Frankreich-Kommunalwahlen: Emmanuel Grégoire wird Bürgermeister von Paris – RN scheitert in Großstädten

vor 2 Stunden 1
 »Die Freude ist riesig, und die Verantwortung ist auch riesig«
 »Die Freude ist riesig, und die Verantwortung ist auch riesig«

Emmanuel Grégoire am Wahlabend: »Die Freude ist riesig, und die Verantwortung ist auch riesig«

Foto:

Thibault Camus / AP

Automatisch erstellt mit KI. Mehr Informationen dazu hier.


War die Zusammenfassung hilfreich? Danke für Ihr Feedback!

Die Sozialisten und Verbündete verteidigen Paris und Marseille, die Rechtsnationalen scheitern in mehreren Großstädten: Das ist nach ersten Hochrechnungen das Ergebnis der französischen Kommunalwahlen.

Ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl kann das Votum zwar nur bedingt als Stimmungstest für die nationale Ebene gelesen werden. Doch für die lagerinternen Machtkämpfe dürfte es eine zentrale Rolle spielen.

Sozialist Grégoire wird Bürgermeister von Paris

In Paris wird der Sozialist Emmanuel Grégoire den Hochrechnungen zufolge neuer Bürgermeister. Der 48-Jährige fuhr noch am Abend von seiner Wahlparty mit einem Leihfahrrad bis vor das Rathaus – und gab im Fahren erste Interviews. »Die Freude ist riesig, und die Verantwortung ist auch riesig. Wir werden jetzt ein paar Stunden feiern und morgen sehr früh mit der Arbeit beginnen«, sagte Grégoire.

Er war lange die rechte Hand der bisherigen Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo gewesen, die ihn vor dem Rathaus empfing und umarmte. Er will deren klima- und fahrradfreundliche Politik fortsetzen. Zudem will er leer stehende Büroräume zu Sozialwohnungen machen. Der mehrfache Marathonläufer gilt als wenig charismatisch, aber kompetent.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von X.com, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

{$dispatch('toggle')}, 250);">

Externen Inhalt anzeigen

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Grégoire setzte sich gegen die konservative Ex-Kulturministerin Rachida Dati durch, die sich im September in einem Korruptionsprozess verantworten muss (mehr dazu hier ). Sie war vom Regierungslager unterstützt worden. Präsident Emmanuel Macron bestritt allerdings öffentlich Medienberichte, nach denen er sich persönlich für sie eingesetzt hatte.

In Marseille siegt der linke Amtsinhaber

In Marseille sicherte sich der linke Bürgermeister Benoît Payan seine Wiederwahl: Er besiegte den rechtspopulistischen Kandidaten Franck Allisio, mit dem er in den Umfragen zeitweise gleichauf gelegen hatte. Der taktische Rückzug des linkspopulistischen Kandidaten dürfte Payan zusätzliche Stimmen eingebracht haben.

Rassemblement National scheitert in Großstädten

Für den Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen dürfte das Ergebnis trotz einzelner Gewinne ernüchternd sein. Noch in der ersten Wahlrunde war ihre Liste um Franck Allisio in der zweitgrößten französischen Stadt, Marseille, nur knapp hinter dem bisherigen Bürgermeister Benoît Payan gelandet. Die Hafenstadt anzuführen, wäre für die Rechtspopulisten ein enormer Erfolg gewesen.

Doch den Hochrechnungen zufolge haben sie den Sieg in Marseille nun klar verpasst. Auch in Nîmes und Toulon, wo der RN sich Hoffnungen machte, landeten sie demnach nur auf Platz zwei.

In Nizza landete allerdings mit Éric Ciotti ein parteifremder Verbündeter der Rechtsnationalen vorn. Le Pen schrieb bei X  trotzdem von einem »großen Erfolg«. RN-Parteichef Jordan Bardella sprach von »dem größten Durchbruch in der Geschichte« seiner Partei. »Der RN und seine Verbündeten hatten nie zuvor so viele Gemeinderäte.«

Der RN-Abgeordnete Laurent Jacobelli sprach von rund 30 Städten, in denen der RN sich durchgesetzt habe. Dazu zählten etwa die südfranzösischen Orte Orange, Carcassonne und Carpentras sowie der nordfranzösische Ort Liévin. Auch in Menton, wo Louis Sarkozy, der Sohn des früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy angetreten war, gewann die RN-Kandidatin (mehr zu Louis Sarkozy hier ).

Bei den Kommunalwahlen stimmen die Einwohnerinnen und Einwohner Frankreichs nicht direkt für einen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin. Sie wählen die Mitglieder des künftigen Rathauses, die dann ihren Chef oder ihre Chefin wählen. Da die Liste, die vorn landet, aber eine feste Zahl an Sitzen im Rat obendrauf bekommt, stellt diese Liste in der Regel auch den Bürgermeister.

Der Ausgang der Kommunalwahl dürfte nun Bewegung in die internen Lagerkämpfe bringen. Von den Ergebnissen der Kommunalwahl aber direkt auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl 2027 zu schließen, wäre zu kurz gedacht. Dem renommierten Meinungsforschungsinstitut Ipsos zufolge waren für fast neun von zehn Wählern lokale Themen ausschlaggebend. Immerhin gut 40 Prozent fanden aber auch die politische und wirtschaftliche Situation auf nationaler Ebene entscheidend. Dennoch wird lokal und national teils unterschiedlich gewählt, auch weil einige Parteien wie RN oder Macrons Renaissance lokal noch immer eher schlecht verankert sind.

Gesamten Artikel lesen