Donald Trump: Wie ein Saal voller News-Reporter auf den Anschlagsversuch reagierte

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 »Und dann haben mich die Polizisten gepackt«
 »Und dann haben mich die Polizisten gepackt«

CNN-Journalist Blitzer (M.) nach dem Attentatsversuch: »Und dann haben mich die Polizisten gepackt«

Foto: Jemal Countess / AFP

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Zum Glück endete das traditionelle White House Correspondents’ Dinner nicht in einem Blutbad. Schon zwei Stunden, nachdem der bewaffnete Attentäter festgenommen worden war, fühlte sich US-Präsident Donald Trump wieder zu Scherzen aufgelegt. Er hätte die »most inappropriate speech ever made«, also die größtmögliche Zumutung einer Rede halten wollen, um bei der Gala jene Hauptstadtkorrespondenten aus Washington, D.C., zu verspotten, denen er gern und oft »Fake News« vorwirft. Doch diese Rede müsse möglicherweise endgültig ad acta gelegt werden, sagte der Präsident. »Beim nächsten Mal werde ich sehr langweilig sein«, scherzte Trump bei einer Pressekonferenz am späten Samstagabend.

Zuvor war die festliche Veranstaltung im Hilton Hotel binnen weniger Sekunden zum Schauplatz von Furcht und Panik geworden. Trump, der erstmals als Präsident an dem Korrespondenten-Dinner teilnahm, war kurz davor, seine provokante Rede zu halten. Er ließ sich von einem Magier an einer langen weißen Tafel auf der Bühne des Ballsaals einen Zaubertrick vorführen, als plötzlich Schüsse zu hören waren. Während Trump und seine Ehefrau Melania eilig in Sicherheit gebracht wurden, spielten sich im Hotel chaotische Szenen ab.

Gäste werden wieder zu Reportern

Da der Saal voller Reporter und Journalisten war, wurden aus den Gala-Gästen augenblicklich Berichterstatter. Auf zahlreichen Handyvideos und einem offiziellen Livestream war zu sehen, wie sich die lockere Szenerie anspannte, als nach den Schussgeräuschen außerhalb des Saals und des angrenzenden Sicherheitsbereichs die Hintergrundmusik abbrach.

»Die Vorspeise aus Frühlingserbsen und Burrata war bereits serviert worden«

Michael M. Grynbaum, »New York Times«

Michael M. Grynbaum, Medien-Korrespondent der »New York Times«, beschreibt den Moment in seinem Augenzeugenbericht  als gespenstisch: »Die Vorspeise aus Frühlingserbsen und Burrata war bereits serviert worden und die gesellige Runde beim Dinner der White House Correspondents’ Association am Samstag hatte begonnen, als kurz nach 20.30 Uhr im hinteren Teil des Ballsaals des Washington Hilton ein kleiner Tumult ausbrach.

Vielleicht war es ein umgestürzter Catering-Wagen oder vielleicht eine Rangelei mit Demonstranten. Dann begannen Sicherheitsbeamte, die Gänge entlang in Richtung der erhöhten Bühne zu sprinten, wo Präsident Trump zusammen mit Vizepräsident JD Vance und First Lady Melania Trump nur wenige Minuten zuvor Platz genommen hatte.

Es gab keine Durchsagen oder Rufe wie ›In Deckung!‹. Stattdessen breitete sich ein Gefühl der Gefahr wie eine Welle im Saal aus. Hunderte der führenden Medienmanager, Chefredakteure und prominenten Fernsehmoderatoren des Landes, gekleidet in Smokings und Abendkleidern, warfen sich instinktiv zu Boden, kauerten sich neben Stühle und duckten sich unter Tische.

 Vom Secret Service aus dem Saal eskortiert

US-Gesundheitsminister Kennedy (M.): Vom Secret Service aus dem Saal eskortiert

Foto: Mandel Ngan / AFP

Inmitten der angespannten Szenerie werden der Präsident und seine Frau Melania rasch von Sicherheitskräften abgeschirmt und aus dem Hotel in Sicherheit gebracht. Auch Vizepräsident JD Vance und alle anderen beteiligten Kabinettsmitglieder überstehen den Vorfall nach Trumps Angaben unversehrt. Am Tisch des Präsidenten hatte auch seine hochschwangere Pressesprecherin Karoline Leavitt gesessen, die sich am Freitag in den Mutterschutz verabschiedet hatte.

