Der Nato Innovation Fund und der Münchner Risikokapitalfonds Armira steigen bei dem Drohnenabwehr-Spezialisten Tytan Technologies ein. Wie das Unternehmen mitteilte, investieren alte und neue Geldgeber insgesamt 30 Millionen Euro in das Start-up. Damit will Tytan die Serienfertigung aufbauen und das Spektrum an Waffen für die Abwehr unbemannter Fluggeräte ausbauen. Nach Angaben aus Marktkreisen wird Tytan mit der neuen Finanzierungsrunde mit mehr als 100 Millionen Euro bewertet.
Die Finanzierungsrunde ziele darauf ab, »die industrielle und technologische Grundlage für eine souveräne, KI-gestützte Luftverteidigungsarchitektur« zu schaffen, sie werde »in Europa für Europa« entwickelt, sagte Co-Gründer Balazs Nagy. Nagy und sein Mitgründer Batuhan Yumurtaci legen Wert darauf, ausschließlich von europäischen Investoren finanziert zu werden. »Wir brauchen nicht nur ein »buy european«, also einen priorisierten Einkauf bei europäischen Herstellern, sondern auch ein »invest european«, sagte Nagy dem SPIEGEL. Es sei wichtig, auch bei der Finanzierung unabhängig von den USA zu sein.
Tytan war vergangenen Herbst vom Beschaffungsamt beauftragt worden, eine Drohnenabwehrlösung für Bundeswehrliegenschaften zu entwickeln. Der Auftrag läuft bis 2027 und soll sich auf einen niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag belaufen. Mitte des Jahres will Tytan eine erste Version des bestellten Systems vorstellen, einen so genannten Demonstrator.
Nagy und Yumurtaci hatten Tytan 2023 gegründet und ihre bodengestützten Drohnen für die Abwehr von Aufklärungs- und Angriffsdrohnen in der Ukraine gestestet und weiterentwickelt. Jetzt erhält das Start-up erstmals einen größeren Auftrag von der ukrainischen Armee, genauere Angaben zum Umfang machte Tytan nicht.
Tausende Drohnen aus Bayern
Im Norden Münchens baut Tytan derzeit eine Serienproduktion auf. Bis zum Jahresende soll das Werk in der Lage sein, bis zu 3000 Drohnen pro Jahr zu fertigen. Die Zahl der Mitarbeiter soll bis dahin von etwa 80 auf rund 150 steigen. Das Unternehmen will das neue Geld außerdem nutzen, um zukünftig neben kleineren, rein kinetischen Systeme – so genannte »Mini Rammdrohnen« – auch größere, schnellere und gegebenenfalls raketenangetriebene Systeme zu entwickeln. Sie sollen speziell vor Gleitbomben und Kamikaze-Drohnen schützen, die auch als »herumlungernde Munition« (Loitering Munition) bezeichnet werden.
Um das Wachstum voranzutreiben hat Tytan zudem eine Kooperation mit dem Motorenhersteller Deutz geschlossen. Das Kölner Unternehmen hat sich im Zuge der Finanzierungsrunde in kleinerem Umfang an Tytan beteiligt und soll Antriebslösungen für die Flugkörper von Tytan liefern sowie Zusatzkapazitäten bereitstellen. Solche Puffer werden vom Beschaffungsamt bei der Vergabe von Aufträgen oder Rahmenverträgen verlangt. Tytan kooperiert zudem mit etablierten Rüstungsfirmen wie KNDS und Hensoldt.
Die Flugabwehr gilt als eine der größten Lücken in der deutschen und der europäischen Verteidigungsfähigkeit. Etablierte Luftabwehrsysteme gelten als unverhältnismäßig teuer, um vergleichsweise billig produzierte Drohnen massenhaft abzuwehren. Sowohl etablierte Unternehmen als auch verschiedene Start-ups entwickeln daher neue Abwehrsysteme.
Auch das Start-up Frankenburg Technologies mit Hauptsitz in Tallinn, Estland, teile am Dienstag mit, zusätzlich 30 Millionen Euro von Investoren erhalten zu haben. Frankenburg, das auch eine Niederlassung in München hat und sich als pan-europäisch versteht, entwickelt kleine Lenkflugkörper, die speziell zur Abwehr niedrig fliegender Drohnen wie die von Russland verwendeten Shahed-Drohnen dienen sollen.

vor 2 Stunden
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