„Die Grosse Kunstausstellung“: Hier gibt es Kunst auch für den kleineren Geldbeutel

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Forschend schaut die Hyäne den Betrachter an, ihr Blick ist neugierig, aber auch etwas schüchtern. Dass sie dennoch bedrohlich wirkt, liegt an ihrer Größe: Das Raubtier prangt auf einer Tuschezeichnung von Markus Willeke – und die ist zwei mal drei Meter groß.

Das Werk des westfälischen Künstlers gehört zu den eindrucksstärksten auf der 124. Ausgabe der „Grossen“ in Düsseldorf – der ältesten und größten Kunstverkaufsausstellung Deutschlands, die komplett von Künstlern für Künstler organisiert wird. Auch diesen Sommer werden das Museum Kunstpalast und NRW-Forum für fünf Wochen zu einer Plattform für Kunstschaffende aus Nordrhein-Westfalen und zu einem Treffpunkt für Sammler und Kunstliebhaber, die hier direkt Kunst kaufen können – und zwar auch für den kleineren Geldbeutel.

 Tuschezeichnung einer Hyäne von Markus Willeke auf der „Grossen Kunstausstellung NRW“ 2026Blickfang: Tuschezeichnung einer Hyäne von Markus Willeke auf der „Grossen Kunstausstellung NRW“ 2026Morgaine Prinz

Die Hauptausstellung zeigt 300 Arbeiten: Malerei, Grafik, Skulptur, Fotografie und Medienkunst. Das teuerstes Werk ist mit 60.000 Euro eine Installation von dem Bildhauer Ralf Werner. Willekes Hyäne bewegt sich mit 14.000 Euro im mittleren Segment. Die meisten Arbeiten bleiben preislich unter 10.000 Euro. Parallel dazu gibt es das „Kleine Format“: 350 weitere Werke, die in Petersburger Hängung dicht neben- und übereinander sieben Wände komplett bedecken, alle maximal 40 mal 50 Zentimeter messend und allerhöchstens 1000 Euro teuer.

Hier ist Selbstbedienung erlaubt: Wer eine Arbeit kaufen möchte, darf es abhängen, sich unter den Arm klemmen und am Schalter bezahlen. Die Versuchung ist groß: Das stimmungsvolle kleine Ölbild mit sechs an einer Stange lehnenden Figuren von Heike Ludewig etwa möchte man am liebsten sofort mitnehmen: Die Düsseldorfer Künstlerin hat es auf eine transparente Kunststoffplatte gemalt und auf ein Aquarell gelegt. Preisschild: 520 Euro.

Die knallbunten dreidimensionalen Arbeiten von Detlef Funder an der Wand gegenüber kosten 900 Euro das Stück: mit glänzendem Kunstharz beschichtete runde Wabenkartons, die an zu groß ausgefallene Macarons erinnern.

Wie im Supermarktregal

Entstehende Lücken an den Wänden werden umgehend gefüllt – „wie im Supermarktregal“, witzelt Emmanuel Mir. Der aus Frankreich stammende Kunstwissenschaftler hat 2024 die Ausstellungsleitung übernommen. Eine seiner ersten Maßnahmen bestand darin, die Wandfläche für das Kleine Format zu vervierfachen. „Es ist seit jeher unser Publikumsrenner“, sagt der 53-Jährige. Denn die wichtigste Zielgruppe dieser selbstinszenierten Leistungsschau ist die Mittelschicht: „Das für Kunstmessen wie Basel, Paris oder London übliche Publikum kommt nicht zu uns.“

Zu den Besuchern der „Grossen Kunstausstellung NRW Düsseldorf“, wie sie offiziell heißt, zählen vor allem Kunstinteressierte und Museumskuratoren aus der Region, die sich ein Bild von der künstlerischen Entwicklungen in dem Bundesland machen wollen. Für die Künstler wiederum schafft die Schau Sichtbarkeit und Zugang zum Kunstmarkt durch Direktverkauf, ganz ohne Galerie. Wer an der Hauptausstellung teilnehmen möchte, muss sich nach dem Prinzip des Salons mit aktuellen Arbeiten bewerben. An die 1500 waren es dieses Mal, so viele wie nie zuvor. Eine siebenköpfige Jury hat rund 170 Kunstschaffende ausgewählt. Die Teilnehmer des Kleinen Formats werden eingeladen.

