Auszubildende trauen Künstlicher Intelligenz beim Erklären von Ausbildungsthemen häufig mehr zu als den Menschen, die sie eigentlich unterrichten sollen. In der Umfrage »Azubi-Recruiting Trends 2026« gaben 53 Prozent der Befragten an, KI könne Themen »öfter« oder »manchmal« besser erklären als die eigenen Ausbilder. Die Ergebnisse liegen dem SPIEGEL vorab vor.
Mit Blick auf Berufsschullehrer:innen ist der Wert noch höher: 74 Prozent meinen, KI erkläre besser als sie. Insgesamt stimmten 85 Prozent der Auszubildenden der Aussage zu, KI-Tools wie ChatGPT oder Gemini bereits im Ausbildungskontext zu nutzen. Gleichzeitig schätzen sich die jungen Befragten selbst als kompetent ein: 85 Prozent halten ihre eigenen KI-Fähigkeiten für »sehr fit« oder »eher fit«.
Für die jährlich durchgeführte Umfrage im Auftrag der u-form Testsysteme, einem Anbieter für Onlinetests und digitale Recruitings, wurden zwischen Januar und März 2026 insgesamt 11.595 Personen online befragt. Knapp die Hälfte davon waren Auszubildende; weitere Teilnehmende waren Schüler:innen sowie dual Studierende. Außerdem nahmen 2071 Ausbildungsverantwortliche teil.
Drei Viertel der Azubis fühlen sich psychisch belastet
Die Erhebung zeigt zudem deutliche Wahrnehmungsunterschiede zwischen Betrieben und Azubis, etwa bei Fehlzeiten. Nur 28 Prozent der Azubis geben an, im vergangenen Ausbildungsjahr elf Tage oder mehr gefehlt zu haben. Ausbildungsverantwortliche schätzen den Anteil in ihren Betrieben hingegen auf 50 Prozent. Drei Viertel der Ausbilder sind überzeugt, dass krankheitsbedingte Fehltage in den vergangenen fünf Jahren gestiegen sind.
Auch psychische Belastungen spielen laut Befragung eine große Rolle. 45 Prozent der Azubis und dual Studierenden sehen sich »manchmal«, »oft« oder »sehr oft« in der Ausbildung/im dualen Studium überfordert, 74 Prozent fühlen sich in der Ausbildung psychisch belastet. Rund ein Viertel berichtet, sich schon einmal wegen einer psychischen Belastung krankgemeldet zu haben.
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Ausbildungssuche wird schwieriger – Betriebe bleiben unterbesetzt
Für viele Jugendliche wird die Ausbildungssuche laut der Umfrage gerade schwieriger. Unternehmen haben wieder öfter die bessere Ausgangsposition. Nur noch 29 Prozent der befragten Azubis erhielten 2026 zwei oder mehr Angebote für einen Ausbildungsplatz, das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung 2014. Gleichzeitig bleibt die Lage für viele Betriebe angespannt: 66 Prozent der ausbildenden Unternehmen geben an, 2025 nicht alle Ausbildungsplätze besetzt zu haben.
Wie leicht lassen sich Onlinetests und Eignungsprüfungen heute schon von KI-Agenten erschummeln? Informatikprofessorin Doris Weßels hat ausprobiert, wie autonome Systeme komplette Prüfungen in Minuten lösen und Sicherheitsabfragen umgehen. Das ganze Interview lesen Sie hier .

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