WM 2026: Marokko schlägt Kanada deutlich – Ismael Saibari verletzt raus

vor 23 Stunden 1

Perfekte Eigenwerbung: Eigentlich hätte dieser Sommer für Azzedine Ounahi einen ordentlichen Karriereknick bedeuten können. Mit dem FC Girona war Marokkos Mittelfeldspieler in die zweite spanische Liga abgestiegen. Doch so eine Fußball-Weltmeisterschaft kann zu einer Bühne werden – und dieses Achtelfinale gegen Kanada war es ganz gewiss. Erst veredelte Ounahi eine Freistoß-Variante, als er an der Strafraumgrenze angespielt wurde und eine Direktabnahme flach ins Netz jagte (50. Minute). Später folgte die Zugabe per Konter, als Ounahi nach Brahim Díaz' Zuspiel schon wieder genau richtig stand (82.). Es mag nicht ganz eine Geschichte sein wie die von Kap Verde, wo sich unterklassige Profis zu Heldentaten aufschwangen. Die Freudentänze mit den Teamkollegen nach Spielende aber hatte sich Ounahi redlich verdient, das Hochlebenlassen sowieso.

Azzedine Ounahi war der gefeierte Matchwinner

Azzedine Ounahi war der gefeierte Matchwinner

Foto: David J. Phillip / AP

Das Ergebnis: 3:0 (0:0) setzt Marokko sich im ersten WM-Achtelfinale gegen Kanada durch. Damit etabliert der Turnier-Vierte von 2022 sich endgültig in der Weltspitze, sieht sich im Viertelfinale aber (vorbehaltlich eines paraguayischen Fußballwunders) Topfavorit Frankreich gegenüber.

Kein Heimspiel: Die Spielplan-Architekten hatten sich das smart gedacht: Gastgeberteams gesetzt, Pfade im Heimatland der jeweiligen Teams für den Gruppensieger. Für die USA ging das auf, für Mexiko ebenso, Achtelfinal-Kontrahent England muss ins Aztekenstadion. Einzig für Jesse Marschs Kanadier lief der Plan trotz einer eher leichten Gruppe schief, hinter der Schweiz hatte es nur zu Gruppenplatz zwei gereicht. So fand das Achtelfinale nicht in Vancouver statt, sondern in Houston, wo der 250. Geburtstag der USA zu mehr Feierlichkeiten anregte als ein kanadisches Fußballspiel.

Ein Kartenspiel: Sportlich ist die erste Hälfte schnell erzählt. Nur fünf Schüsse (vier der Kanadier, einer der Marokkaner), zwei Drittel des Ballbesitzes auf marokkanischer Seite, nachdem der (aus juristischer Sicht) amtierende Afrikameister eine frühe kanadische Druckphase unbeschadet überstand. Am meisten zu tun hatten die Mittelfeldreihen – und Schiedsrichter Michael Oliver. Der verteilte insgesamt sechs Gelbe Karten vor der Pause, musste eine Rudelbildung nach Schubser von Achraf Hakimi gegen Richie Laryea schlichten (40.).

Referee Michael Oliver als Prellbock zwischen Richie Laryea und Achraf Hakimi

Referee Michael Oliver als Prellbock zwischen Richie Laryea und Achraf Hakimi

Foto: Paul Ellis / AFP

In München wird gebangt: Ein Kollateralschaden der ruppigen ersten 45 Minuten war Ismael Saibari. Der künftige Bundesliga-Star, frisch vom FC Bayern München verpflichtet, musste noch vor der ersten Trinkpause mit einer Oberschenkelverletzung vom Feld. Bislang war es Saibaris WM, drei Tore und ein verwandelter Elfmeter gegen die Niederlande sind eine exzellente Bilanz. Nun muss Marokko hoffen, dass ihr Offensiv-Allrounder bis Donnerstag wieder fit wird.

Die berühmte Spitzenmannschaft: Umso bemerkenswerter war es, wie wenig die Mannschaft von Mohamed Ouahbi sich vom Ausfall eines ihrer Starspieler aus dem Konzept bringen ließ. Im Gegenteil: Mit fortschreitender Spieldauer wurde Marokko offensiv immer zielstrebiger. Kanada riskierte auch mehr, selbst Torwart Maxime Crépeau machte schon fünf Minuten vor Ende der Nachspielzeit Ausflüge in den gegnerischen Strafraum. Dennoch muss man ein so hitziges Spiel erst einmal so runterspielen, wie es die Marokkaner taten. Das 3:0 besorgte dann Saibari-Vertreter Soufiane Rahimi höchstselbst (90.+7).

Stolz genug: Für Kanada ist die WM nicht perfekt gelaufen: Alphonso Davies war mal wieder nicht fit genug, um seinem Team helfen zu können. Ismaël Koné verletzte sich schon in der Gruppenphase schwer. Geschichte wurde dennoch ausreichend geschrieben: Erstmals die Gruppe überstanden, erstmals ein K-o.-Spiel gewonnen. »Wir waren die bessere Mannschaft«, schwärmte Jesse Marsch nach dem Spiel, womit er den Maßstab vielleicht etwas hoch hängte. »Was für eine unglaubliche Leistung. Stolzer könnte ich nicht sein.«

Kanadas Nationaltrainer Jesse Marsch wollte seinem Team keinen Vorwurf machen

Kanadas Nationaltrainer Jesse Marsch wollte seinem Team keinen Vorwurf machen

Foto: Paul Ellis / AFP

Die Besten der Geschichte: Marokkos Geschichte geht weiter. Und ist schon jetzt eine besondere: Als erstes afrikanisches Land haben die Löwen vom Atlas zum zweiten Mal ein WM-Viertelfinale erreicht, und dann auch noch bei aufeinanderfolgenden Turnieren. Frankreich (oder eben Paraguay) sollte gewarnt sein.

Gesamten Artikel lesen