Achtung: Die folgenden Absätze könnten Spoiler enthalten.
Kreativität ist der Schlüssel zur Selbstentfaltung – und erfordert einen gewissen Glauben an sich selbst, das ist die Kernbotschaft, mit der nach 101 Minuten der Minecraft-Film seine Zuschauer entlässt. "Ein Minecraft Film" startet morgen offiziell in den Kinos und Fans der Klötzchenwelten könnten überlegen, sich ihn anzuschauen. Der Titel allerdings sollte ihnen eine kleine Warnung geben: Es ist ein Film, der in Minecraft-Welten spielt, und kein Minecraft-Film.
Die Story ist nicht gerade originell, wenn auch anschlussfähig für viele Generationen, die sich mit Gaming beschäftigt haben. Steve – der nur blaue Hemden trägt, genau so, wie ein gewisser Skin in einem populären Klötzchenbauspiel – wollte als Kind schon in einer Mine auf die Suche nach Rohstoffen gehen und kommt als Erwachsener im normalen Leben in den frühen 1980er-Jahren nicht wirklich zurecht. Dann aber findet er zwei Objekte, die ihm zusammengesteckt den Weg durch ein Portal in die Minecraft-Oberwelt eröffnen. Dort wird ihm die Frage aller Fragen gestellt: "Warum bist Du so rund?" Doch schon nach kurzer Zeit gerät er in die Fänge der bösen Schweinepriesterin von Nether, im Film als Hexe bezeichnet. Sie kann ihn unter Ausnutzung seiner Gutmütigkeit dazu bewegen, ihr Gefangener zu bleiben, wo Steve auf Rettung warten muss.
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Anders als Steve war der 1989er-Arcade-Champion Garrett "Garbage Man" Garrison wiederum zwar einst erfolgreich, doch seine besten Tage liegen längst hinter ihm, sein kleines Fachgeschäft "Game Over World" ist so pleite wie sein Pontiac Firebird kaputt. Was an seiner Großmäuligkeit jedoch nichts ändert. Und dann wären da noch das Geschwisterpaar der jungen Natalie und ihres kleinen kreativen Bruders Henry, deren Mutter gerade erst verstarb und die nun in eine geradezu fürchterliche Stadt ziehen. Dort hat Natalie einen Job in der örtlichen Kartoffelfabrik und ein Häuschen gefunden, wo sie von einer freundlichen Frau namens Dawn empfangen werden, die auch Mitstreiterin im Abenteuer wird.
Durch verschiedene Zufälle, Hinterlassenschaften von Steve in der menschlichen Welt und einen treuen Minecraft-Wolf finden sich alle in den Minecraft-Welten wieder und müssen dort Abenteuer bestehen, um vielleicht doch wieder – wenn gewünscht – in die irdischen Realitäten zu bewegen. Wohin sich unterdessen ein Minecraft-Dorfbewohner verirrt hat. Ob am Ende alles gut wird oder General Oberborst und die Piglins gegen Steve, Garbage Man, Henry, Natalie und Dawn bestehen?
Der Film richtet sich an alle, die sich für Minecraft interessieren oder einfach nur Lust auf eine absolut vorhersehbare Handlung, kleine Anspielungen auf fast alle Generationen von Gamern und auf eine ziemlich klassische amerikanische Story über heldenseienwollende Antihelden und heranwachsende Helden haben.
"Hauen wir ein paar Schweinen auf die Nase!"
Nicht zuletzt soll er aber ein jüngeres Publikum ansprechen, ein wichtiger Teil der Minecraft-Spieler. Nur ist er in Deutschland als FSK12 eingestuft worden, da die nächsttiefere Stufe ab sechs Jahren gewesen wäre. Zwar wird nicht gerade an Gewalt gegen Pixelwesen gespart: Piglins enden schnell als Steak, die Unterscheidung zwischen Spiel oder Film und Realität sollte der Nachwuchs bereits gut im Kopf inkarniert haben, bevor er den Film schaut. Denn viele der Szenen im Film sind nicht gerade von Montessori-Pädagogik geprägt, auch wenn Kreativität immer wieder betont wird. Sätze der Marke "Hauen wir den Schweinen auf die Nase!" sind eher häufiger.
Und auch sonst ist der Spannungsfaktor für jüngere Kinder nicht zu unterschätzen. Das liegt aber vor allem daran, dass dauernd irgendetwas passiert – der Film lässt wenig Pausen. Für weit entwickelte 9-Jährige mag er trotzdem bereits gut verdaulich sein, tatsächlich verständlich ist er wohl eher mit 12 oder 13 Jahren. Er unterhält diese Zielgruppe aber offenkundig – viel Action, die Gut-gegen-Böse-Grundstory ist kindgerecht und ausreichend viele kleine Gags sind eingebaut, um vorhandene Anspannung auch mal herauszulassen. Dass Kinder und Erwachsene trotz gleichzeitigem Kinobesuch wahrscheinlich sehr unterschiedliche Filme sehen: Voll in Ordnung.
Erwachsene ohne Begleitung durch ihre Kinder allerdings sollten sich vorher überlegen, was sie von dem Film erwarten. Wer ein Herz für einen mit groben Klischees noch grober herumalbernden Heldenwerdungsschinken hat, in dem reale Figuren in grob aufgelösten Welten von einem Ort zum anderen ziehen, während alle paar Minuten etwas Puff oder Peng macht: Für Gruppenbesuche sicherlich geeignet, eventuell ist eine gewisse Einstimmung auf den Film vor dem Kinobesuch anzuraten.
Harte Minecraft-Fans sollten den Film besser meiden
Dass der Film die Die-Hard-Minecraft-Geeks aber eher enttäuschen dürfte, will ebenfalls nicht verschwiegen sein. Denn es ist einfach ein Plot, der in dieser Welt spielt, mit Charakteren, die auf Minecraft angepasst wurden und teils aus Minecraft stammen. Fans des Spiels, die 2014 bereits einen Film per Crowdfunding auf den Weg bringen wollten, hätten das sicherlich anders gelöst. Die gleiche Story würde mit ganz wenig Änderungen auch in ganz anderen Welten funktionieren. Es ist dann eben doch nur "Ein Minecraft Film" und nicht "Der Minecraft Film". Ob man ein natürlich angebotenes DLC dazu wirklich braucht – oder damit den Zorn der Mitspieler auf sich zieht? Das wird sich nach dem Start des Films in den deutschen Kinos morgen zeigen.
(dmk)