Filterkaffeemaschinen im Test: Modelle von Moccamaster, Fellow, Melitta, Braun und Vestel

vor 2 Tage 6

»In Deutschland bestellt man einen Kaffee  und dann bekommt man einen Filterkaffee.« Zumindest war das lange so, sagt Osama Shammo, Experte für Kaffeequalität bei InterAmerican Coffee in Hamburg. Lange bevor Millennials auf Rennrädern die Kunst des perfekten Cappuccinos aus der Siebträgermaschine groß machten, war Filterkaffee der Standard in deutschen Tassen. Frühmorgens an der Tankstelle, im Pausenraum neben der Mikrowelle oder auf Omas Spitzendeckchen. 2025 trinken immerhin noch 44 Prozent der deutschen Kaffeetrinker laut einer Umfrage von Ipsos Observer Filterkaffee.

Begonnen haben soll seine Geschichte in Deutschland : Melitta Bentz, Hausfrau aus Dresden, hämmerte 1908 Löcher in eine Konservendose und legte ein Stück Löschpapier aus dem Vokabelheft ihres Sohnes hinein. Sie füllte das Kaffeepulver in das Papier, übergoss es mit heißem Wasser und servierte so den ersten satzfreien Kaffee in Deutschland. Anfangs war Filterkaffee noch ein Luxusprodukt. Man brühte ihn mehrmals auf. Später etablierten Firmen wie Jacobs und Melitta industriellen Filterkaffee für die breite Masse.

Foto: Osama Shammo

Zweimal kam Osama Shammo bei den Deutschen Kaffeemeisterschaften unter die besten drei Baristas Deutschlands. Der 37-Jährige stammt aus Syrien und studierte Betriebswirtschaftslehre in Aleppo. Nach sieben Jahren in der Specialty-Coffee-Branche in Deutschland arbeitet er heute als Coffee Quality Expert beim Hamburger Rohkaffeehändler InterAmerican. Darüber hinaus ist er als Juror bei den deutschen Kaffeemeisterschaften tätig.

Dessen Geschmacksprofil hat sich seitdem kaum verändert, sagt Shammo, »dunkelgeröstet, stark, keine Säure, schokoladig-nussig und sehr wahrscheinlich bitter«. Dabei kann Filterkaffee so viel mehr, sagt der Experte und seufzt. »Filterkaffee ist vielleicht die reinste Art, Kaffee zu trinken« Der Papierfilter halte Öle und Partikel zurück. Übrig bleibt ein klares, unverstelltes Aromabild. Deshalb greifen erfahrene Fachkolleg:innen aus der Kaffeebranche gern zum Filterkaffee«, sagt Shammo. Um den Kaffee richtig erleben zu können, lohnt es sich, bei Maschine und Sorte wählerisch zu sein und verschiedene Geschmacksprofile auszuprobieren. Damit lässt sich einiges herauskitzeln.

Am meisten Spielraum hat man natürlich, wenn man den Filterkaffee von Hand aufgießt. Eine Maschine ist dagegen von Vorteil, wenn man größere Mengen aufbrühen möchte und ohne viel Aufwand immer das gleiche Ergebnis anstrebt.

Mithilfe von Osama Shammo haben wir getestet, mit welcher Filterkaffeemaschine das am besten gelingt. Unsere Testkriterien und wie wir sie geprüft haben, erklären wir am Ende dieses Artikels. Klicken Sie hier, um direkt dorthin zu kommen.

 Mit einem Refraktometer den Kaffee vermessen

Testaufbau: Mit einem Refraktometer den Kaffee vermessen

Foto: Veronika Silberg / DER SPIEGEL

Der Hype um den Designklassiker von KGB Select ist riesig. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an die ikonische Moccamaster. Nicht ganz zu Unrecht, denn im Ergebnis liegt das Designmodell, zusammen mit dem Hightech-Modell von Fellow Aiden, vorn. Unterschiedlicher könnten die beiden jedoch nicht sein: Die Moccamaster ist minimalistisch, schlank und retro. Die Fellow Aiden ist ein futuristischer Würfel mit zahlreichen Funktionen und eignet sich damit eher für Profis und Nerds, die viel experimentieren möchten.

Die größte Überraschung floss aus dem günstigsten Modell, der PurShine von Braun. Sie hat zwar kein schickes Retro-Design, aber wer für schlappe 50 Euro guten Filterkaffee trinken möchte, liegt mit ihr richtig. Das Modell von Vestel ist im Stil der Mokkamaster gestaltet, kostet aber nur die Hälfte, leider fällt das Ergebnis im Geschmack jedoch etwas ab. Auch die Melitta Aroma Fresh konnte nicht überzeugen. Zwar sind die Modelle der Marke eigentlich eine sichere Nummer. Doch die angebaute Mühle und die digitale Steuerung machen den Kaffee eher schlechter als besser und das Ergebnis konnte einfach nicht mit der Konkurrenz mithalten.