Hotel mit Vorgeschichte

Ebenfalls aus dem Ballsaal eskortiert wird Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. Der häufig kurz »RFK Jr.« genannte 72-Jährige ist der Neffe des 1963 bei einem Attentat ermordeten Präsidenten John F. Kennedy und der Sohn des früheren Justizministers und Präsidentschaftsbewerbers Robert F. Kennedy, der 1968 erschossen wurde. Das Hilton Hotel in Washington wird unter Einheimischen auch »Hinckley Hilton« genannt, weil sich hier vor fast genau 45 Jahren der Attentatsversuch von John Hinckley auf den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan ereignet hatte. Reagan erlitt damals eine Schussverletzung.

»Es war entweder ein Tablett oder eine Kugel. Ich hoffte, es wäre ein Tablett, aber es war keins«

US-Präsident Donald Trump

Trump sagt später, er habe zunächst »geglaubt, es sei ein Tablett heruntergefallen«. Dann sei ihm klar geworden, dass der laute Knall von Pistolenschüssen herrührte. »Es war entweder ein Tablett oder eine Kugel. Ich hoffte, es wäre ein Tablett, aber es war keins.«

Sie sei im Saal gewesen und habe gesehen, wie der Secret Service sofort einschritt, um den Präsidenten zu schützen, sagte Alexandra Ingersoll vom Sender One America News der Nachrichtenagentur AFP. »Ich habe mich einfach unter den Tisch geduckt. Ich wusste nicht, ob der Schütze unschädlich gemacht worden war oder was gerade vor sich ging.«

Livestreams aus dem Ballsaal

Viele Journalisten begannen Livestreams mit ihren Mobiltelefonen aus dem Ballsaal. In den ersten Minuten gab es kaum belastbare Informationen, doch die Reporter trugen Details über den mutmaßlichen Schützen aus Quellen zusammen, indem sie diese per Telefon und SMS kontaktierten. Die Präsidentin der White House Correspondents’ Association, Weijia Jiang, die auf der Bühne neben Trump gesessen hatte, sagte später zu den Anwesenden: »Ich habe gesehen, wie ihr alle berichtet habt, und genau das ist unsere Aufgabe. Gott sei Dank sind alle in Sicherheit, und danke, dass ihr heute Abend hier zusammengekommen seid.«

Mark Thompson, CEO des Nachrichtensenders CNN, würdigte die »schwierigen und unsicheren Umstände« in einem Memo an die Mitarbeiter, die am Dinner teilgenommen hatten. Er lobte den prominenten CNN-Moderator Wolf Blitzer, »der sich zum Zeitpunkt des Vorfalls in unmittelbarer Nähe befand und – wir sprechen hier von Wolf – so schnell wie möglich mit der Berichterstattung begann.« Blitzers Augenzeugenbericht wurde live bei CNN übertragen.

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Blitzer berichtete, ein Polizist habe ihn sofort zu Boden geworfen, nachdem er gesehen hatte, wie der Angreifer »deutlich auf dem Boden liegend« in einem Saal nur wenige Meter von ihm entfernt schoss. »Und dann haben mich die Polizisten gepackt und mich zurück in die Herrentoilette gebracht, wo es sicher war, und dort saßen etwa 15 andere Männer fest, die sie nicht herauslassen wollten«, sagte der 78-Jährige seinem Sender.

Auch Blitzers Kollege Jake Tapper, Nachrichtenchef von CNN, war im Saal und filmte Szenen des ausbrechenden Chaos mit seinem Handy, die er unter anderem auf der Plattform X teilte. Er habe gesehen, wie Agenten des Secret Service einen Gang entlang rannten, obwohl er selbst die Schüsse nicht gehört habe, sagte er auf CNN: »Die Leute sprangen unter Tische, und alle waren sehr aufgeregt und besorgt«, sagte er.

