Warnstreiks: Im Nahverkehr fährt heute fast nichts mehr

vor 2 Tage 2

Bei Bussen und Bahnen im Nahverkehr gibt es seit den frühen Morgenstunden wegen Warnstreiks erhebliche Einschränkungen. Beim größten deutschen Nahverkehrsunternehmen, den Berliner Verkehrsbetrieben, werde seit 3:00 Uhr gestreikt, sagte ein Ver.di-Vertreter.

Die Gewerkschaft hat in fast allen Bundesländern zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Die Warnstreiks beginnen je nach Betriebsstart in den einzelnen Städten zu unterschiedlichen Zeiten.

Warnstreiks im Nahverkehr: So viel verdienen die Fahrer von Bussen und Bahnen. 

In den allermeisten Regionen dürften heute durch den Ausstand kaum Busse, Tram- und U-Bahnen fahren. Vor allem Pendler sowie Kinder und Jugendliche auf dem Weg zur Schule müssen sich heute meist andere Möglichkeiten suchen, um rechtzeitig ans Ziel zu kommen. Einige Nahverkehrsunternehmen haben bereits angekündigt, dass sie Notfahrpläne aufgestellt haben.

Niedersachsen und Deutsche Bahn nicht betroffen

In Niedersachsen gilt noch bis Ende März eine Friedenspflicht, Arbeitskämpfe im ÖPNV sind dort bis dahin nicht möglich. Die Deutsche Bahn und damit auch die S-Bahnen sind ebenfalls nicht von dem Ausstand betroffen, da sich die Tarifrunde nicht auf den Konzern bezieht. Die Bahn hat mancherorts angekündigt, dass sie das S-Bahn-Angebot aufgrund der Warnstreiks ausweitet.

Ob es auch in Baden-Württemberg zu neuen Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr kommen wird, hatte Ver.di zunächst offen gelassen. Laut Pressemitteilung wird sich am Montag entscheiden, ob Ver.di angesichts der laufenden Verhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband erneut zu Warnstreiks aufrufen wird.

Zweite bundesweite Aktion im Februar

In den meisten Regionen dauern die Warnstreiks laut den Verdi-Ankündigungen bis in die Nacht auf Sonntag. Mancherorts wurde schon am Donnerstag die Arbeit niedergelegt, auch am Sonntag könnten noch einige Nahverkehrsunternehmen von Ausständen betroffen sein.

So werden zum Beispiel in Bremen Warnstreiks bis in die Nacht auf Montag angekündigt, in Mecklenburg-Vorpommern dagegen nur am Freitag. In einem Landkreis in Sachsen-Anhalt wiederum von Donnerstag bis einschließlich Sonntag, also vier Tage lang.

Die Warnstreiks sind die zweite groß angelegte Aktion in der laufenden ÖPNV-Tarifrunde. Bei der ersten Aktion am 2. Februar kam der öffentliche Personennahverkehr in großen Teilen des Landes nahezu komplett zum Erliegen.

Lösung des Tarifkonflikts nicht in Sicht

In den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Ver.di insbesondere deutlich bessere Arbeitsbedingungen – etwa durch kürzere Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten, längere Ruhezeiten, aber auch durch höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende. In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn wird zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt.

Nach Ansicht von Ver.di kamen die Gespräche zuletzt kaum voran. Auch die Arbeitgeber beklagten zuletzt fehlenden Fortschritt bei den Verhandlungen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das größte ÖPNV-Unternehmen in Deutschland, kritisierten beispielsweise, dass Ver.di bisher nicht klargemacht habe, welche Forderungen die Gewerkschaft am wichtigsten findet.

Arbeitgeber kritisieren Streiks

Kommunale Arbeitgeber und Nahverkehrsunternehmen reagierten mit Unverständnis angekündigten Warnstreiks. Sie seien nicht Ergebnis der bisher geführten drei Verhandlungsrunden, die konstruktiv und lösungsorientiert verlaufen seien, sagte Verbandsgeschäftsführerin Carola Freier.

»Grundlage der aufgerufenen Warnstreiks ist eine durch die Ver.di-Bundesleitung diktierte Dramaturgie und Regie zu den bundesweit stattfindenden Tarifverhandlungen im kommunalen Nahverkehr, die zulasten der Fahrgäste geht.«

Wann es zwischen den Arbeitgebern und der Gewerkschaft zu Tarifeinigungen kommen könnte, ist derzeit gänzlich offen. Die Verhandlungen verlaufen regional sehr unterschiedlich – kurz vor einem Abschluss schienen sie zuletzt aber nirgends zu sein.

Gesamten Artikel lesen