„Am Ende bleibt moralischer Nebel“: Kaum jemand entfacht so schnell Streit wie Boris Palmer

vor 1 Tag 1

Ein kurzer Hinweis, eine hitzige Reaktion – und schon steht Boris Palmer wieder im Zentrum einer bundesweiten Debatte. Kaum ein Vorfall hat unsere Community diese Woche so intensiv beschäftigt wie seine Auseinandersetzung mit einem Jugendlichen im ICE. Palmer hatte mitgehört, wie dieser sich ohne Berechtigung in die erste Klasse setzen wollte, und stellte ihn zur Rede.

Wie die Szene im Anschluss eskalierte, sorgt in unserer Community für sehr unterschiedliche Reaktionen: Für die einen ist Palmers Auftreten zu konfrontativ, für die anderen Ausdruck notwendiger Entschlossenheit.

Zu dieser zweiten Gruppe gehört auch unser Nutzer Alexander Müller (aka AlexHH1) aus Potsdam.


AlexHH1
Vieles kann Boris Palmer vorgeworfen werden, nur eines nicht: unauffällig zu sein. Er ist ein Selbstdarsteller, ein politischer Solist mit ausgeprägtem Hang zur Bühne und ohne Frage anstrengend und profilierungsfreudig.

Inhaltlich liegt er meines Erachtens aber in erstaunlich vielen Punkte schlicht richtig. Und genau das macht ihn für jene so unerquicklich, die lieber über Tonlagen, Kontexte und mögliche Befindlichkeiten sprechen als über das eigentliche Verhalten.

Doch dann beginnt das typisch deutsche Nachspiel

Meint Tagesspiegel-Nutzer AlexHH1

Der geschilderte Vorgang ist banal und gerade deshalb erhellend: Jugendliche fahren in der ersten Klasse, werden darauf hingewiesen, pöbeln kurz, entschuldigen sich schließlich. Ende der Geschichte. So funktioniert soziale Wirklichkeit: Regel, Hinweis, Einsicht, Frieden. Kein Drama, kein Trauma, kein pädagogisches Begleitprogramm.

Doch dann beginnt das typisch deutsche Nachspiel. Das Umfeld zerpflückt die Szene bis zur Unkenntlichkeit. Vielleicht dies, möglicherweise jenes, man müsse auch bedenken, Kontextualisierung sei wichtig, Sensibilität sowieso. Am Ende bleibt moralischer Nebel.

Wir zerreden Normen, bis sie weich werden

Meint Tagesspiegel-Nutzer AlexHH1

Genau darin liegt unser Problem: Wir zerreden Normen, bis sie weich werden. Wir beleuchten alles von allen Seiten, bis nichts mehr trägt. Eine Gesellschaft lebt nicht nur vom großen Wertekanon, sondern vom kleinen alltäglichen Durchsetzen von Regeln.

Wo das nicht mehr passiert, wird es wackelig. Nicht laut, nicht sofort, aber spürbar. Klarheit ist kein Mangel an Empathie, sondern ihre Voraussetzung.

Unsere Toleranz für alles könnte uns dabei noch zum Verhängnis werden. Sie wird dort gefährlich, wo sie nicht mehr zwischen Nachsicht und Beliebigkeit unterscheidet. Wer alles gelten lässt, steht am Ende für nichts mehr.

Und genau dann kippt das Klima nicht durch Intoleranz, sondern durch den Verlust gemeinsamer Maßstäbe. Beste Grüße aus Potsdam, Alexander Müller

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