Für Menschen mit Adipositas sind Infektionen gefährlicher

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Von der Influenza bis zum Harnwegsinfekt Für Menschen mit Adipositas sind Infektionen gefährlicher

Eine Studie mit mehr als einer halben Million Teilnehmenden zeigt: Hat jemand schweres Übergewicht, steigt das Risiko, aufgrund einer Infektion ins Krankenhaus zu müssen – oder gar daran zu sterben.

10.02.2026, 00.41 Uhr

Eine Frau misst den Hüftumfang einer Patientin

Eine Frau misst den Hüftumfang einer Patientin

Foto: Phynart Studio / Getty Images

Menschen mit starkem Übergewicht haben ein drastisch erhöhtes Risiko für schwer oder tödlich verlaufende Infektionen. Das geht aus einer Analyse der Gesundheitsdaten von mehr als 540.000 Menschen in Großbritannien und Finnland hervor. Während leichtes Übergewicht das Risiko nur wenig steigen lässt, liegt es bei Menschen mit Adipositas vom Grad 3 rund dreimal so hoch wie bei Menschen mit Normalgewicht.

Die Studie einer Gruppe um Mika Kivimäki vom University College London (Großbritannien) und Solja Nyberg von der University of Helsinki (Finnland) ist im Fachjournal »The Lancet«  erschienen. Die Forschenden prüften Daten für mehr als 900 Arten von Infekten – von der Influenza bis zum Harnwegsinfekt.

Ausgangspunkt für die Studie waren Beobachtungen vor einigen Jahren: »Studien während der Covid-19-Pandemie zeigten, dass übergewichtige Menschen ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf einer Sars-CoV-2-Infektion hatten, was sich in vermehrten Krankenhausaufenthalten und einer höheren Sterblichkeit widerspiegelte«, schreibt das Team. Allerdings sei nicht klar gewesen, ob dies auch für andere Infektionskrankheiten gelte. Das Team um Kivimäki und Nyberg nutzte daher Informationen aus zwei finnischen Datenbanken sowie der britischen »UK Biobank«, um den Zusammenhang von Übergewicht sowie Adipositas mit einem schweren Verlauf von Infektionen wie Krankenhausaufenthalt oder gar Tod zu untersuchen.

Das Risiko, schwer zu erkranken, erhöhte sich laut der Studie mit steigendem Übergewicht. Bei Menschen mit Adipositas vom Grad 1 (BMI zwischen 30 und 34,9) war es rund anderthalbmal so hoch wie bei Normalgewichtigen, bei Menschen mit Adipositas vom Grad 1 (BMI zwischen 35 und 39,9) war es doppelt so hoch, bei Grad 3 (BMI 40 und höher) war es rund dreimal so hoch. Andere Faktoren wie Geschlecht, Alter oder sozioökonomischer Status, beeinflussten dieses Ergebnis kaum.

Geschwächtes Immunsystem?

Die Studienergebnisse lassen keinen Schluss darauf zu, auf welche Weise Adipositas Infekte gefährlicher werden lässt. Dafür benötigt man andere Arten von Untersuchungen. »Es ist plausibel, dass Adipositas die Fähigkeit des Immunsystems schwächt, sich gegen infektiöse Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze zu verteidigen, was zu schwereren Krankheitsverläufen führen kann«, wird Kivimäki in einer Mitteilung von »The Lancet« zitiert. Die Gründe könnten Faktoren sein, die mit Adipositas einhergehen, etwa ein nährstoffreiches Milieu, das das Überleben von Mikroorganismen begünstigt, sowie Insulinresistenz, Überzuckerung und chronische leichte Entzündungen.

Die Forscher übertrugen die gewonnenen Erkenntnisse auf Daten der Studie »Global Burden of Disease« und konnten so für Weltregionen und für einzelne Länder das Risiko für schwere Infektionsverläufe errechnen. So zeigen Sie für das Jahr 2023 für 4700 von 31.900 Todesfällen nach Infektionen in Deutschland einen Zusammenhang mit Adipositas auf; das waren 14,7 Prozent dieser Todesfälle.

Die Studienautoren warnen, dass sich die Situation in den kommenden Jahren verschärfen könne. »Da Adipositasraten weltweit voraussichtlich steigen werden, wird auch die Zahl der Todesfälle und Krankenhausaufenthalte aufgrund von mit Adipositas verbundenen Infektionskrankheiten zunehmen«, sagt Nyberg. Um das Risiko schwerer Infektionen sowie anderer mit Adipositas verbundener Gesundheitsprobleme zu reduzieren, bestehe ein dringender Bedarf an Maßnahmen, die Menschen dabei unterstützen, gesund zu bleiben und Gewicht zu reduzieren, betont die Forscherin.

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