Kennedy Center Trump-kritischer Comedian bekommt Humorpreis – trotz Intervention des Weißen Hauses
Als Komiker schießt Bill Maher scharf gegen woke Linke, aber auch gegen US-Präsident Trump. Berichte über einen wichtigen Preis für ihn bezeichnete das Weiße Haus als Fake News. Nun wird Maher doch ausgezeichnet.
27.03.2026, 12.48 Uhr
Komiker Maher (bei der »Vanity Fair«-Oscarparty Mitte März): »Wie ein Emmy, nur dass ich gewinne«
Foto: Xavier Collin / Image Press Agency / Sipa USA / picture allianceBill Maher wird den renommierten Mark-Twain-Preis für amerikanischen Humor erhalten. Das teilte das Kennedy Center am Donnerstag mit – weniger als eine Woche, nachdem das Weiße Haus nachdrücklich dementiert hatte, dass der Komiker diesen Preis erhalten würde. Mahers Verhältnis zu Präsident Donald Trump war in der Vergangenheit sehr wechselhaft.
»Seit fast drei Jahrzehnten ehrt der Mark-Twain-Preis einige der größten Köpfe der Comedy-Szene«, sagte Roma Daravi, Vizepräsidentin für Öffentlichkeitsarbeit des Kennedy Centers, in einer Erklärung. »Seit noch längerer Zeit prägt Bill den amerikanischen Diskurs – mit einem politisch unkorrekten Witz nach dem anderen.«
Bill Maher, 70, moderiert seit 2003 beim Pay-TV-Sender HBO die Sendung »Real Time with Bill Maher«. In der wöchentlich ausgestrahlten Show interviewt er prominente Gäste und Politiker zu aktuellen Ereignissen und gesellschaftlichen Themen und hält einen humoristischen Monolog. Seit 2022 betreibt er darüber hinaus einen Podcast namens »Club Random«.
Maher bei der Verleihung seines Sterns auf dem »Walk of Fame« in Hollywood
Foto: Faye Sadou / AdMedia / picture allianceIn der vom Kennedy Center verbreiteten Erklärung wurde Maher mit den Worten zitiert, man habe ihm »gerade den Preis erklärt, und anscheinend ist er wie ein Emmy, nur dass ich gewinne«. Für seine Talkshows und andere Sendungen war er 41 Mal für den wichtigsten Fernsehpreis nominiert; gewonnen hat er den Emmy aber nur ein einziges Mal, als Teil des Produzententeams der Doku-Serie »Vice«.
Das US-Magazin »The Atlantic« hatte bereits in der vergangenen Woche berichtet , dass Maher als Preisträger ausgewählt worden sei. Auf diese Veröffentlichung reagierte das Weiße Haus scharf. Der Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, Steven Cheung, schrieb in den sozialen Medien , die Meldung sei »buchstäblich FAKE NEWS«. Auch die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, bezeichnete den »Atlantic«-Bericht zu dem Thema als »Fake News«. Maher werde »diesen Preis NICHT erhalten«.
Ein Regierungsbeamter, der sich am Donnerstag weigerte, öffentlich über die Auszeichnung zu sprechen, sagte der Nachrichtenagentur Associated Press, die Situation habe sich nach weiteren Gesprächen zwischen dem Kennedy Center und den Veranstaltern geändert.
»Real Time«-Moderator Maher
Foto: Janet Van Ham / APDas Kennedy Center würdigt mit dem Preis seit 1998 Personen, die einen bedeutenden Beitrag zu Humor und Satire in den Vereinigten Staaten geleistet haben. Zu den früheren Preisträgern gehören Conan O'Brien, Dave Chappelle, Julia Louis-Dreyfus, David Letterman, Carol Burnett und Tina Fey.
Bill Maher und Donald Trump haben seit Langem ein angespanntes Verhältnis. Bevor er in die Politik ging, verklagte Trump Maher 2013 wegen Vertragsbruchs. In Jay Lenos »Tonight Show« hatte Maher gesagt, er würde fünf Millionen Dollar an eine von Trump zu benennende Wohltätigkeitsorganisation spenden, wenn dieser beweisen könne, dass er nicht »das Ergebnis des Geschlechtsverkehrs seiner Mutter mit einem Orang-Utan« sei. Trump behauptete, dass Maher die Summe nicht gezahlt habe, als er seine Geburtsurkunde vorlegte – was dann Trumps Klage nach sich zog. Er zog die Klage später zurück.
In seinen Sendungen kritisiert Bill Maher den Präsidenten Trump und seine MAGA-Bewegung immer wieder scharf. Maher wurde von deutschen Medien lange als linker Comedian etikettiert; er hatte vor den Präsidentschaftswahlen 2008 Barack Obama unterstützt und sich 2016 öffentlich für Hillary Clinton ausgesprochen. Zugleich positioniert sich Maher aber immer wieder gegen die sogenannte »Wokeness«; schon seine erste Late-Night-Show, die er von 1993 bis 2002 moderierte, trug den programmatischen Titel »Politically Incorrect«.
Maher im »Politically Incorrect«-Studio
Foto: Everett Collection / IMAGOEine überraschende Wendung nahm Mahers Verhältnis zu Donald Trump im März 2025, als der Komiker beim frisch wiedergewählten Präsidenten zum Abendessen eingeladen war. »Wohlwollend« sei Trump gewesen, sagte Maher danach in seiner Show »Real Time«, viel reflektierter als erwartet. »Alles, was ich jemals an ihm nicht mochte, war – ich schwöre bei Gott – abwesend.«
Auf Mahers Bekehrung reagierte dessen Komikerkollege Larry David, Comedylegende und Erfinder der Serien »Seinfeld« und »Curb Your Enthusiasm«, mit einem satirischen Essay, veröffentlicht in der »New York Times« . Der Titel: »My Dinner with Adolf«.
Anfang dieses Jahres eskalierte es zwischen Trump und Maher erneut, als der Präsident in den sozialen Medien behauptete , er habe Zeit verschwendet, als er sich mit dem Komiker zum Essen traf. »Er kam in das berühmte Oval Office und war ganz anders, als ich gedacht hatte«, schrieb Trump online. »Er war extrem nervös und hatte NULL Selbstvertrauen.« Trump bezeichnete Maher als »höchst überschätztes LEICHTGEWICHT«; er unterscheide sich nicht »von Kimmel, Fallon oder Colbert«, wenngleich er »ein wenig mehr Talent« habe.
Die Auszeichnung an Bill Maher soll am 28. Juni verliehen werden, kurz bevor Trump das Kennedy Center für Renovierungsarbeiten schließen will, die voraussichtlich etwa zwei Jahre dauern werden. Seit seiner Rückkehr ins Amt hat der Präsident enormen Einfluss auf die Einrichtung ausgeübt. Er entließ die bisherige Leitung und ersetzte sie durch einen handverlesenen Stiftungsrat, der ihn zum Vorsitzenden ernannte. Dieser fügte Trumps Namen zum Namen des Kennedy Centers hinzu und genehmigte die Schließung.
Die Zeremonie zur Verleihung des Mark-Twain-Preises wird in den USA von Netflix gestreamt – wobei bisher noch kein Ausstrahlungsdatum bekannt ist. Bei der Vergabe an Conan O'Brien 2025 war Donald Trump nicht persönlich anwesend, aber der Gegenstand zahlreicher Witze.
Bill Maher bezeichnete es als »eine Ehre«, einen Preis zu erhalten, der nach jemandem benannt wurde, »der aus so vielen Schulbibliotheken geworfen wurde wie Mark Twain«.

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