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»Als der Tumult begann, schien der Raum für einen Moment auf den Kopf gestellt«, schrieben Bari Weiss und Tom Cibrowski, Chefredakteurin und Präsident von CBS News, laut CNN-Berichten in einem spätabendlichen Memo an ihre Mitarbeiter. »Aber sofort zückten unsere Journalisten ihre Handys, rannten auf das Chaos zu, begannen zu filmen, begannen zu telefonieren und versuchten, das, was wir gerade gesehen hatten, zu dokumentieren und zu verstehen.«

Trey Yingst von Fox News rief in seinem Regieraum an, um aktuelle Informationen für die Sendung zu liefern, schrieb »New York Times«-Reporter Grynbaum: »Jacqui Heinrich, eine der Korrespondentinnen des Senders im Weißen Haus, hatte auf dem Podium gesessen und berichtete nun hinter den Kulissen. (...) Der Chefredakteur von »Politico«, Jonathan Greenberger, wies mehrere in Abendgarderobe gekleidete Reporter an, einen nahe gelegenen Bankettsaal als provisorische Kommandozentrale zu requirieren, damit sie die Nachrichten schnell veröffentlichen konnten.«

Galgenhumor mischt sich unter die Panik

Es kam laut Grynbaum zwischendurch auch Galgenhumor auf: »Bringen sie noch mehr Champagner?«, habe ein Gast zu einem Freund gesagt, so der Reporter. Andere Gäste seien jedoch zutiefst erschüttert gewesen. »Die Hand einer Frau zitterte, als sie mit einem Familienmitglied telefonierte und sich die Tränen abwischte«, schrieb Grynbaum.

 US-Präsident Trump mit Journalistin Jiang (r.), First Lady Melania und Pressesprecherin Leavitt auf der Bühne des Ballsaals

Kurz vor den Schüssen: US-Präsident Trump mit Journalistin Jiang (r.), First Lady Melania und Pressesprecherin Leavitt auf der Bühne des Ballsaals

Foto: Mandel Ngan / AFP

Im vorderen Teil des Saals, so berichtet es die »Washington Post«, brachten Beamte des Secret Service zunächst Vizepräsident JD Vance von der Bühne, wenige Sekunden später folgten Donald und Melania Trump. Auch andere Amtsträger, darunter Außenminister Marco Rubio, wurden rasch in Sicherheit gebracht.

Die Sicherheitsbeamten brüllten Anweisungen – »Macht Platz! Macht Platz!« –, während sie Kabinettsmitglieder und andere hochrangige Trump-Beamte aus dem Ballsaal eskortierten. Einige Anwesende wurden bei dem Gedränge verletzt, berichtet die »Washington Post«: Harmeet Dhillon, eine hochrangige Beamtin des Justizministeriums, sagte den Reportern der Zeitung, sie habe sich am Kopf verletzt, als die Beamten über Tische und Stühle hinweg rannten. Verteidigungsminister Pete Hegseth, FBI-Direktor Kash Patel und andere versammelten sich im Anschluss außerhalb des Hotels mit Sicherheitskräften.

Auch Erika Kirk unter den Gästen

Augenzeugenberichten und Fotos zufolge war auch Erika Kirk unter den Dinnergästen, die sich unter den Tischen im Ballsaal versteckten. Später sei sie von FBI-Direktor Kash Patel getröstet worden, berichtete das Magazin »People«. Kirk ist seit dem Tod ihres Mannes Charlie Kirk, der im September 2025 bei einer politischen Veranstaltung an der Utah Valley University erschossen wurde, Geschäftsführerin von dessen Trump-naher Organisation Turning Point USA.

Den Behörden zufolge war ein »einzelner Schütze« gegen 20.36 Uhr Ortszeit (0.36 Uhr MESZ) durch eine Sicherheitskontrolle in der Hotellobby direkt vor dem Ballsaal gestürmt. Trumps Autokolonne verließ das Hilton um kurz nach 20.40 Uhr in Richtung Weißes Haus. Die zuständigen Korrespondenten eilten daraufhin ebenfalls zum Regierungssitz, um an der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz des Präsidenten teilzunehmen.

Das jährliche White House Correspondents’ Dinner wird seit hundert Jahren in Washington zelebriert. Dabei kommen Journalisten und Vertreter des Weißen Hauses zusammen, auch die Teilnahme des Präsidenten hat lange Tradition. Bekannt sind die Abendessen für teils derbe Witze auf Kosten der Gäste – und selbstironische Ansprachen der Präsidenten. Trump war dem Korrespondenten-Dinner in seiner ersten Amtszeit allerdings ferngeblieben.

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