Diese Kaffeemaschinen haben wir getestet:

Foto: Veronika Silberg / DER SPIEGEL

Brühzeit

6:35 Minuten (6:50 mit Mahlzeit)

Temperatur

80 Grad

TDS

0,99

Wie ein kleiner Turm ragt die Melitta über die anderen Maschinen heraus. Leider ist das keine Metapher. Das ambitionierte Multitalent bleibt im Ergebnis abgeschlagen. Das Problem: Dafür, dass eine komplette Kaffeemühle verbaut ist, mag der Preis günstig sein. Er schlägt sich allerdings in der Verarbeitung und Ausführung der einzelnen Funktionen nieder. So ist das Design optisch überladen, der Behälter aus einfachem Kunststoff und die Mahlscheiben der Mühle aus Keramik, was sie weniger langlebig macht. Das Justierrad ruckelt und hakt beim Einstellen, und das Mahlergebnis ist grob und unregelmäßig.

Auch der Kaffee selbst ist unbalanciert und leicht unterextrahiert. Er schmeckt wässriger und etwas nach Pappe. Ursache ist sehr wahrscheinlich die ungleichmäßige Mahlung: Sie sorgt dafür, dass der Kaffee gleichzeitig über- und unterextrahiert wird. Am Kaffeebett ist zu sehen, wie ungleichmäßig das Wasser sich verteilt hat. »Hier lässt sich noch etwas nachjustieren, indem man den Mahlgrad anpasst und die Menge des Kaffees«, sagt Shammo. Insgesamt sei das Ergebnis jedoch enttäuschend. Gerade weil Melitta solidere Filterkaffeemaschinen auf dem Markt habe, betont der Experte. Er empfiehlt etwa, je nach Preisklasse das »One Therm Modell« oder die »Melitta ePour« auszuprobieren.

Foto: Veronika Silberg / DER SPIEGEL

Brühzeit

4:23 Minuten

Temperatur

84 Grad

TDS

1,26 (Perfekt)

Die Moccamaster ist mit ihrem Retro-Design eine Ikone unter den Filterkaffeemaschinen. Sie ist mittlerweile so populär, dass es Menschen gibt, die sich ihre Silhouette als Tattoo stechen lassen. Ist dieser Hype gerechtfertigt? Oder kann das Gerät nur optisch überzeugen?

Filterpapier, Wasser und Kaffee rein und eine der beiden Tasten drücken: Simpler könnte es nicht sein. Dafür, dass sie recht wenig Ausrüstung hat, ist die Moccamaster teuer. Man zahlt hier definitiv auch für Marke und Design. Beworben wird die Maschine zudem mit seiner speziellen Brühmethode: Sie gießt den Kaffee durch neun Ventile mit rund 96 °C heißem Wasser gleichmäßig auf. »Mit einer sogenannten Dusche wird der Geschmack besser aus dem gesamten Kaffeebett extrahiert«, erklärt Shammo. Gleichzeitig sorge die Verteilung für mehr Turbulenzen im Kaffeebett, die Kaffeepartikel bewegen sich mehr und das Geschmackspotenzial wird größer.

So soll die Moccamaster besonders viel Geschmack herauskitzeln. Mit Erfolg: Die Extraktion ist mustergültig, der Kaffee ist klar und der Geschmack schön ausbalanciert. Das Ergebnis ist das geschmacklich beste in unserem Test. Lediglich bei kleinen Kaffeemengen schwächelt die Maschine etwas. Die Moccamaster lässt sich einfach auseinanderbauen und problemlos reinigen. Zudem gibt es keine Timerfunktion oder andere Extras.

Foto: Veronika Silberg / DER SPIEGEL

Brühzeit

4:19 Minuten

Temperatur

83 Grad

TDS (Extraktion)

1,2 (Skandi Style)

Die Vestel sieht der klassischen Moccamaster verdächtig ähnlich. Schaut man etwas genauer hin, wirkt das Design weniger hochwertig. Der Körper ist aus Kunststoff, und die Aufsätze lassen sich zur Reinigung nur stockend auseinandernehmen. Allerdings kostet dieses Modell auch nur die Hälfte. Pluspunkte gibt es zudem für den hübschen Farbton und für die schön geformte Kanne, die gut in der Hand liegt.

Im Gegensatz zur Moccamaster hat die Vestel ein kleines Display, das allerdings sehr einfach gehalten ist und etwas Einarbeitung erfordert. Startet man den Brühprozess, geht es auffällig schnell. Der Kaffee ist am Ende mit 83 °C der heißeste. Trotzdem ist die Extraktion noch im guten Bereich, und der Kaffee hat eine schöne Farbe. 1,2 TDS sei ein guter Wert, sagt Shammo mit Blick auf das Refraktometer. »Eher Skandi-Style, also im Geschmack etwas milder.« Damit liegt er vor Melitta, aber etwas hinter den Modellen von Braun, Moccamaster und Fellow.

