Die US-Regierung führt zum 5. April 2025 neue landesspezifische Zölle ein, die beinahe die komplette Welt betreffen. Auf die meisten Länder kommt ein Basiszoll von 10 Prozent zu. Zahlreiche Staaten erhalten jedoch einen individuellen Zolltarif, darunter einige asiatische Länder, die für die Elektronikproduktion wichtig sind.
Dazu zählen 32 Prozent für Taiwan, 34 Prozent für China und 46 Prozent für Vietnam. In Vietnam haben einige Hersteller Werke aufgebaut, um vergangene Zölle zu umgehen – das geht jetzt nach hinten los. Die Europäische Union bekommt pauschal Zölle in Höhe von 20 Prozent aufgedrückt.
Das Weiße Haus schreibt allgemein, dass Halbleiter vorerst von den länderspezifischen Zöllen ausgeschlossen sind. Das gilt auch für Autos und Autoteile, die die USA pauschal mit 25 Prozent verzollen.
PC-Hardware wird trotzdem teurer
Unklar ist, was als "Halbleiter" gilt. Ist ein Mainboard mit einem Chipsatz etwa ein Halbleiter-Produkt? Klar ist aber schon jetzt: Praktisch alle PC-Komponenten dürften in den USA selbst mit der Halbleiterausnahme teurer werden. US-Käufer melden im Falle von Grafikkarten etwa, dass auf GPU-Importe bereits die neuen 25-prozentigen Aluminiumzölle greifen.
Bei praktisch allen Grafikkarten bestehen einzelne Teile aus Aluminium, etwa die Kühler. Normalerweise würden nur diese spezifischen Teile zusätzlich verzollt. Weil Hersteller und Händler aber nicht deklarieren, wie viel vom Kaufpreis der Aluminiumanteil ausmacht, rechnet der Zoll die 25 Prozent auf den Gesamtpreis an. Das betrifft potenziell auch Mainboards.
Noch stärker sind Komponenten ohne Chips betroffen, etwa PC-Gehäuse. In solchen Fällen greifen sowohl länder- als auch produkt- und materialspezifische Zölle. Auf ein Aluminiumgehäuse aus China kommen so zum Beispiel 59 Prozent (34 Prozent China, 25 Prozent Aluminium).
Weitere Zölle drohen
Und damit ist noch nicht Schluss: Mit den "China Section 301 Tariffs" drohen weitere 25 Prozent. Diese Zölle führten die USA 2018 ein, wurden bisher aber auf jährlicher Basis wiederholt ausgesetzt. Die aktuelle Aussetzung gilt bis zum 31. Mai 2025. Sollten diese Zölle in Kraft treten, würde das oben genannte Aluminiumgehäuse bei einem Aufpreis von 84 Prozent landen. Auf viele Grafikkarten und Mainboards kämen insgesamt 50-prozentige Zölle zu. Ebenso dürften die Kosten für KI-Rechenzentren steigen.
Das zeigt, wo die Reise weiter hingehen könnte. US-Präsident Donald Trump machte bereits deutlich, dass er die taiwanische Halbleiterindustrie auf dem Kieker hat. Länder- oder weitere produktspezifische Zölle könnten künftig unter anderem Grafikkarten und Prozessoren treffen.
Die ganzen Aufpreise gelten zunächst nur für US-Kunden. Für EU-Kunden könnte es dennoch brenzlich werden, sollten Hersteller die Mehrkosten global verteilen – und damit auch hierzulande die Preise anheben.
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(mma)