Der Mann hat heute keinen einfachen Job. Er bleibt immer höflich, egal ob nun eine Reporterin (“Ma'am, no Ma'am“), oder ein Reporter (“Sir, no Sir“) auf die Straße gehen wollen, um eine bessere Sicht zu haben. Islamabad am Samstag, eine breite Kreuzung unmittelbar vor dem Regierungsviertel. Überall sind hier Straßensperren, Stacheldraht auf der Fahrbahn. Davor sind Sicherheitskräfte. Kein Auto fährt hier durch, sieht man mal von den Pickup-Trucks der Polizei ab. Zufahrt verboten für Zivilisten.
Ein paar hundert Meter entfernt steht das pakistanische Parlament, ganz in der Nähe ist der Amtssitz des Premierministers. Ein arabischer Fernsehsender macht hier gerade eine Live-Schalte, die Reporterin hätte gerne das Parlamentsgebäude im Hintergrund. Aber das weiß der freundliche Polizist zu verhindern: „Das ist leider nicht erlaubt, Ma'am.“

:Irans Botschaft an die Welt: Wir können warten
Im Krieg gegen Iran kommt US-Präsident Trump mit Druck und Drohungen nicht weiter. In Islamabad ist zu spüren, dass das iranische Regime seinen strategischen Vorteil voll ausreizt.
In der „roten Zone“ der pakistanischen Hauptstadt haben am Samstag wieder diplomatische Gespräche begonnen, um den von US-Präsident Donald Trump am 28. Februar gegen Iran begonnenen Krieg zu Ende zu bringen. Dafür ist nach tagelanger Hängepartie der iranische Außenminister Abbas Araghtschi nach Islamabad gekommen. Die USA hatten am Freitag offiziell angekündigt, dass Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und sein Nahost-Sondergesandter Steve Witkoff am Samstag in die Stadt reisen würden, um sich mit den Iranern zu treffen. Aber es kommt am Samstag, wieder einmal, alles anders als erwartet. Statt auf Entspannung stehen die Zeichen auf Konfrontation.
Teheran macht deutlich, dass es noch Zeit hat mit einem Abkommen. Und Trumps zahlreiche Beiträge in den vergangenen Tagen über seinen Social-Media-Kanal haben aus Sicht von Beobachtern Iran in die Karten gespielt: Der Präsident der Supermacht wirkt angespannter als das Regime. Er scheint ein Abkommen dringender zu benötigen als die auf asymmetrische Kriegsführung spezialisierten Iraner.
Araghtschi sitzt am Samstag offiziellen Angaben zufolge zunächst mit dem pakistanischen Armeechef Syed Asim Munir zusammen. Später kommt auch die Bestätigung, dass er Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif und Außenminister Mohammad Ishaq Dar getroffen hat. Die stehen bei Trump gerade hoch im Kurs. Der US-Präsident unterstreicht das dieser Tage immer wieder. Für die muslimische Nation ist das eine diplomatische Aufwertung, die in Islamabad zu Stolz und Genugtuung führt.
Die pakistanische Regierung und das Militär sind darauf bedacht, ihre Mediatorenrolle nicht durch eine übermäßige Kommunikation in Gefahr zu bringen: Verschwiegenheit ist für Friedensvermittler ein Ausdruck von Seriosität. So schwirren am Samstag mehr Gerüchte als Fakten durch die pakistanische Hauptstadt. Und die Regierung fordert einheimische Journalisten dazu auf, keine ungenannten Quellen mehr zu verwenden.
Einen Durchbruch bringt der Samstag in der pakistanischen Hauptstadt nicht – im Gegenteil. Teheran hatte schon vor dem Besuch des Außenministers deutlich gemacht: Wir setzen uns nicht mit den Amerikanern an einen Tisch. War das ein Bluff? Mitnichten. Bei dieser Haltung bleibt es auch. Araghtschi verlässt Islamabad am Abend. Zu diesem Zeitpunkt sind Kushner und Witkoff noch nicht einmal auf dem Weg nach Pakistan. Und sie werden sich auch nicht mehr auf selbigen begeben, wie Trump später wissen lässt. Wer sich am längeren Hebel wähnt, lässt sich diplomatisch kaum deutlicher zum Ausdruck bringen. Wie wird Trump nun reagieren? Am Freitag gibt seine Regierung noch bekannt, es werde weitere Gespräche mit Iran geben, dann kommt es am Samstag ganz anders.
Die Preise für Benzin steigen auch hier, das Einkommen der Menschen ist knapp
Beobachter in Islamabad bemühten sich auch nach Trumps Entscheidung, Kushner und Witkoff nicht nach Pakistan zu schicken, um Optimismus. Zumindest habe Araghtschi den Vermittlern Irans „rote Linien“ beschrieben, sagte der pakistanische Ex-Diplomat Masood Khan der SZ am Samstagabend. Das könnte nun an Washington übermittelt werden. Aber Khan betonte auch: „Beide Seiten bringen zum Ausdruck: Ihre Waffen sind geladen, die Finger sind am Abzug.“ Dies geschehe noch im Rahmen von Drohgebärden, noch gebe es eine Chance für die Diplomatie. „Diese Episode schlägt noch nicht die Tür zu“, sagte Khan, der als pakistanischer Botschafter in den USA tätig war. Donald Trumps Regierung ist aus seiner Sicht „in Eile“, diesen Krieg zu beenden, wohingegen die Iraner „sich stur stellen“.
Vor zwei Wochen war es in Islamabad zu direkten Gesprächen gekommen: US-Vizepräsident J. D. Vance und der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf setzten sich im edlen Serena-Hotel an einen Tisch. Ein so hochrangiges Treffen zwischen Iran und den USA hatte es seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 nicht gegeben. Das Hotel verschickte am Sonntag eine E-Mail an Gäste, in der es hieß: Alle Räumlichkeiten werden für die anstehenden, weiteren Friedensgespräche zwischen den USA und Iran benötigt. Buchungen wurden storniert. Nun ist auch das Hotel weiträumig abgesperrt, aber noch längst kein Schauplatz weiterer Verhandlungen.
Die Menschen in Islamabad und der angrenzenden Garnisonsstadt Rawalpindi haben die Ereignisse am Samstag aufmerksam verfolgt. Sie sind frustriert, leiden unter den Auswirkungen des Krieges. Die Preise vor allem für Benzin sind massiv gestiegen. Am Samstag kostete ein Liter Kraftstoff 395 Rupien, das entspricht umgerechnet 1,21 Euro. Das liest sich aus deutscher Perspektive günstig. Aber es ist ein Preissprung um mehr als 50 Prozent im Vergleich zu den Tagen vor dem Kriegsbeginn. Und das Durchschnittseinkommen in Pakistan liegt im Monat bei umgerechnet 120 Euro. Durch die massiven Sicherheitsvorkehrungen sind Zufahrtswege in und um die Hauptstadt herum blockiert, auch der Warenverkehr stockt.









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