Attentat in Italien: Lavitola gesteht: Habe Bombenanschlag beauftragt

vor 1 Stunde 1

Lavitola gesteht: Habe Bombenanschlag beauftragt

13.08.2026, 19:51Lesezeit: 3 Min.

 Valter Lavitola

Der Freund des bekannten Journalisten Sigfrido Ranucci lässt vor dessen Haus eine Bombe hochgehen. Damit habe er diesem etwas Gutes tun wollen, sagt der angeklagte Valter Lavitola.

Der frühere Journalist und Verleger Valter Lavitola hat vor dem Haftrichter in Rom gestanden, den Bombenanschlag vom 16. Oktober 2025 auf seinen Freund Sigfrido Ranucci in Auftrag gegeben zu haben. Das bestätigte Lavitolas Anwalt am Mittwochnachmittag nach der mehr als fünfstündigen Einvernahme des Angeklagten. Lavitola, der über einen flüchtigen Mittelsmann die Bombenleger aus dem Umkreis der Mafiaorganisation Camorra nahe Neapel hatte anheuern lassen, will mit seinem Geständnis offenbar erreichen, dass er aus der Untersuchungshaft entlassen wird und die Zeit bis Verfahrensbeginn mit einer elektronischen Fußfessel im Hausarrest verbringen darf. Lavitolas Anwalt äußerte die Hoffnung, sein Mandant könne schon am Samstag das Gefängnis Rebibbia verlassen. Lavitola war am Montag festgenommen worden.

Als Motiv gab der 60 Jahre alte Angeklagte an, er habe mit dem Anschlag erreichen wollen, dass der Polizeischutz für den bekannten investigativen Fernsehjournalisten Ranucci verstärkt werde. Ranucci steht wegen Drohungen der Mafia, über deren Machenschaften er in seinem Fernsehmagazin „Report“ im öffentlich-rechtlichen Sender RAI 3 immer wieder berichtet hat, seit 2021 unter ständigem Polizeischutz. Bei der Detonation der Bombe am späten Abend des 16. Oktober 2025 wurden die Autos von Ranucci und von dessen Tochter zerstört. Dank glücklicher Umstände kam niemand zu Schaden. Das Datum des Anschlags auf Ranucci fiel auf den achten Jahrestag des Bombenattentats auf die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia. Die bekannteste Investigativjournalistin des Landes wurde von drei Killern aus dem kriminellen Milieu Maltas ermordet, die von einem korrupten Geschäftsmann angeheuert worden waren.

Er habe „keine politischen Ziele verfolgt“

Lavitola habe vor den Ermittlern beteuert, er habe mit dem Bombenanschlag „keine politischen Ziele“ verfolgt, sagte dessen Anwalt. Er habe lediglich erreichen wollen, dass sein Freund Ranucci, der in der Vergangenheit das „Ziel mehrerer gefährlicher Angriffe“ gewesen sei, „besser geschützt“ werde. Tatsächlich war nach dem Anschlag vom Oktober 2025 die Zahl der Personenschützer für den 64 Jahre alten Journalisten von zwei auf acht erhöht worden. Aus Chatprotokollen geht hervor, dass Lavitola seinen Freund Ranucci zur Kandidatur für ein hohes politisches Amt gedrängt hatte. Die Strafverfolger glauben, Lavitola habe auf eigenen politischen und finanziellen Vorteil im Kielwasser des dann mächtigen Politikers Ranucci gehofft.

Auf die Frage von Journalisten, ob Ranucci von den Machenschaften seines Freundes Kenntnis gehabt haben könnte, antwortete Lavitolas Anwalt: „Dazu kann ich nichts sagen.“ Der Anwalt Ranuccis wies seinerseits Insinuationen zurück, sein Mandant habe von den Plänen seines Freundes etwas ahnen können. Die Aussagen des Angeklagten seien „schockierend“ gewesen, dieser habe sich ein „wahnwitziges Theaterstück“ ausgedacht.

Derweil wurde Ranucci für einen Post auf Facebook kritisiert, indem er prominente Mordopfer linksterroristischer und mafiöser Gewalt wie den früheren Ministerpräsidenten Aldo Moro sowie die Strafverfolger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino als eine Art Ahnenreihe für sich und seine Arbeit in Anspruch zu nehmen schien. Vizeministerpräsident Matteo Salvini bekräftigte daraufhin seine Forderung, Ranucci von seiner Tätigkeit beim öffentlich-rechtlichen Sender RAI zu suspendieren. „Ranucci vergleicht sich mit Moro, Falcone und Borsellino?“, schrieb Salvini auf X. „Ich weiß nicht, ob ich deshalb wütend, traurig oder bestürzt sein soll.“ Angesichts der beunruhigenden Vorgeschichte des Bombenanschlags, die dieser Tage ans Licht gekommen sei, müsse der vom Gebührenzahler finanzierte Sender die Arbeit mit Personen einstellen, die „in diese dubiose Affäre verwickelt“ seien, forderte Salvini.

Gesamten Artikel lesen