US-Krieg gegen Iran: „Enormes Gerangel und große Verwirrung“

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Donald Trump hatte noch eine Krypto-Konferenz vor sich und ein Korrespondenten-Dinner mit möglichem Attentatsversuch, als er die Wochenendpläne von Steve Witkoff und Jared Kushner änderte. „Ich habe gerade die Reise meiner Vertreter nach Islamabad in Pakistan abgesagt, wo sie sich mit den Iranern treffen sollten“, meldete der US-Präsident am Samstag aus seinem Klub in Mar-a-Lago in Florida in seinem Netzwerk Truth Social. Das sei „Zeitverschwendung“. In der iranischen „Führung“, er setzte das Wort in Anführungsstriche, herrsche „enormes Gerangel und große Verwirrung. Niemand weiß, wer das Sagen hat, nicht einmal sie selbst“.

Eigentlich stand nach seiner Vorstellung in der pakistanischen Hauptstadt eine Begegnung von Witkoff und Kushner mit Irans Außenminister Abbas Araghtschi bevor, vielleicht kommt es in den kommenden Tagen auch noch dazu. Es wäre die Fortsetzung jener Gespräche, die vor zwei Wochen mit anderen Vertretern aus Teheran gescheitert waren, damals unter Leitung von US-Vizepräsident J. D. Vance.

Trump sagt, die USA hätten alle Trümpfe in der Hand, die Iraner hätten keine. Doch die bleiben gelassen

Diesmal sollte Vance zunächst daheimbleiben, was schon nach amerikanischer Vorsicht aussah. Nun besprach sich zwar Araghtschi mit den Pakistanern, die sich als Vermittler versuchen. Am Samstag jedoch flog er zunächst einmal weiter nach Maskat, in die Hauptstadt von Oman. Pakistanische Zeitungen berichteten am Sonntag, danach könne er unmittelbar nach Islamabad zurückkehren. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür aber zunächst nicht.

Iran hatte schon am Freitag erklärt, dass es unter den gegenwärtigen Umständen kein Treffen mit den Amerikanern geben werde. Trump wechselt dagegen immer wieder seine Haltung: Mal kündigt er die komplette Zerstörung des von den USA angegriffenen Landes an, mal ein Ende des Waffenstillstandes, mal enorm aussichtsreiche Verhandlungen und ein baldiges Ende des Krieges. Das lässt aber noch auf sich warten. Am Dienstag hatte er die Feuerpause bis zu einer bisher hypothetischen Einigung verlängert.

Dann vermittelte Trump den Eindruck, als wollten die Gesandten des Regimes in Teheran unbedingt wieder verhandeln. Als bemühten sie sich verzweifelt um ein Atomabkommen. Auch am Samstag klang das ähnlich. Demnach habe ihnen Araghtschi schriftlich erst ein neues Angebot unterbreitet und kurz nach Trumps Absage der Entsendung des Duos Witkoff/Kushner noch eines. Das sei besser gewesen, aber nicht genug. Die USA, schrieb er, hätten „alle Trümpfe in der Hand, sie haben keine! Wenn sie reden wollen, müssen sie nur anrufen!!!“.

Araghtschi hingegen gab sich nach seinem Besuch in Islamabad am Wochenende gelassen. „Ein sehr fruchtbarer Besuch in Pakistan, dessen Vermittlungsbemühungen und brüderliche Anstrengungen zur Wiederherstellung des Friedens in unserer Region wir sehr schätzen“, sei es gewesen, berichtete er auf X. „Wir haben den Standpunkt Irans bezüglich eines tragfähigen Rahmens zur dauerhaften Beendigung des Krieges gegen Iran dargelegt. Es bleibt abzuwarten, ob es den USA mit der Diplomatie wirklich ernst ist.“

Am 1. Mai müsste der US-Kongress den Krieg genehmigen

Vorläufig nehmen beide Länder große Teile der Weltwirtschaft in den Würgegriff. Iran blockiert weitgehend die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Verbrauchs von Öl und Gas verschifft wird. Trumps Marine sperrt iranische Häfen, um den Iranern den Geldhahn zuzudrehen, trotzdem könnte es das Regime in Iran weniger eilig haben als Trump. Die Spritpreise sind auch in den USA erheblich gestiegen und die Umfragewerte des US-Präsidenten gesunken. Es geht derzeit darum, wer den längeren Atem hat. Oder „the cards“, wie Trump es nennt, die besseren Karten.

Am 1. Mai müsste er den Krieg nach 60 Tagen vom Kongress genehmigen lassen, und die Öffnung der Meerenge käme seinem Lager vor den Zwischenwahlen im Herbst gelegen. Seiner Ansicht nach bestehe die oberste Priorität darin, „eine feste Kontrolle über die Straße von Hormus zu erlangen und so die Freiheit der Schifffahrt im Einklang mit dem Völkerrecht zu gewährleisten“, gab der republikanische Senator Lindsey Graham auf X bekannt. Dafür könne „kurzfristig ein militärisches Engagement der USA erforderlich sein“.

