Sicherheitskräfte beim Korrespondentendinner in Washington, D.C.: Eher chaotische Szenen
Foto: Jonathan Ernst / REUTERSAutomatisch erstellt mit KI. Mehr Informationen dazu hier.
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Hunderte Agenten verschiedener Strafverfolgungsbehörden waren damit beauftragt, das Korrespondentendinner in Washington zu schützen; US-Präsident Donald Trump war dieses Jahr als Hauptredner geladen. Dennoch gelang es einem Verdächtigen am Samstagabend , mit einer Schrotflinte und weiteren Waffen auf die Etage über den Ballsaal zu gelangen. Dort speiste die höchste politische Prominenz der USA gemeinsam.
Neben Trump waren auch Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth, Justizminister Todd Blanche, Finanzminister Scott Bessent, Innenminister Doug Burgum sowie verschiedene andere Regierungsvertreter anwesend, viele von ihnen mit eigenen Sicherheitsteams.
Gegen 20.36 Uhr Ortszeit stürmte ein Mann auf einen Sicherungsposten des Secret Service innerhalb des Hotels zu. Es fielen Schüsse, wer genau auf wen schoss, müssen die Ermittlungen erst noch ergeben. Ein Beamter des Secret Service wurde getroffen, eine schusssichere Weste verhinderte wohl Schlimmeres.
Die Gäste des Ballsaals, auch Trump und seine Minister, blieben unversehrt. Doch der Vorfall dürfte erneut Fragen über den Schutz aufwerfen, den die Führungsriege der USA in einer Zeit zunehmender politischer Gewalt erhält.
Es ist noch zu früh, um final beurteilen zu können, ob behördliche Fehler, Pannen in der Kommunikation oder anderweitiges Versagen vorliegen. Weniger als zwei Jahre nach dem Attentat auf Trump während des Präsidentschaftswahlkampfs 2024 deutet der Angriff jedoch zumindest darauf hin, dass selbst der umfassende persönliche Sicherheitsapparat des Landes Schwachstellen aufweist.
Der Schütze buchte sich als Gast ein
Washingtons Polizeichef erklärte, der mutmaßliche Schütze habe im Washington Hilton Hotel, wo das Dinner stattfand, ein Zimmer gebucht. Deshalb sei es ihm gelungen, den äußersten Sicherheitsring der Veranstaltung zu passieren, wie Behördenvertreter am Samstag mitteilten.
Während die mehr als 2000 Dinnergäste Metalldetektoren durchqueren mussten, um den weitläufigen Ballsaal im Untergeschoss zu betreten, mussten sie für den Zutritt zum Hotel selbst lediglich ein Ticket vorweisen. Das Hotel blieb zudem für den regulären Übernachtungsbetrieb geöffnet. Da der Eingang des Veranstaltungsorts von Demonstranten umgeben war – viele von ihnen protestierten gegen den Konfrontationskurs der US-Regierung gegen Iran – wurden die Dinnergäste zügig durchgewinkt.
In Videoaufnahmen ist zu sehen, wie der Schütze einen Flur entlangläuft und einen Sicherheitskontrollpunkt passiert. Anschließend schoss er auf einen Agenten, bevor er überwältigt und mit Handschellen gefesselt wurde.
Im Ballsaal bot sich ein eher chaotisches Bild: Secret-Service-Agenten brachten Trump und seinen Vize Vance rasch vom langen Haupttisch in Sicherheit. Die Personenschützer vieler Kabinettsmitglieder und Parlamentarier, die mit den Journalisten und deren Gästen im Saal saßen, reagierten unterschiedlich. Einige Agenten bahnten sich einen Weg durch den voll besetzten Ballsaal, stiegen auf Stühle und stießen Tafelgeschirr um, um zu ihren Schützlingen zu gelangen, während verwirrte Gäste unter Tische krochen.
Sicherheitsteams von Kabinettsmitgliedern, darunter Außenminister Rubio, Finanzminister Bessent und Innenminister Burgum, drängten ihre Schutzbefohlenen zu Boden und bildeten menschliche Schutzschilde. Die meisten Schutzbefohlenen wurden schließlich hinausgeführt, wobei der Zeitpunkt ihrer Evakuierung erheblich variierte. Einige wurden nahezu sofort in Sicherheit gebracht, andere blieben minutenlang an Ort und Stelle.
