"Wir leben": Türkgücü meldet sich im Abstiegskampf zurück

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Was vor ein paar Monaten noch unwahrscheinlich schien, ist mittlerweile gar nicht mehr so abwegig. Mit dem Sieg im Sechs-Punkte-Spiel gegen die SpVgg Hankofen-Hailing hat Türkgücü München wieder realistische Chancen auf den Klassenerhalt.

Alper Kayabunar und Türkgücü München haben die Relegationsplätze ins Visier genommen.

Alper Kayabunar und Türkgücü München haben die Relegationsplätze ins Visier genommen. IMAGO/Beautiful Sports

Es ist noch nicht vorbei. Ganz im Gegenteil. Mit dem verdienten 2:0-Erfolg am Dienstagabend im Nachholspiel bei der SpVgg Hankofen-Hailing bekräftigte Türkgücü München seine Bereitschaft, eine bislang immens komplizierte Saison am Ende doch noch mit dem Klassenverbleib abschließen zu können.

Wie außergewöhnlich diese Leistung wäre, verdeutlicht alleine dieser Fakt: Durch den Sieg in Niederbayern verließen die Münchner erstmals seit Ende August (!) den letzten Tabellenplatz.

Erstes Etappenziel erreicht

"Ein wichtiges Etappenziel", das man sich im Winter gesteckt hatte, sei damit schon mal erreicht, wie Trainer Alper Kayabunar zufrieden bilanzierte. Nachdem Türkgücü zwischenzeitlich schon abgeschlagen geschienen war, wurde der Rückstand auf die auf Relegationsrang 16 platzierten Hankofener durch den Sieg am Dienstag auf nur noch zwei Zähler verkürzt.

Abgesehen von der Niederlage am grünen Tisch gegen Schweinfurt ist Kayabunars Mannschaft damit seit vier Spielen unbesiegt und verbucht dabei starke zehn Punkte. Von den letzten sechs Partien konnten vier gewonnen werden, der Aufwärtstrend seit der Winterpause ist unverkennbar. "Wir leben", betont der Türkgücü-Coach mit Vehemenz.

Winter-Transferoffensive fruchtet

Mit etlichen Transfers routinierter Akteure wurde im Winter der Grundstein für diese Aufholjagd gelegt. Einer davon ist der 32-jährige Angreifer Fatjon Celani, der am Dienstag mit seinem Führungstreffer (8.) den Weg für den Big Point ebnete. Mit drei Treffern in fünf Einsätzen rechtfertigt der im Winter aus Buchbach gekommene Offensivmann seine Verpflichtung bislang vollumfänglich.

Auch der zweite Treffer (84.) ging mit dem erst 19-jährigen Mihajlo Vjestica auf das Konto eines Winterzugangs. Maßgeblichen Anteil am Aufschwung jedoch haben auch die beiden Defensiv-Routiniers. Torwart Felix Thiel (30) und der aus dem Ruhestand geholte Abwehrchef Christoph Rech (31) verleihen der Defensive eine neue Stabilität, von der auch junge Kräfte profitieren. Wie etwa das 20-jährige Eigengewächs David Abrangao, dessen positive Entwicklung seit der Winterpause auch von seinem Trainer attestiert wird: "Wir haben jetzt eine gute Mischung, die Neuzugänge im Winter bekleiden ja auch wichtige Positionen. Christoph Rech bringt zum Beispiel viel Erfahrung mit, das hilft auch jungen Spielern wie Abrangao, gemeinsam haben wir heute alles wegverteidigt."

Wenn wir heute verlieren, ist es so gut wie vorbei.

Kayabunars Klartext vor dem Hankofen-Spiel

Ein sehr wichtiger Aspekt sei laut dem Türkgücü-Coach auch, dass "wir es im Winter schnell geschafft haben, ein Team zu werden". So könne seine Elf mittlerweile auch maximalen Druck bewältigen. Kayabunar wollte seiner Mannschaft im Vorfeld dieses extrem wichtigen Nachholspiels nichts vormachen und bevorzugte stattdessen "eine klare Kommunikation: Wenn wir heute verlieren, ist es so gut wie vorbei".

So war er anschließend insbesondere darauf stolz, dass sein Team "heute keine Fehler gemacht und den Abstiegskampf wirklich angenommen hat, denn heute ging es ausschließlich um das Ergebnis". Kein Zufall sei es zudem laut dem 39-jährigen Trainer, dass Türkgücü nun vier von fünf Saisonsiegen auswärts feiern konnte. "Der Platz im Dantestadion ist bekanntlich nicht der beste", erklärt Kayabunar, "damit sind wir vor allem in der Hinrunde mit unserer unerfahrenen Mannschaft überhaupt nicht klargekommen".

Brocken vor der Brust

Am Samstag allerdings steht nun mit der Partie gegen die drittplatzierte SpVgg Bayreuth ein schwieriges Heimspiel an. Die Zeit bis dahin möchte der gebürtige Münchner "vor allem für Regeneration nutzen", zumal es "nach dem heutigen Spiel nicht viel zu monieren" gäbe. Auch am Samstag würde Kayabunar gerne wieder resümieren, dass seine Elf "kein schönes Spiel" abgeliefert, sich aber erneut "im Abstiegskampf auf das Resultat fokussiert" habe. Erreicht hat der Ex-Drittligist noch gar nichts. Die Hoffnung auf ein Happy End allerdings lebt mehr denn je. Türkgücü, auch laut dem Trainer "von Vielen schon abgeschrieben", hat nun wieder so manchen Trumpf selbst in der Hand.

Matthias Horner

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