Wie Donald Trumps Zollpolitik sich auf den internationalen Kunstmarkt auswirkt

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Donald Trump überzieht die Welt mit neuen Zöllen, und auch am Kunstmarkt wird es deshalb unruhig. Bislang war nicht klar, wie Galerien, Sammler und Künstler von den Extraabgaben auf Einfuhren nach Amerika betroffen sein werden. Doch nachdem Trump auf sämtliche Importe mindestens zehn Prozent Zoll verhängt und Länder wie China mit noch höheren Einfuhrsteuern belegt hat, werden die Sorgen konkreter – etwa in den Nachbarländern Mexiko und Kanada.

Beide werden zwar vom jüngsten „Zollhammer“ noch nicht getroffen, doch treten gegen sie nach Ablauf einer Pause wohl Einfuhrzölle in Höhe von 25 Prozent in Kraft. Kunstwerke waren bislang wegen bestehender Handelsabkommen mit beiden Nachbarländern von Zöllen ausgenommen. Das könnte sich angesichts von Trumps Impulsivität aber womöglich rasch ändern. Viele Sammler und Galeristen seien verunsichert, sagte Mackenzie Sinclair, die Leiterin der Art Dealers Association of Canada, kürzlich dem Magazin „artnet“.

Manche Künstler müssen mit deutlichen Preisanstiegen rechnen

Kanada ist in vielfacher Hinsicht von den Vereinigten Staaten abhängig: 2023 wurden 16,8 Prozent des kanadischen Bruttosozialprodukts durch Exporte dorthin erwirtschaftet. Auch der kanadische Kunstmarkt lebt stark vom Geschäft mit dem Nachbarn. Fast achtzig kanadische Galerien nahmen laut Branchenverbänden im vergangenen Jahr an 28 Kunstmessen in den USA teil. Experten spekulieren schon seit einiger Zeit, wen die Zölle und dann auch Gegenzölle anderer Länder am härtesten treffen könnten: Käufer von amerikanischer Kunst, die diese ausführen wollen, oder von ausländischen Werken bei der Einfuhr? Oder Künstler, die Materialien wie Stahl oder Aluminium einkaufen, zum Beispiel für große Skulpturen?

Wie sich der Kunsthandel mit Kanada entwickelt, ist ungewiss.Wie sich der Kunsthandel mit Kanada entwickelt, ist ungewiss.Bloomberg

Einzelne Sammler und Händler sollen nach Trumps Wahl schon nicht mehr zur Messe Art Basel in Miami Beach gereist sein. Das Magazin „Forbes“ berichtete, dass Künstler, die mit seltenen Materialien arbeiten, mit empfindlichen Preisanstiegen rechnen müssten. Während sehr wohlhabende Sammler auch weiterhin „Blue Chip“-Werke erwerben dürften, könnte es für Kunstschaffende in der Breite schwieriger werden, ihre Arbeiten international zu verkaufen. Marc Payot, einer der Präsidenten der Galerie Hauser & Wirth, wollte gegenüber der F.A.Z. nicht über konkrete Folgen spekulieren: Es sei aber in jedem Fall negativ für die auf internationalen Austausch ausgerichtete Kunstwelt, falls Galerien durch steigende Einfuhrkosten weniger internationale Künstler ins Programm nähmen.

Nicht zuletzt können von den Zöllen auch Unternehmen betroffen sein, die Kunst verschicken und lagern. In Kanada wenden sich manche Konsumenten ohnehin schon von den USA und deren Produkten ab – allenthalben wird von einem neu erwachten Patriotismus berichtet. In den kanadischen Gegenzöllen sind Kunstwerke nun explizit enthalten. Trump könnte die noch geltenden Ausnahmen im Rahmen des USMCA-Handelsabkommens deswegen sehr schnell kippen.

 Versteigerung bei Sotheby’s im November 2023Der wichtigste Auktionsstandort weltweit ist New York: Versteigerung bei Sotheby’s im November 2023AFP

Dass die Kanadier entschlossen sind, auch auf dem Kunstmarkt gut ohne die USA auszukommen, macht Mia Nielsen deutlich, die die Messe Art Toronto leitet. Man sei nicht auf Amerikaner angewiesen, um gute Kunst zu kaufen oder zu präsentieren, sagt Nielsen der F.A.Z.: Kanadische Galeristen und die Messe in Toronto hätten keinen Mangel an innovativen und diversen Künstlern. „Die jetzige Situation wird von vielen Menschen, sowohl Käufern als auch Verkäufern von Kunst, auch als Chance wahrgenommen“, so Nielsen, „auch wir konzen­trieren uns zum Beispiel wieder stärker darauf, was wir in Europa, Afrika, Südamerika oder Asien entdecken können.“ Viele Sammler würden nun wohl eher nach Paris oder Mexiko-Stadt statt nach New York oder Los Angeles fliegen, wenn sie Entdeckungen machen wollten.

Gerade die Kooperation mit mexikanischen Galerien, die auch auf der Messe vertreten sind, sei für die Art Toronto wichtig, sagt Nielsen – schließlich betreffen die Zölle, die Einwanderungspolitik und Trumps rhetorische Ausfälle den südlichen Nachbarstaat der USA besonders. Auch in Mexiko können Künstler, Galerien und Sammler unterdessen nur abwarten, wie die Zölle sich langfristig auswirken. Raúl Zorrilla, der die Galerie Kurimanzutto in Mexico City leitet, sagt auf Nachfrage: „Wir haben bislang noch keine Auswirkungen zu spüren bekommen, und Zölle haben den Export von Kunstwerken bisher noch nicht beeinflusst.“ Nach dem jüngsten „Zollhammer“ Trumps dürfte sich das weltweit schnell ändern.

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