Nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, für etliche Länder auf der Erde höhere Einfuhrzölle in den USA einzuführen, umtreibt viele Apple-Interessierte in sozialen Netzwerken die Frage, wie sich das auf das iPhone und weitere Technikprodukte auswirkt. Alleine mit Vietnam, Thailand, China, Taiwan und Indien sind die für Apple wichtigsten Länder mit Zulieferbetrieben auf der Liste. Das genaue Ausmaß ist aktuell noch schwer abzuschätzen – wobei auch zwischen Auswirkungen auf US- und EU-Verbraucher zu unterscheiden is. Doch ein Analyst aus der Zulieferkette hat schon einmal die Optionen aufgezeigt, die Apple jetzt hat, und wie sich diese auf die Verbraucherpreise auswirken könnten.
Ming-Chi Kuo von der Finanzanalystenfirma TF International Securities in Taiwan geht davon aus, dass die Bruttogewinnspanne von Apple durch die angekündigten US-Zölle insgesamt um 8,5 bis 9 Prozent sinken könnte, da der iPhone-Hersteller mit deutlich erhöhten Kosten zu rechnen hat. So sehen es wohl auch die Anleger: Die Aktie Apples verlor wie andere Technikwerte massiv nach der Ankündigung Trump. Die gute Nachricht ist aber: Apple könnte die Auswirkungen laut Kuo auf 5,5 bis 6 Prozent oder im besten Falle sogar auf 1 bis 3 Prozent reduzieren, ohne die Preise erhöhen zu müssen.
Indien jetzt wichtiger als je zuvor
Der Schlüssel dazu ist laut Kuo der Standort der iPhone-Produktion. Schon seit Jahren treibt Apple das Projekt voran, sich von China als Produktionsland unabhängiger zu machen und das iPhone stärker in anderen Ländern zu produzieren, allen voran Indien. Kuo zeigt sich optimistisch, dass anders als im angespannten Verhältnis zwischen China und den USA für Indien Verhandlungsspielräume vorhanden sind, um mit den Vereinigten Staaten geringere Zölle zu vereinbaren. Dann wären die Auswirkungen auf Apple deutlich geringer.
Angesichts des hohen Volumens an Geräten, die in China gefertigt werden, klingt das allerdings einfacher, als es in Wirklichkeit ist. Schon während der zunehmenden Anspannungen rund um Taiwan versuchte sich Apple von seiner Abhängigkeit von China zu lösen. Dieser Prozess erfordert angesichts der nötigen Produktionskapazitäten einen langen Atem und dürfte wohl kaum kurzfristig massiv voranzutreiben sein. Für dieses Jahr sei zu erwarten, dass Apple 15 Prozent seiner globalen iPhone-Produktion in Indien abwickeln könne - eine Steigerung von 3 bis 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Wo Apple noch sparen kann
Kuo nennt deshalb noch weitere mögliche Maßnahmen, die Apple ergreifen kann. Seiner Ansicht nach könnte das Unternehmen darauf drängen, dass Mobilfunknetzbetreiber die Geräte bei neuen Handyverträgen wieder stärker bezuschussen, sodass die iPhones für die Verbraucher bezahlbar bleiben. Auch könnte Druck auf die Zulieferer helfen, die Kosten zu senken.
Auf Verbraucherseite könnte Apple die höheren Kosten dadurch kompensieren, dass für Inzahlungnahmen älterer Geräte weniger Geld als bislang gezahlt wird. Und Kuo zeigt sich überzeugt, dass Käufer von Pro-Geräten eher bereit sind, eine Preiserhöhung mitzutragen als Käufer günstigerer Geräte, zumal die höherpreisigen Geräte einen hohen Anteil der Verkäufe ausmachen.
Kuo: Für Apple verkraftbar
Alles in allem gibt sich der Analyst zuversichtlich, dass Apple die Zölle recht gut verkraften kann. Die Gesamtbruttomarge, also die Kennzahl, wie viel Apple bei einem Gerät abzüglich der Kosten verdient, habe im Geschäftsjahr 2024 bei 46 Prozent gelegen. Selbst ein Wert von unter 40 Prozent sei zu verkraften, zumal Kuo davon ausgeht, dass dieser Einbruch nur von kurzer Dauer sein wird, wenn Apple einige der genannten Maßnahmen ergreift.
Problematischer seien die langfristigen Auswirkungen, wenn aufgrund von drohender Rezession und Zurückhaltung der Verbraucher vorhandene Geräte länger genutzt werden und Neukäufe verschoben würden.
(mki)