 „Rhonegletscher“ von Thomas Wrede (links)In der Verkaufsausstellung: „Rhonegletscher“ von Thomas Wrede (links)Morgaine Prinz

Finanziert wird die insgesamt gut 400.000 Euro teure Verkaufsschau mit Fördergeldern von Stadt und Land, dem Erlös der Eintrittstickets und dem Verkauf der Werke: 60 Prozent gehen an die Künstler, 40 Prozent an den Organisator, den Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen. Er vergibt auch den Förderpreis und den Kunstpreis der Künstler. Der Förderpreis ging dieses Jahr an Max van Dorsten. Der 29 Jahre alte Kölner hält in mysteriösen Fotoarbeiten die Farbigkeit der Nacht fest. Mit dem Kunstpreis für sein Lebenswerk wurde der in Krefeld lebende Niederländer Bart Koning ausgezeichnet: Er ist mit realistischen Stillleben und Tierbildern bekanntgeworden, die an die Feinmalerei altholländischer Meister erinnern.

„Bürgerliche Salonkunst“?

Als Ausstellungsleiter stand Mir auch dieses Jahr wieder vor der Herausforderung, sich zwischen kommerziellen Interessen einerseits und intellektuellen Ansprüchen andererseits im Spagat zu üben. In der Vergangenheit wurde der „Grossen“ gerne der Vorwurf gemacht, zu marktorientiert zu sein. Von „bürgerlicher Salonkunst“ war die Rede.

Für die 124. Ausgabe ist das ein ungerechtfertigtes Etikett. Auch wer nichts erwerben will, kommt auf seine Kosten. Trotz Vielfalt und Masse – bei 650 Werken besteht die Gefahr, vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen – ist es Mir gelungen, die Schau übersichtlich zu strukturieren. So wie schon 2025 hat er sie in Themenbereiche wie Porträt, abstrakte Malerei oder Skulptur eingeteilt. Der Ausstellungsparcours überrascht durch spannende Sichtachsen und ungewöhnliche Kombinationen.

Was gezeigt wird, mag wenig provokant sein und nur am Rande politisch. Aber es ist anspruchsvoll und stark genug, um gesellschaftliche Trends und Spannungen zu zeigen. So haben sich dieses Jahr auffallend viele Künstler mit Natur und Umwelt auseinandergesetzt. Fotoarbeiten wie „Blut der Erde“ von Finn Wagner gehen unter die Haut. Auch der „Rhonegletscher“ von Thomas Wrede lässt den Betrachter nicht unberührt: Was auf den ersten Blick an die Zeltlandschaft eines Flüchtlingslagers erinnert, erweist sich als Stoff, der über Gletschereismassen gelegt wurde, um den Schmelzprozess zu bremsen. 2025 kamen 31.000 Besucher in fünf Wochen. Der Umsatz belief sich auf rund 270.000 Euro; 340 Werke wurden verkauft.

Dieses Jahr sind auffallend viele großformatige Arbeiten dabei, die eigentlich zu groß sind für die Häuser der Zielgruppe. Mir hofft dennoch, das Ergebnis vom vergangenen Jahr zu übertreffen. Er hat ehrgeizige Pläne: Auch die „ganz Reichen“ sollen kommen – sprich: die großen Sammler. Das Rahmenprogramm wurde deshalb erweitert. Neben Führungen, Konzerten und Künstlergesprächen im Museum können Interessierte jetzt erstmals einige der teilnehmenden Künstler in ihren Ateliers aufsuchen – in der Hoffnung, dass Sammler dort nicht nur bei den Häppchen und bubbles zugreifen, sondern auch bei den Kunstwerken.

Die Grosse Kunstausstellung NRW, Düsseldorf, Kunstpalast, NRW-Forum und Ehrenhof, bis zum 9. August, Kombi-Ticket 16 Euro

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