Insgesamt ist das Modell von Vestel eine solide Alternative zur Moccamaster, wenn man weniger Geld ausgeben, aber nicht vollständig auf gutes Design verzichten möchte. Im Geschmack und der Optik unterliegt es seinem Vorbild aber.

Foto: Veronika Silberg / DER SPIEGEL

Brühzeit

7:30 Minuten

Temperatur

80 Grad

TDS

1,3

An der Maschine von Braun fällt auf, dass nichts auffällt. Das Gerät ist maximal unaufgeregt, pragmatisch und kompakt. Ganz ohne Designschnickschnack und auch noch günstig. Eine ehrliche Maschine für Filterkaffeepragmatiker.

Zum Brühen benötigt sie länger als ihre Kolleginnen. Doch der Kaffee, der nach sieben bis acht Minuten heraustropft, überrascht: »Für so eine preisgünstige Maschine ist die Extraktion sehr gut!«, sagt Shammo. Auch der Geschmack überzeugt ihn: »Der Kaffee ist ausbalanciert, hat einen schönen Körper, und man schmeckt die Steinobstnote heraus.« Selbst der Nachgeschmack sei überzeugend. Keine Bitterkeit und kein trockenes Mundgefühl. Die KF 1500 mausert sich zum überraschenden Favoriten der Runde. Zumindest was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht. Denn sie kostet beim Hersteller nur knapp 50 Euro.

Abzüge gibt es lediglich für die Reinigung. Der Wassertank ist nicht abnehmbar und natürlich ist auch das schlichte Design nicht jedermanns Sache. Wegen ihrer kompakten Maße kann die Maschine jedoch einfach im Schrank verschwinden.

Foto: Veronika Silberg / DER SPIEGEL

Brühzeit

6:13 Minuten

Temperatur

85,5 Grad

TDS

1,3

Das Modell von Fellow Aiden ist der Nerd unter den Filterkaffeemaschinen. Hier wird der gesamte Prozess professionalisiert. Das fängt mit dem futuristischen Design an: Das Gerät ist ein cleaner, mattschwarzer Würfel. Keine Rillen, keine Löcher. Alle Klappen und Öffnungen schließen nahtlos, und alle Gelenke sind gefedert. Hier klappert also nichts. Mithilfe eines minimalistischen Rads lässt sich der kleine LCD-Bildschirm bedienen. Der wiederum gibt genaue Anweisungen, wann und wie viel Gramm oder wie viele Löffel Kaffee eingefüllt werden sollten. Auch eine Steuerung per App ist möglich.

Zudem lassen sich unterschiedliche Programme auswählen, um verschiedene Ergebnisse zu erzielen. Immer wieder hat man die Qual der Wahl zwischen einer klassischen und einer Thermoskanne und zwischen zwei »Brühkörben«, in die der Filter gelegt wird. Im Vergleich zum Korb in Muschelform bietet das »Flatbed« ein flacheres Kaffeebett, bei dem sich das Wasser noch gleichmäßiger auf dem Kaffee verteilen kann. Auch die breite Dusche ist dabei zuträglich.

Beim Brühen lassen sich verschiedene voreingestellte Programme auswählen (für helle, mittlere und dunklere Röstungen) oder eigene Rezepte erstellen. Daran angepasst wird dann etwa die Pulsfrequenz und die Bloom-Zeit. (Beim »Blooming« wird der Kaffee vor dem eigentlichen Brühen mit einer kleinen Menge Wasser benetzt, um zu quellen und zu entgasen, bevor es losgeht.) Die klassische Karaffe lässt sich durch eine Thermoskanne eintauschen.

Was die Vielseitigkeit betrifft, läuft die Fellow Aiden also außer Konkurrenz. So richtig vergleichbar mit den anderen Modellen ist sie daher nicht. Ein wenig ist das, als vergleiche man einen Thermomix mit einer einfachen Küchenmaschine. Zudem ist die Fellow Aiden nichts für Menschen, die nur schnell mal eine Kanne Kaffee kochen möchten. Sie ist etwas für Liebhaber und Kaffee-Nerds, die sich etwas Zeit nehmen und herumexperimentieren wollen.

Verwendet man das Gerät nämlich in den einfachsten Einstellungen und unter den gleichen Bedingungen wie die anderen Modelle, ist das Ergebnis solide, aber nicht herausstechend. »Der Kaffee hat etwas mehr Körper, ist aber nicht komplex«, sagt Shammo. Mit Zeit und Engagement lässt sich allerdings noch einiges mehr herausholen.

So haben wir getestet

Neben dem Geschmack haben wir Handhabung, Brühtemperatur und Extraktion getestet. Teure Hightech-Geräte bieten sich mit vielen Zusatzfunktionen für Enthusiasten an. Aber auch einfache und günstige Maschinen können gute Brühergebnisse liefern.

Hintergrund: Produkttests im Ressort Tests

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