Urtopia Carbon Fold 2 im Test: Richtig gutes Klapprad-E-Bike wiegt nur 16 kg

vor 1 Tag 1

Carbon, 16 kg, feiner Drehmomentsensor, schickes Design – das erstaunlich bequeme City-E-Bike Urtopia Carbon Fold 2 überzeugt uns im Test.

Urtopia gilt dank des Carbon 1 Pro (Testbericht) als Pionier smarter Carbon-E-Bikes – randvoll mit eSIM, GPS sowie Fingerabdrucksensor und trotzdem leicht. Das Carbon Fold 2 streicht die vernetzte Elektronik und konzentriert sich auf das, was ein Faltrad im Alltag braucht – wenig Gewicht, kleines Faltmaß und Fahrspaß.

Damit steht das Fold 2 im direkten Gegensatz zum sehr guten, aber auch massiv schweren Engwe L20 3.0 Pro (Testbericht) und tritt eher in die Fußstapfen des deutlich teureren Kult-E-Bikes Brompton Electric (Testbericht). Das Urtopia kostet aktuell 1799 Euro – und kommt mit einem Kampfgewicht, von dem die meisten E-Falträder nur träumen. Wir prüfen, ob der Carbon-Leichtbau hält, was die Optik verspricht.

Aufbau, Optik & Verarbeitung

Das Auspacken dauert länger als der Aufbau. Urtopia verpackt das Rad in schwarze Schaumstofffolie, fixiert mit über 60 Kabelbindern. Danach geht es flott: Vorderrad und die Schutzbleche aus Metall sind bereits montiert, ebenso die Beleuchtung. Man fixiert den Lenker, schraubt die Pedale an, setzt die Sattelstange ein – fertig. Ein optionaler Gepäckträger ist angekündigt.

Der Faltmechanismus gehört zu den besten der Testreihe – nur das Brompton Electric faltet eine Spur eleganter. Rahmen (Mittelscharnier), Lenker und Pedale klappen ein, die Sattelstütze versinkt im Rahmen. Die Sicherungshebel bedient man einhändig, sie rasten satt und sicher ein. Zwei Magnete an den Achsen halten das gefaltete Paket zusammen – kräftig sind sie nicht, aber sie genügen, um das rund 16 kg leichte Rad kurze Strecken zu tragen oder zu schieben, ohne dass es ungewollt aufklappt. Entfaltet misst es 152 cm in der Länge, gefaltet kompakte 82 × 48 × 69 cm.

Urtopia Carbon Fold 2 Bilder

Urtopia Carbon Fold 2

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Optisch bricht das Carbon Fold 2 mit der Klapprad-Tradition: Statt altbekannter Formen prägt die unverwechselbare Urtopia-Carbon-Linie das Bild, das positiv ans Carbon 1 erinnert – modern, fast futuristisch, aber nicht überkandidelt. Besonders die blaue Lackierung macht was her; zur Wahl stehen Schwarz und Blau. Die Verarbeitung wirkt hochwertig, nichts klappert oder quietscht während der Fahrt. IP65-Schutz und 100-kg-Zuladung gehören ebenfalls dazu. Für schwere Fahrer könnte das zu wenig sein. Gefaltet steht das Rad auf dem Kettenblattschutz oder auf dem unteren Ende der Sattelstütze, die den Akku beinhaltet. Wir hätten uns hier etwas mehr Schutz erhofft.

Lenker & Display

Der 62 cm breite Lenker lässt sich in der Höhe verstellen und sorgt für eine aufrechte, entspannte Sitzposition. Die Griffe aus weichem Schaumstoff liegen angenehm in der Hand. Eine Klingel sitzt unter dem Display – wohltuend, denn häufig verbauen Hersteller elektrische Hupen, die auf deutschen Straßen nicht zulässig sind.

Das 2-Zoll-Farbdisplay fällt klein aus, bleibt aber selbst bei Sonne gut ablesbar. Standardmäßig zeigt es Tempo, Unterstützungsstufe, Akkustand in Prozent und – ein seltenes, aber gern gesehenes Extra – die Uhrzeit. Auf Wunsch blendet es zusätzlich Fahrer- und Motorleistung, Trittfrequenz, Tageskilometer und einiges mehr ein.

