Verteidigung: Kamikaze-Drohnen für die Bundeswehr

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Die Bundeswehr will nach jahrelanger Debatte erstmals in großer Zahl kampffähige Drohnen beschaffen. In einem ersten Schritt sollen zunächst kleinere Stückzahlen solcher Angriffsdrohnen von mehreren Herstellern eingekauft werden, um diese in der Truppe zu testen und die Soldaten mit Drohnen zu schulen, hieß es am Donnerstag aus dem Verteidigungsministerium. Ende des Jahres solle entschieden werden, welche ein oder zwei Systeme in sehr großer Stückzahl eingekauft werden sollen. Dann sollen Drohnen in vierstelliger oder noch höherer Zahl angeschafft werden.

Durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine hat sich die Kriegsführung grundlegend geändert. Es gibt das sogenannte gläserne Gefechtsfeld, durch den starken Einsatz von Drohnen und satellitengestützter Aufklärung; Feindbewegungen können in Echtzeit verfolgt werden. Besonders die SPD hatte den Einsatz solcher Systeme lange abgelehnt. Aber hier hat die Bundeswehr eine ihrer größten Fähigkeitslücken, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) immer wieder betont.

Der Fachbegriff für die Systeme – „Loitering Munition“ („herumlungernde Munition“) – rührt daher, dass diese Lenkwaffen länger über dem Einsatzgebiet kreisen und Ziele dann verfolgen und angreifen können. Diese Drohnen bieten damit neue Möglichkeiten der Zielbekämpfung: Sie bieten in der Regel Fähigkeiten zur Aufklärung und Erkennung feindlicher Truppen. Sind die Systeme nur für eine Verwendung zum Angriff auf gegnerische Ziele vorgesehen, werden sie auch Kamikaze-Drohnen genannt.

Die Nato-Ostflanke benötige zur Abschreckung einen Drohnenwall, meint ein Hersteller

Auch deutsche Unternehmen haben hier zuletzt stark in die Entwicklung investiert. So gilt bei der geplanten Anschaffung solcher Kamikazedrohnen das Unternehmen Helsing als Option, es hat für den Einsatz in der Ukraine die HX-2-Drohne entwickelt, die künstliche Intelligenz nutzt, um Sprengladungen auf ein vom Soldaten bestätigtes Ziel zu steuern. Helsing-Mitbegründer Gundbert Scherf sagte der dpa, eigentlich wäre an der Nato-Ostflanke ein Drohneneinsatz im großen Stil notwendig, zur Abschreckung Russlands. „Dieser Drohnenwall ließe sich innerhalb eines Jahres errichten. Man braucht dazu noch Aufklärungssysteme, Satelliten und wahrscheinlich auch Aufklärungsdrohnen.“

Aus dem Verteidigungsministerium hieß es, Drohnen seien im heutigen Kriegsbild das, was Panzer vor 100 Jahren waren, „ein wirklicher Gamechanger“. Zugleich wurde betont: „Niemals kann ein Krieg allein durch Drohnen gewonnen werden.“ Das Gefecht der verbundenen Waffen bleibe entscheidend. Zugleich könne eine Drohne, die ein paar Tausend Euro kostet, heute einen Panzer zerstören, der einen Millionenbetrag gekostet hat. „Wir sehen, dass Masse hier zur Klasse wird.“ Die Bundeswehr hatte eigens eine Taskforce „Drohnen“ eingesetzt und ein Symposium mit Herstellern auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle in Meppen abgehalten. Mit Sorge wird auch beobachtet, dass immer häufiger über Bundeswehr-Liegenschaften Spionagedrohnen auftauchen und man hier in der Abwehr bisher schlecht aufgestellt ist.

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