Junge Träume aus Gold« erscheint ein halbes Jahr später. Dann geht es schnell: »Plötzlich bekam ich Nachrichten wie: ›Dein Song hat mich berührt.‹«

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An manchen Tagen gewinnt Pepe über 1000 neue Insta-Follower hinzu. Er spielt auf dem »Splash«, dem größten deutschen Rap-Festival. Mitte Januar beginnt seine erste eigene Tour.

»Das ist schon manchmal stressig«, sagt Pepe. »Bis 15 Uhr sitze ich in der Berufs­schule für meine Ausbildung zum Sozialassistenten. Nachmittags will ich ein bisschen Yung Pepp sein, mich um den Social-Media-Kram kümmern. Und dann will ich mich ja auch noch mit Freunden treffen oder einfach abends in meinem Bett sitzen und ›Fifa‹ spielen.«

Bei seinem Auftritt in Berlin betritt Pepe die Bühne in einem Anzug und mit Spiderman-Mütze. Er performt seinen Song »Spiderman« zum ersten Mal. In dem Text geht es darum, dass er sich nicht wie ein Superheld fühlt. Aber vielleicht ist gerade das Pepes Superkraft – dass er Schwäche und Mitgefühl zeigt. Dutzende Zuschauer zücken Feuerzeuge und schwenken sie im Rhythmus der Musik. Dann tosender Applaus, viele brüllen seinen Künstlernamen. »Ich muss aufpassen, dass ich nicht gleich heule«, sagt Pepe. Er macht eine kurze Pause. »Egal, einen Song habe ich noch. Lass abreißen jetzt!«

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