Gepanzerte Platte unter Trumps Tisch
»So viele Führungspersönlichkeiten der Regierung befinden sich zur gleichen Zeit im selben Raum«, zitierte der Sender CNN seinen Strafverfolgungsexperten Andrew McCabe. »Das schafft eine enorme Angriffsfläche für alle möglichen Probleme.«
Wahrscheinlich habe es eine »massive Koordination« zwischen dem US Secret Service und anderen Partnern gegeben. Sollte es einem bewaffneten Angreifer gelingen, das Gelände zu betreten, dann werfe das ihren »gesamten Plan, all diese Koordination, gewissermaßen über den Haufen.«
Secret-Service-Direktor Sean Curran argumentierte hingegen, der »mehrstufige Schutz« habe wie vorgesehen funktioniert. Das bekräftigte auch der kommissarische Chef des Washington Metropolitan Police Department, Jeffery Carroll.
Der Angreifer sei »beim ersten Kontakt« gestoppt worden, teilte der stellvertretende Direktor des Secret Service, Matthew Quinn, mit. Er sei ein Feigling gewesen, der versucht habe, eine »nationale Tragödie« herbeizuführen. Dabei habe er die Sicherheitsvorkehrungen des Secret Service unterschätzt. Mehrere Anwesenden hatten diese zuvor kritisiert und die Frage aufgeworfen, wie der Mann überhaupt so weit kommen konnte.
Ein kurz nach dem Vorfall von Trump in den sozialen Medien veröffentlichtes Überwachungsvideo zeigt den Schützen, wie er an Sicherheitsbeamten vorbeiläuft, die offenbar gerade dabei sind, die Metalldetektoren abzubauen. Sobald der Präsident im Ballsaal Platz genommen hatte, durften keine weiteren Gäste mehr in den gesicherten Bereich eintreten, weshalb die Detektoren entfernt wurden.
Innerhalb des Ballsaals gab es beim Dinner selbst weitere Sicherheitsvorkehrungen: Der US Secret Service bildete einen Sicherheitsring um den Präsidenten, der ihn von den anderen Personen am Haupttisch sowie den übrigen Gästen abschirmte. Unter dem Tisch, an dem Trump saß, waren gepanzerte Platten verborgen. Secret-Service-Agenten waren vor der Bühne und in den Seitenflügeln postiert, ebenso wie schwer bewaffnete Einsatzkräfte der Counter-Assault-Teams.
Schauplatz eines Attentatsversuchs 1981 gegen Reagan
Die Sicherheitsvorkehrungen beim jährlichen Korrespondentendinner der White House Correspondents’ Association sind besonders streng, wenn der Präsident anwesend ist, insbesondere angesichts der Geschichte des Veranstaltungsorts: Das Washington Hilton Hotel war auch der Schauplatz eines Attentatsversuchs auf den damaligen Präsidenten Ronald Reagan im Jahr 1981.
Danach ließ das Hotel umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen umsetzen, die speziell auf die Bedürfnisse des Präsidenten zugeschnitten sind. Darunter ist eine gesicherte Garage für die Präsidentenlimousine, die zu einem eigenen Aufzug sowie einem Treppenhaus führt, über das der Präsident zu einer für ihn persönlich reservierten Suite geleitet wird. Das Hotel richtet regelmäßig Großveranstaltungen aus, insbesondere solche, bei denen der Präsident zugegen ist.
Der Vorfall vom Samstagabend dürfte nun wieder Fragen zur Sicherheit rund um den Präsidenten und politische Veranstaltungen nach sich ziehen, so wie es bereits nach dem 13. Juli 2024 geschah.
Damals wurde Donald Trump als erster amtierender oder ehemaliger US-Präsident seit 1981 Opfer eines Attentatsversuchs, als eine Kugel bei einer Rede in dem Ort Butler in Pennsylvania sein Ohr streifte. Der 20-jährige Schütze konnte mehrere Schüsse auf Trump abfeuern, bevor der Secret Service das Feuer erwiderte und den Angreifer tötete.
Der Umstand, dass er dem Tod so nahe gekommen war, zog damals heftige Kritik an den Kompetenzen des Secret Service nach sich.

vor 3 Stunden
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