In Berlin ist Autobesitz auf dem Rückzug. Seit 2021 nimmt die Zahl der in der Hauptstadt gemeldeten Privat-Pkw ab, obwohl die Bevölkerung wächst.
Nach neuesten Zahlen kamen Ende 2025 nur noch 275 Autos auf 1000 Einwohnerinnen und Einwohner, was dem tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung 2008 entspricht. Das geht aus einer Antwort der Senatsverkehrsverwaltung auf eine Anfrage der Berliner Grünenabgeordneten Antje Kapek hervor. Das Schreiben liegt dem SPIEGEL vor, zuerst hatte der »Tagesspiegel« berichtet .
Am geringsten ist die Quote demnach in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg mit 168 und in Mitte mit 179 Autos auf 1000 Einwohner. Am höchsten liegt sie in Steglitz-Zehlendorf mit 364 – womit Autobesitzer also ebenfalls noch in der Minderheit sind.
Die Pkw-Dichte geht auch in anderen Städten zurück, wie etwa Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts zeigen – das kann auch der Fall sein, wenn die Zahl der Autos gleich bleibt, aber die Bevölkerung wächst. In Berlin stieg die Einwohnerzahl in den vergangenen vier Jahren von rund 3,78 Millionen auf rund 3,91 Millionen. Bemerkenswert ist, dass auch die absolute Zahl der gemeldeten Pkw sank: 1.074.696 waren es zum Jahreswechsel, rund 24.000 weniger als auf dem Höchststand Ende 2021.
Hochburg des autofreien Lebens
Zu beachten ist, dass der Senat hierbei nur Pkw zählt, die auf natürliche Personen zugelassen sind, und die Einwohnerzahl aus dem amtlichen Melderegister berechnet. Dadurch sind die Zahlen mit anderen Statistiken nicht eins zu eins vergleichbar. Das Statistische Bundesamt weist für Berlin etwa eine niedrige Einwohnerzahl aus, die aus der jüngsten Volkszählung abgeleitet ist; das Kraftfahrt-Bundesamt zählt in seiner Pkw-Statistik auch auf Firmen zugelassene Pkw mit.
Ein Vergleich mit anderen Städten ist nur auf Grundlage der letztgenannten, etwas älteren Statistiken möglich – auch die zeigen Berlin als Hochburg des autofreien Lebens, aber nicht ganz so deutlich. Laut Kraftfahrt-Bundesamt kamen Anfang 2024 in Berlin 331 Pkw auf 1000 Einwohnerinnen und Einwohner – in Hamburg waren es 430, in Köln 459, in München 505. Im deutschen Durchschnitt betrug die Pkw-Dichte zum damaligen Zeitpunkt 582.
Da in der Berliner Senatsstatistik Werte für 2024 fehlen, lässt sich nicht direkt ableiten, ob sich die Abkehr vom Auto neuerdings beschleunigt hat. Allerdings wurden im Jahr 2025 nur 59.523 Privat-Pkw in Berlin neu zugelassen, so wenige wie nie seit 2001. Der Höchststand in diesem Zeitraum lag bei 93.381 im Jahr der Abwrackprämie 2009.
Die Grünenabgeordnete Kapek schließt daraus, dass Berlin sich vom Pkw verabschiede: »Die Zeit des Autos ist vorbei.« Gegen diese Deutung sprechen allerdings andere Entwicklungen: Als die Initiative »Berlin autofrei « kürzlich Unterschriften sammelte, um einen Volksentscheid über ein weitgehendes Autoverbot innerhalb des S-Bahn-Rings zu bewirken, fanden sich nicht genug Unterstützer.
Wie viele Städte ringt auch Berlin darum, wie viel Platz dem Auto auf den Straßen künftig einzuräumen sei. Die Entscheidungen des aktuellen schwarz-roten Senats, wie die Öffnung eines zuvor autofreien Stücks der Friedrichstraße oder die eingestellte Finanzierung für verkehrsberuhigte Kiezblocks, sind dabei immer wieder umstritten.
Während die Menschen in Deutschland insgesamt weiter mehr und mehr Autos besitzen, zeigen andere Zahlen, dass sie gleichzeitig weniger fahren. Lesen Sie hier mehr darüber, was sich im Verhältnis der Deutschen zu ihrem liebsten Verkehrsmittel gerade ändert.

vor 2 Stunden
1










English (US) ·