Reporter berichten von ganzen Dörfern im Libanon, die von israelischen Streitkräften abgerissen wurden. Israel warnt Bewohner erneut davor, in ihre Häuser zurückzukehren.
23. April 2026, 15:23 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AP, dpa, lk
Die israelische Armee hat im Südlibanon erneut Wohnhäuser in Gebieten zerstört, die sie seit der Waffenruhe mit der Hisbollah vor einer Woche besetzt hält. Das berichten Reporter der Nachrichtenagentur AP.
AP-Journalisten sahen demnach von einem Hügel auf das Dorf Beit Lif, rund vier Kilometer nördlich der Grenze, und beschrieben den Ort als praktisch dem Erdboden gleichgemacht. Ein Bewohner eines Nachbardorfs sagte AP, die Häuser seien schrittweise bis zum Hauptplatz des Dorfes abgerissen worden.
Mehr als 50.000 Häuser laut libanesischer Regierung zerstört oder beschädigt
Nach Angaben von Unifil-Sprecher Tilak Pokharel haben Blauhelme seit Beginn der Waffenruhe in mehreren Gebieten Abrissarbeiten beobachtet. Wegen Sicherheitsbedenken und eingeschränkten Zugangs konnten sich bislang weder Unifil noch libanesische Regierungsvertreter einen detaillierten Überblick verschaffen.
Die libanesische Regierung geht davon aus, dass im Krieg zwischen Israel bislang mehr als 50.000 Häuser beschädigt oder zerstört wurden, davon mehr als die Hälfte im Südlibanon nahe der israelischen Grenze. Libanesischen Medienberichten zufolge soll die israelische Armee auch Feuer legen und Sprengsätze nutzen, um Gebäude zu sprengen.
Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete am Mittwoch, israelische Planierraupen zerstörten Wohnviertel, Straßen und Infrastruktur in der Ortschaft Chiam. Zudem meldete die NNA »systematische Bombardements« von Wohnvierteln der Stadt Bint Dschbeil sowie in mehreren Dörfern, darunter Beit Lif.
Israelisches Militär veröffentlicht Räumungsanordnung
Die israelische Armee warnte unterdessen erneut davor, in weite Teile des Südlibanons zurückzukehren oder sich dort zu bewegen. In dem Aufruf verlangte sie, bis auf Weiteres nicht südlich einer Linie benannter Orte zu gehen und sich dem Fluss Litani sowie mehreren Tälern nicht zu nähern. Zudem nannte sie Dutzende Grenzorte, die nicht betreten werden sollten, darunter auch das Dorf Beit Lif.
Israelischen Medienberichten zufolge ist die Armee in mehr als 50 Dörfern im Südlibanon im Einsatz. Sie habe damit begonnen, die erste Reihe grenznaher Dörfer systematisch zu zerstören. Ziel sei es, eine Rückkehr der schiitischen Anwohner in diese Gebiete zu verhindern. Die Armee begründet das Vorgehen damit, weitere Angriffe der Hisbollah verhindern zu wollen.
Armee schafft offenbar Bulldozer aus Gaza in den Libanon
Nach Informationen des israelischen TV-Senders N12 hat Israels Armee für die Einsätze Bulldozer und anderes schweres Gerät in den Libanon gebracht. Demnach stammt ein Teil der Fahrzeuge aus dem weitgehend zerstörten Gazastreifen. Daneben soll die Armee private Baufirmen beauftragt haben, um die Arbeiten zu beschleunigen.
Der weiteren teilte die Armee mit, Soldaten hätten am Mittwoch im Südlibanon einen mutmaßlichen Angehörigen einer Hisbollah-Einheit festgenommen. Nach Darstellung der Armee ging der Festnahme ein Einsatz voraus, bei dem »terroristische Infrastruktur« zerstört worden sei. Mit ähnlichen Begründungen rechtfertigt die Armee auch Angriffe auf zivile und medizinische Infrastruktur wie Krankenwagen, ohne dafür überprüfbare Belege vorzulegen.
Die Hisbollah hatte bereits am Dienstag mitgeteilt, erstmals seit Beginn der Waffenruhe Drohnen- und Raketenangriffe gestartet zu haben. Dies sei eine Reaktion auf israelische »Angriffe auf Zivilisten und die Zerstörung ihrer Wohnhäuser und Dörfer«.

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