Trump dagegen antworte auf die Frage des Portals Axios, ob der geplatzte Termin in Islamabad bedeute, dass er Iran wieder angreifen lassen werde: „Nein. Das bedeutet es nicht. Wir haben darüber noch nicht nachgedacht.“

Wer in Iran das Wort führt, scheint Trump unklar zu sein. Der Ayatollah Modschtaba Chamenei, Sohn des bei US-israelischen Angriffen getöteten Ali Chamenei? Die Revolutionsgarde? „Wahrscheinlich kämpfen sie um die Führungsrolle – in vielen Fällen glaube ich, dass sie darum kämpfen, nicht der Anführer zu sein“, sagte Trump am Samstag noch, ehe er wieder in Richtung Washington flog. „Ich werde mich mit jedem auseinandersetzen, mit dem wir es zu tun haben, aber es gibt keinen Grund, zwei Tage zu warten“, betonte der US-Präsident.

Ein Pakistaner ist Trumps „Lieblingsfeldmarschall“

Die von Trump abgesagte Reise Witkoffs und Kushners nach Pakistan fiel auf den Tag seiner Krypto-Konferenz in Palm Beach. Der Präsident empfing dort die größten Inhaber der nach ihm benannten Kryptowährung, sie bekamen unter anderem ein Trump-Parfüm, ein Poster sowie eine Uhr namens „Fight Fight Fight Red Beauty Watch“. Politik und Geschäft vermischen sich bei ihm wie wohl noch nie bei einem US-Präsidenten, siehe auch seine Emissäre Witkoff und Kushner.

Im Januar unterzeichnete Steve Witkoffs Sohn Zach mit der pakistanischen Regierung eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit mit einem Tochterunternehmen von World Liberty Financial. Dieses Finanzunternehmen hatten Trumps Söhne Eric und Don Jr. sowie Witkoffs Söhne mitgegründet, Zach Witkoff ist der CEO. Steve Witkoff wiederum informierte bei einer Konferenz von Trumps sogenanntem Friedensrat über eine Partnerschaft mit einem pakistanischen Hotel in Manhattan.

 die stark gesicherte Residenz des pakistanischen Präsidenten in Islamabad.
Rote Linien und eine rote Zone: die stark gesicherte Residenz des pakistanischen Präsidenten in Islamabad. Foto: AAMIR QURESHI/AFP

Auch auf diese Weise hat Pakistan sein Verhältnis zur US-Regierung verbessert. Dazu kommt die persönliche Ebene. Die Pakistaner stehen in der Gunst Trumps weit oben: Den Armeechef Syed Asim Munir hat der Präsident als seinen „Lieblingsfeldmarschall“ bezeichnet, auch die politische Führung in Islamabad bedenkt er regelmäßig mit Lob. Überaus höflich äußerte sich auch Irans Außenminister Araghtschi nach seinen Treffen in Islamabad über die Vermittlungsbemühungen seiner Gastgeber.

Pakistanische Journalisten sollen keine ungenannten Quellen verwenden. Aber sie halten sich nicht daran

Auch nach der diplomatischen Volte und dem abgesagten Treffen zwischen den Amerikanern und Iranern bestand in Islamabad noch etwas Hoffnung. „Trump zerbeult die Friedensgespräche, aber vielleicht hält der Waffenstillstand“, titelte die Zeitung The Express Tribune am Sonntag. Es gibt in der Öffentlichkeit deutlich weniger Kritik in Pakistan am Nachbarland Iran als an den USA.

Trumps Entscheidung, Kushner und Witkoff zunächst nicht nach Islamabad zu schicken, wird hier kritisch beurteilt. Allerdings nicht auf offizieller Ebene. Die pakistanische Regierung und das Militär sind darauf bedacht, ihre Mediatorenrolle nicht durch eine übermäßige Kommunikation in Gefahr zu bringen: Verschwiegenheit ist für die Friedensvermittler eine zentrale Währung. Die Regierung fordert einheimische Journalisten dazu auf, keine ungenannten Quellen mehr zu verwenden. Diese halten sich bislang aber nicht daran.

Beobachter aus den politischen Zirkeln bemühten sich auch nach Trumps Reiseverbot für Kushner und Witkoff um Optimismus. Zumindest habe Araghtschi den Vermittlern Irans „rote Linien“ beschrieben, sagte der pakistanische Ex-Diplomat Masood Khan der Süddeutschen Zeitung. Das könnte nun an Washington übermittelt werden, damit lasse sich weiterarbeiten. Aber Khan betonte auch: „Beide Seiten bringen zum Ausdruck: Ihre Waffen sind geladen, die Finger sind am Abzug.“ Dies geschehe im Rahmen von Drohgebärden, noch gebe es eine Chance für weitere diplomatische Runden. „Diese Episode schlägt nicht die Tür zu“, sagte Khan, der als pakistanischer Botschafter in den USA tätig war. Trumps Regierung ist aus seiner Sicht aber „in Eile“, diesen Krieg zu beenden, wohingegen die Iraner „sich stur stellen“.

Auch im Entwicklungsland Pakistan leiden die Menschen massiv unter den Folgen des Krieges und der Blockade der Straße von Hormus. Die Benzinpreise sind seit Kriegsbeginn um mehr als 50 Prozent gestiegen und liegen umgerechnet bei 1,21 Euro – bei einem durchschnittlichen Monatsgehalt von etwa 120 Euro.

In Islamabad und der benachbarten Garnisonsstadt Rawalpindi kommen durch die verschärften Sicherheitsmaßnahmen und die Energiesparpläne der Regierung zeitweilige Lockdowns hinzu, Händler müssen ihre Läden früher schließen. Auch am Sonntag blieb die „rote Zone“ abgesperrt – hier liegt das Regierungsviertel. In der Hauptstadt setzen sie darauf, dass es bald weitergeht mit den Gesprächen, die den Krieg beenden sollen.

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