Einen Tag nachdem US-Präsident Donald Trump massive Zölle für fast alle Staaten der Welt angekündigt hat, gehört Apple an den Börsen zu den größten Verlierern. Der Aktienkurs des iPhone-Konzerns sackte am Donnerstag nach Handelsbeginn in New York um mehr als 9 Prozent ab. Die Lieferketten des Konzerns und seine Produktionsstätten in Asien sind von den Zöllen besonders stark betroffen. Jeweils mehr als sieben Prozent verloren die Anteile von Meta und Amazon, auch andere Tech-Konzerne mussten teils deutliche Verluste hinnehmen.
Nicht besser sieht es am Donnerstag für die Kryptowährungen aus, der Bitcoin wird jetzt wieder für rund 82.000 US-Dollar gehandelt, vier Prozent weniger als am Mittwoch. Noch mehr verloren hat Ethereum.
Dem jüngsten Kursrutsch an den Aktienmärkten ist eine beispiellose Ankündigung von Donald Trump vorausgegangen. Nachdem er wochenlang mit einem riesigen Zollpaket gedroht hat, hat er am Mittwoch Abgaben für Waren aus allen Staaten der Welt angekündigt. Pauschal werden ab Samstag für Einfuhren zehn Prozent fällig, nach einem komplexen System kommen für viele Staaten weitere Abgaben hinzu. Angesichts der komplizierten Lieferketten und der extrem eng vernetzten Weltwirtschaft sind die Folgen nicht absehbar. Der Kursrutsch am Donnerstag hat laut Bloomberg allein in der ersten Stunde nach Handelsbeginn fast zwei Billionen an Kapitalisierung vernichtet, allein an den US-Börsen. Anderswo sah es nicht viel besser aus.
Unter den großen Tech-Konzernen hat der Börsentag unter anderem für Dell noch heftiger begonnen als für Apple. Aktuell verbuchen die Anteile des Hardware-Herstellers einen Rückgang von fast 16 Prozent, Hintergrund sind laut Bloomberg die besonders komplexen Lieferketten. Das Schweizer Unternehmen Logitech musste an der Züricher Börse einen Verlust von über 15 Prozent hinnehmen. Der Hersteller von Computerzubehör macht einen Großteil seines Geschäfts in den USA, lässt aber in Asien und Mexiko produzieren. Für die Firmen mit ihren komplizierten Lieferketten könnte es noch schlimmer kommen, sollten andere Staaten auf Trumps Ankündigung mit eigenen Gegenzöllen reagieren.
EU setzt noch auf Verhandlungen
Für die Europäische Union heißen Trumps Pläne, dass Exporte ihrer Mitgliedsländer in die USA ab kommender Woche mit einem Zoll von 20 Prozent belegt werden. Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist in Trumps Zoll-Liste nicht einzeln aufgeführt, sondern fällt unter die Bestimmungen für die EU. "Europas schlimmster wirtschaftlicher Alptraum ist gerade wahr geworden", zitiert die dpa den Chefökonom der Bank ING, Carsten Brzeski. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erwartet immense wirtschaftliche Folgen, mögliche höhere Preise würden vor allem den finanziell schwächsten Menschen schaden.
Die Sorgen haben auch in Deutschland für starke Rückgänge am Aktienmarkt gesorgt. Der Leitindex Dax gab am Donnerstag um über 500 Zähler oder gut zwei Prozentpunkte nach. Befürchtet wird, dass vor allem Schlüsselindustrien gefährdet werden, also der Maschinenbau, die Chemieindustrie und die Pharmabranche. Unbekannt ist noch, welche Gegenmaßnahmen etwa die EU ergreifen wird. "Wir finalisieren bereits das erste Maßnahmenpaket als Reaktion auf die Stahlzölle und bereiten nun weitere Maßnahmen vor, um unsere Interessen und Unternehmen zu schützen, falls die Verhandlungen scheitern", wird Ursula von der Leyen von der dpa zitiert.
(mho)