Wirtschaftsministerium: Hohes Marktpotenzial bei vollendeten Gaia-X-Projekten

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Seit Cloud-Giganten wie Amazon, Alibaba, Google und Microsoft sowie die eng mit US-Geheimdiensten kooperierende Big-Data-Firma Palantir beim europäischen IT-Großprojekt Gaia-X mitmischen, haben auch einstige Mitstreiter den Abgesang auf die ursprüngliche deutsch-französische Souveränitätsinitiative angestimmt. Doch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) sendet jetzt Lebenszeichen. Alle elf von dem Ressort mit insgesamt rund 132 Millionen Euro geförderten Gaia-X-Projekte sind ihm zufolge "mit anwendungsnahen Ergebnissen abgeschlossen worden".

Die geförderten Teams hätten "vertrauenswürdige Datenräume und Smart Services für verschiedene Branchen entwickelt", teilte das BMWK am Dienstag mit. Vertreten waren die Bereiche Bildung, Finanzen, Gesundheit, Bauwesen, Mobilität, Luft- und Raumfahrt, Maritimes und der öffentliche Sektor. Das BMWK hatte den Gaia-X-Förderwettbewerb 2021 gestartet und die Bundesnetzagentur mit der Durchführung betraut, um innovative Anwendungen und Leuchtturmprojekte voranzubringen. Den entwickelten Lösungen bescheinigt das BMWK "ein hohes Verwertungspotenzial".

Die Palette der geförderten Projekte reicht von der Autowerkstatt 4.0 für die KI-gestützte Fehlerdiagnose beim Kfz über das Digitalisierungsvorhaben Cooperants für den Luft- und Raumfahrtsektor bis zur "domänenübergreifenden Vernetzung für kritische Anwendungen" mit Tellus.

Zu den Begünstigten zählte auch das Team von OpenGPT-X, das im November mit Teuken-7B ein großes Sprachmodell auf Open-Source-Basis veröffentlicht hat. Dieses wurde mit den 24 Amtssprachen der EU trainiert. Es soll gezielt den Anforderungen europäischer Werte, Datenschutzstandards und sprachlicher Vielfalt gerecht werden. Die Deutsche Telekom stellt seit Dezember einen Zugang zu Teuken-7B kommerziell zur Verfügung.

Die eingebundenen Partner brachten ferner verschiedene Datenräume an den Start etwa für die Gesundheitsversorgung, die Bauwirtschaft und den Bildungsbereich. Health-X dataLOFT verfolgte das Ziel, transparente cloudbasierten Anwendungen gemäß Gaia-X Standards zur Gesundheitsprävention sowie für gesundes Altern und die klinische Versorgung nutzbar zu machen. Ähnlich ist Team-X ausgerichtet. Bei Marispace-X geht es um ein maritimes Daten-Ökosystem, das es Akteuren aus Industrie, Wissenschaft, Behörden und Zivilgesellschaft erlauben soll, aus dem Meer gewonnene Daten auf der Basis europäischer Standards und Werte zu teilen und zu analysieren.

Anna Christmann, Beauftragte des BMWK für die digitale Wirtschaft, freut sich "über den Erfolg und das hohe Marktpotenzial der Gaia-X-Förderprojekte". Jetzt gelte es, "die Anwendungen und Datenräume möglichst breit in der Praxis zu etablieren". Unternehmen, Organisationen und Verbraucher könnten darüber Daten sicher austauschen. Das ermögliche neue Geschäftsmodelle, die Bürgern stets die Kontrolle über ihre persönlichen Informationen ließen.

Es sei wichtig, "der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit von Datenräumen Priorität einzuräumen, um ihre langfristige Rentabilität sicherzustellen", betonte Hubert Tardieu, unabhängiges Vorstandsmitglied von Gaia-X, im November. Nötig seien "ausgereifte Ökosysteme", in denen Beteiligte unabhängig arbeiten könnten, ohne auf laufende öffentliche Finanzierung angewiesen zu sein.

(wpl)

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