Mitte der Achtzigerjahre rätselte ganz Deutschland: Was bedeutet Yogtze? Dabei handelte es sich um eine Buchstabenkombination, die Günter S. hinterlassen haben soll, ehe er im Oktober 1984 verschwand und ihn später zwei Lkw-Fahrer schwer verletzt und unbekleidet auf dem Beifahrersitz seines Autos fanden. Er starb kurze Zeit später in einem Hagener Krankenhaus.
Aufgrund damaliger Gutachten und der Aussagen des sterbenden Opfers waren die Ermittler lange Zeit von einem Mord ausgegangen: Der 34-jährige arbeitslose Lebensmitteltechniker aus Anzhausen (Kreis Siegen-Wittgenstein) sei mehrfach überrollt worden, hatte ein Gutachter nahegelegt. In seinem Wagen seien fremde Männer gewesen, hatte Günter S. noch selbst gesagt, bevor er starb.
Neue Gutachten und eine Rekonstruktion des Geschehens hätten gezeigt: Es gab keinen Mord, es war ein selbst verschuldeter Verkehrsunfall. S. war nicht angegurtet, als sein Wagen bei Hagen von der Autobahn 45 abkam und mit Bäumen kollidierte. Seine Verletzungen passten überhaupt nicht zu einem Überrollen, wohl aber zu der Kollision, ergaben zwei neue Gutachten. Die Kollision habe ihn auf den Beifahrersitz katapultiert.
S. verhielt sich seltsam
Auch für die Aussagen des sterbenden S. haben die Behörden eine Erklärung. Er habe sich schon vor dem Unfall seltsam verhalten. »Er war psychisch stark auffällig«, sagte der Staatsanwalt. Die Ermittler fanden in seinem Wagen keine Fremd-DNA. »Wir gehen aber inzwischen davon aus, dass da niemand war.«
S. habe unter Depressionen gelitten und sich kurz vor seinem Tod wohl in einem psychischen Ausnahmezustand befunden, heißt es weiter. Seiner Frau habe er gesagt, jemand wolle ihm etwas antun. Sie sagte weiter, S. habe vor seinem Verschwinden die Buchstabenkombination Yogtze auf einem Zettel notiert. Regelmäßig waren Hinweise auf eine mögliche Bedeutung des Wortes bei der Polizei eingegangen. Die Witwe hatte den Zettel weggeworfen.