Dormagen: 14-Jähriger Yosef aus Eritrea tot aufgefunden – was über den Fall bekannt ist

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Seiner Mutter hatte er gesagt, er wolle nur kurz zum Schützenverein, eine Uniform anprobieren. So erzählte es die Mutter später der »Bild« - Zeitung. Doch der 14-jährige Yosef kehrte nie wieder nach Hause zurück. Ein Spaziergänger fand die Leiche des Jugendlichen vergangenen Mittwoch an einem See im nordrhein-westfälischen Dormagen. Die Ermittler tappen laut SPIEGEL-Informationen noch immer im Dunkeln, wie Yosef zu Tode kam.

Schnell gab es Spekulationen über ein mögliches Motiv: Yosef stammt ursprünglich aus Eritrea und kam als Geflüchteter mit seiner Familie nach Deutschland. Könnte es ein rassistisches Motiv geben?

Am Montag teilte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf auf SPIEGEL-Anfrage mit, eine Obduktion habe zwar stattgefunden, die endgültige Auswertung stehe aber noch aus. Weitere Aussagen zu möglichen Tätern oder einem Motiv würden nicht mitgeteilt.

Was über die Tat bekannt ist

Schon kurz nach der mutmaßlichen Tat vermutete die Polizei ein Kapitalverbrechen. Der Körper des Jugendlichen weise Verletzungen auf, hieß es in einer Pressemitteilung . Eine Mordkommission sei im Einsatz. Außerdem wurde eine Belohnung ausgesetzt: Insgesamt 10.000 Euro wollen die Stadt Dormagen und die Staatsanwaltschaft Düsseldorf demjenigen bezahlen, der einen entscheidenden Hinweis liefert.

Spaziergänger hatten den leblosen Körper des Jugendlichen am vergangenen Mittwoch gegen 17.00 Uhr am Waldsee in Dormagen entdeckt. Ein herbeigerufener Notarzt konnte nur noch den Tod des Jungen feststellen. Yosefs Mutter berichtete gegenüber der »Bild«, ihr Sohn habe zu Hause aufgeregt gewirkt und hektisch auf seinem Handy getippt. Dann sei er zu dem angeblichen Treffen im Schützenverein aufgebrochen. Als sie längere Zeit nichts von ihm hörte, habe sie im Verein nachgefragt – man habe ihr dort gesagt, ein solches Treffen sei nie geplant gewesen.

Der Waldsee in Dormagen

Der Waldsee in Dormagen

Foto: dpa

Bei der Durchsuchung der Gegend um den Fundort kamen auch Taucher zum Einsatz. Dennoch konnten offenbar weder das Handy des Jugendlichen noch eine Tatwaffe sichergestellt werden.

Aus Eritrea nach Dormagen

Im Jahr 2018 war Yosef mit seiner Familie nach Deutschland gekommen. Seitdem lebte er mit seiner Mutter und seiner jüngeren Schwester in einer Unterkunft für Geflüchtete in Dormagen. Der 14-Jährige sei Klassensprecher gewesen, außerdem Mitglied im Brauchtumsverein der Stadt, sagte Bürgermeister Erik Lierenfeld dem »WDR«. Er habe in den vergangenen Tagen mit vielen Menschen gesprochen, die den Jungen persönlich gekannt hätten. Yosef war »einfach ein netter Junge«, sagte Lierenfeld.

Auch der Fußballverein des Jugendlichen meldete sich zu Wort: »Mit großer Trauer und tiefer Bestürzung erreichte uns die Nachricht von dem viel zu frühen Tod unseres Vereinsmitglieds«, hieß es auf der Homepage des Vereins.

»Sein strahlendes Lächeln und sein außergewöhnlicher Teamgeist haben ihn zu einem wertvollen Mitglied in unserem Verein gemacht.«

Mitteilung des Fußballvereins FC Delhoven zu Yosefs Tod

»Y. war ein äußerst beliebter Junge, der nicht nur im Verein, sondern auch in der ganzen Dorfgemeinschaft hochgeschätzt wurde. Sein strahlendes Lächeln und sein außergewöhnlicher Teamgeist haben ihn zu einem wertvollen Mitglied in unserem Verein gemacht.« Die Mitteilung wurde später gelöscht, zu groß sei das Medieninteresse gewesen, sagte ein Vorstandsmitglied dem SPIEGEL.

Auch innerhalb der Stadtgemeinschaft war die Anteilnahme groß. Am Samstag versammelten sich rund 3000 Menschen zu einem Trauerzug. Der Weg führte von dem Fundort von Yosefs Leiche bis zu der städtischen Unterkunft, in der er bis zu seinem Tod lebte.

Yosefs Mutter sagte in einem Interview mit RTL , dass der Schmerz nach dem Tod ihres Sohns kaum auszuhalten sei. Sie wünsche sich vor allem, dass die Tat aufgeklärt werde. Wann sich dieser Wunsch erfüllt, ist unklar.

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