Xabi Alonsos falscher Matchplan: Mehr als nur ein verlorenes Spiel

vor 2 Tage 1

Bayer 04 hat die große Chance auf den Einzug ins Pokalfinale weggeschmissen. Bei der 1:2-Niederlage bei Drittligist Arminia Bielefeld zeigt sich die Werkself in vielen Belangen unterlegen - auch wegen des unpassenden Matchplans von Xabi Alonso. Eine Pleite, die nachzuwirken droht. Ein Kommentar von Stephan von Nocks.

 Xabi Alonso.

Hat nach dem Pokal-Aus in Bielefeld allen Grund zum Nachdenken: Xabi Alonso. picture alliance/dpa

Bis zum DFB-Pokal-Halbfinale in Bielefeld stand diese Spielzeit für Bayer 04 unter der Überschrift, dass sie die zweitbeste Saison der Vereinsgeschichte ist. Mit eben jener Punktausbeute in der Liga und der winkenden Titelchance mit dem Pokal-Finale in Berlin. Doch jetzt, nach dem hochverdienten Aus beim Vierten der 3. Liga, liegt nur noch der schwere Mantel der Enttäuschung über dem Double-Gewinner.

Bayer lieferte eine Leistung ab, die den eigenen Ansprüchen und der Qualität dieses Kaders nicht in Ansätzen genügte. Aus dem Spiel heraus kam die Werkself zu einer einzigen Torchance. Sonst mussten wie beim frühen Führungstreffer Standardsituationen für die wenigen Tormöglichkeiten herhalten.

Bayer fand nie einen richtigen Zugang zu dieser Partie. Konsequenz in der Zweikampfführung? Galligkeit? Antizipationsvermögen? Die Bereitschaft, um jeden (zweiten) Ball zu kämpfen? In all diesen Belangen war Leverkusen dem Drittligisten unterlegen. Und dafür müssen sich die Leverkusener Profis nahezu ausnahmslos an die eigene Nase fassen.

Doch dass diese Tugenden ganz allein über den Ausgang dieser Partie entschieden, weil der Matchplan des Bundesligisten aufgrund der schlechten Platzverhältnisse einzig auf langen Pässen in die gegnerische Hälfte basierte, muss sich alleine Trainer Xabi Alonso ankreiden lassen. Denn nur durch diese taktische Festlegung vor der Partie gab er der Arminia die Möglichkeit, sich auf einem Terrain zu bewegen, auf dem sie nicht nur auf Augenhöhe mit dem Meister und Pokalsieger agieren konnte.

Vielleicht war der Plan nicht gut.

"Vielleicht war der Plan nicht gut", sagte der Baske nach dem ernüchternden Ausscheiden am Sky-Mikrofon. Nein, dieser Matchplan war schlecht. Doch was viel schwerer wiegt: Xabi Alonso unternahm während der gesamten 90 Minuten nicht den Versuch, diesen wirklich zu revidieren. Zur Halbzeit, in der Bayer mit dem 1:2-Rückstand noch gut bedient war, gar nicht zu reagieren und Stürmer und Wirtz-Ersatz Victor Boniface erst acht Minuten nach dem Wiederanpfiff einzuwechseln, wirkte wie der missglückte Versuch der Rechtfertigung seines Ansatzes.

Xabi Alonso, der in der Vergangenheit wiederholt seine großen Fähigkeiten demonstriert hatte, in der Halbzeit an den richtigen personellen und taktischen Stellschauben zu drehen, verzichtete während der 90 Minuten von Bielefeld darauf, auf einen Plan B zurückzugreifen. Ein Plan B, der auf Kombinationsfußball basiert hätte - und eigentlich Plan A dieser hochbegabten Mannschaft darstellt.

Ein Plan A, der es vielen Mannschaften nicht möglich gemacht hat, sich auf Augenhöhe mit Bayer 04 zu bewegen. Dass Kombinationsfußball selbst auf der holprigen Alm möglich war, bewies selbst der Drittligist, der nach der Pause trotz eigener Führung zwischenzeitlich mit Ballbesitzfußball in der gegnerischen Hälfte Akzente setzte. Stattdessen positionierte Xabi Alonso in der Schlussphase mit Abwehrchef Jonathan Tah noch einen dritten Riesen im Sturmzentrum. Ohne entscheidenden Effekt.

Xabi Alonso hat damit - allerdings unter tatkräftigem Mitwirken seiner Profis - eine riesige Chance weggeschmissen. Der Finaleinzug und die Aussicht auf den dritten großen Titel innerhalb von zwei Spielzeiten hätte Granit Xaka und Co. durch die letzten sieben Spieltage dieser Bundesligasaison getragen. Jetzt aber muss die Mannschaft die größte Enttäuschung in der zweieinhalbjährigen Amtszeit des Spaniers verdauen.

Seinem Team, das Xabi Alonso direkt nach dem Abpfiff ehrenhaft verteidigte, jetzt den Glauben zu vermitteln, wirklich noch eine Restchancen zu besitzen, in der Liga trotz sechs Punkten Rückstand auf den FC Bayern München den Titel verteidigen zu können, wird für den 43-Jährigen nach vier Niederlagen aus den jüngsten sechs Pflichtspielen zu einer gigantischen Herausforderung.

Dass Xabi Alonso dabei nun auf der Alm zum dritten Mal neben den beiden Achtelfinal-Spielen in der Champions League gegen den FC Bayern mit seinem Matchplan daneben lag, macht diese Aufgabe nicht einfacher. Es würde nicht wundern, wenn Bayer 04 und Xabi Alonso am Dienstagabend in Bielefeld mehr als nur ein Fußballspiel verloren haben.

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