Genf: Delegationen aus Russland und der Ukraine treffen sich in der Schweiz

vor 1 Stunde 2

In der Schweiz soll ein Kriegsende verhandelt werden. Während die Ukraine über Sicherheitsgarantien reden will, fordert Russland Gebietsabtretungen.

17. Februar 2026, 10:12 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa,

 Die Angriffe auf die Ukraine gingen in der Nacht vor den Gesprächen weiter.
Die Angriffe auf die Ukraine gingen in der Nacht vor den Gesprächen weiter. © Sergei Supinsky/​AFP/​Getty Images

Hochrangige Vertreter Russlands und der Ukraine verhandeln ab dem heutigen Dienstag in der Schweiz erneut über ein Ende des vor vier Jahren begonnenen russischen Angriffskriegs. Die vom Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrats, Rustem Umjerow, geleitete Delegation aus der Ukraine traf bereits am Montag ein. "Die Tagesordnungspunkte sind abgestimmt, das Team ist bereit zur Arbeit", schrieb Umjerow. Zur Delegation gehören neben ihm der Chef des Präsidentenbüros, Kyrylo Budanow, Vizeaußenminister Serhij Kyslyzja und der Vizechef des Militärgeheimdienstes HUR, Wadym Skibizkyj. 

Die mehr als 20-köpfige Gruppe aus Russland wird diesmal erneut von Chefunterhändler Wladimir Medinski geleitet. In Abu Dhabi hatte noch Geheimdienstchef Igor Kostjukow die Leitung der Delegation übernommen, was von Beobachtern als Zeichen gewertet wurde, dass Russland die Gespräche ernst nehme und an einer Einigung interessiert sei. Warum Medinski nun erneut Delegationsleiter werden soll, wurde nicht bekannt. Auf dem Flug von Moskau nach Genf musste die Delegation laut russischen Staatsmedien einen mehrstündigen Umweg in Kauf nehmen: Da der Weg von Russland in die Schweiz zwangsläufig über das Gebiet von Mitgliedsstaaten der Nato und EU führt, wurde nach Informationen der Agentur Ria Nowosti mithilfe der USA eine Überfluggenehmigung erteilt.

Russland will sich kontrollierte Gebiete einverleiben

Während die ukrainische Seite bei den unter Vermittlung der USA geführten Gesprächen in Genf vor allem humanitäre Fragen und Sicherheitsgarantien in den Mittelpunkt stellen möchte, will Russland dauerhafte Gebietsabtretungen des Nachbarlandes erreichen. Vergangene Woche hatte Umjerow auch eine Teilwaffenruhe zum Schutz der ukrainischen Energieversorgung zu einem Ziel der nächsten Gesprächsrunde erklärt. 

Russland fordert einen Rückzug ukrainischer Truppen aus den von ihm kontrollierten Teilen der Gebiete Luhansk und Donezk und will diese dem eigenen Staatsgebiet einverleiben. Nicht nur in der Ukraine wird das kategorisch abgelehnt – auch europäische Verbündete der Ukraine warnen davor, den Aggressor Russland für seinen Angriffskrieg nicht belohnen zu dürfen und womöglich weitere Eroberungspläne zu bekräftigen.

Fortsetzung der Gespräche in Abu Dhabi

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland vor, derweil schon die nächste Angriffswelle auf ukrainische Städte zu planen. In der Nacht vor den Gesprächen gingen die russischen Attacken weiter. In der Region Sumy im Norden der Ukraine wurde nach Angaben der regionalen Staatsanwaltschaft eine Frau getötet. Sechs weitere Menschen wurden demnach verletzt. In der Hafenstadt Odessa gab es laut Militärverwaltungschef Serhij Lyssak drei Verletzte. Dem Stromversorger DTEK zufolge trafen russische Angriffe erneut die Energieversorgung der Region Odessa. 

Das ukrainische Militär nahm seinerseits Ziele in Russland ins Visier. Nach Angaben des Zivilschutzstabs der Region Krasnodar in Südrussland kam es infolge eines Drohnenangriffs in Ilski zu einem Brand in einer Ölraffinerie.

Die Gespräche bauen auf vorherigen Treffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf. Vermittelt wurde dieser Austausch von der US-Regierung unter Präsident Donald Trump, der seinen Chefunterhändler Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner vorschickt. Zusätzlich zu dem Dreiertreffen soll es auch russisch-amerikanische Gespräche über eine Wiederbelebung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten geben.

Alle aktuellen Entwicklungen lesen Sie im Liveblog.

Gesamten Artikel lesen