Ein langer Druck auf die Menütaste öffnet ein überraschend umfangreiches Bordmenü: Hier senkt man die maximale Unterstützungsgeschwindigkeit, vergibt ein Passwort oder legt fest, wie stark die Unterstützung in jeder Assistenzstufe ausfällt. Das wirkt durchdacht und ist einfach zu bedienen – jedoch ausschließlich auf Englisch, eine deutsche Sprachoption fehlt. Praktisch: Ein Laufmodus schiebt das Rad auf 6 km/h an.

Urtopia Carbon Fold 2 Screenshot

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Wichtig für Umsteiger von Urtopias Smart-Bikes: Das Fold 2 verzichtet auf App und Vernetzung. Kein GPS, keine eSIM, kein Fingerabdruck, kein Alarm, keine Ortung – alles läuft über das Bordmenü. Wer sein Rad gern per Smartphone überwacht, bleibt außen vor; wer einfach fahren will, vermisst nichts.

Fahren

Hier überrascht das Carbon Fold 2 positiv. Den Antrieb übernimmt ein angenehm leiser Heck-Nabenmotor mit 250 W Nennleistung, 500 W Spitzenleistung und 42 Nm. Entscheidend ist der Sensor: Statt eines simplen Trittfrequenzsensors arbeitet ein hervorragender Drehmomentsensor im Rad. Er misst, wie kräftig man tritt, und dosiert die Unterstützung entsprechend natürlich und dynamisch. Über die vier Modi Eco, Tour, Smart und Boost reicht das vom sanften Mitschieben bis zum spürbaren Schub. Bei 25 km/h regelt der Motor gesetzeskonform ab.

Urtopia Carbon Fold 2

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Ungewöhnlich für ein Rad ohne Federung: Das Carbon Fold 2 fährt sich richtig komfortabel. Carbon-Rahmen und weiche Reifen schlucken so viel weg, dass man beim Fahren fast eine Federung vermutet – für uns deswegen eines der bequemsten Falträder überhaupt. Kopfsteinpflaster meistert es problemlos, auch wenn der flexible Rahmen das Fahrverhalten dabei kurz etwas nervös wirken lässt. Die Kontrolle bleibt trotzdem erhalten. Die angegebene Fahrergröße von 155 bis 185 cm bestätigt sich – dank hoch ausziehbarer Sattelstütze und verstellbarem Lenker fühlen sich sogar noch größere Fahrer wohl. Nur der Sattel dürfte etwas weicher ausfallen.

Die Shimano-Altus-Kettenschaltung mit acht Gängen schaltet zuverlässig und reicht angenehm tief hinab, sodass selbst steile Anstiege kein Problem darstellen. Im höchsten Gang tritt man bei 25 km/h bequem mit und übersteigt die Endgeschwindigkeit des Motors auf Wunsch aus reiner Muskelkraft. Die 18-Zoll-Reifen von Kenda (2 Zoll breit) mit flachem Profil zielen auf Asphalt und leichte Schotter- oder Waldwege.

Hydraulische Scheibenbremsen von Tektro (HD-M3120, 160 mm) verzögern kräftig, konstant und mit kurzem Bremsweg. Ab Werk sind sie gut eingestellt und quietschen nicht. Ein Verzögerungssensor löst zusätzlich ein Bremslicht aus – allerdings nur bei starkem Bremsen.

Das Frontlicht sitzt höhenverstellbar direkt über dem Vorderrad, das Rücklicht im Akku-Gehäuse unterhalb des Sattels; beide werden vom Hauptakku gespeist. Für die Stadt reicht die Beleuchtung aus, für stockdunkle Waldwege nicht. Einen Dämmerungssensor gibt es nicht, das Licht schaltet man manuell ein. Blinker fehlen.

Urtopia Carbon Fold 2

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Akku

Der 244,8-Wh-Akku sitzt in der Sattelstütze und lässt sich per Schnellspanner entnehmen – oder direkt im Rad laden. Der Haken: Einen Diebstahlschutz gibt es nicht, sodass auch ein Langfinger den Akku in Sekunden herausziehen kann. Absichern lässt er sich nur über ein Sattel- oder Kabelschloss. Beim Einsetzen muss man unten einen Konnektor verbinden, was mitunter etwas fummelig ist. Mit dem beiliegenden 2-A-Netzteil ist der Akku in rund 3 bis 3,5 Stunden voll.

Die Reichweite hängt maßgeblich von Fahrstil und Unterstützungsstufe ab: Die angegebenen bis zu 68 km im Eco-Modus sind realistisch – allerdings liefert Eco nur rund 20 Prozent der Motorleistung, man tritt also kräftig mit. Wer im Boost-Modus wenig in die Pedale tritt, landet schnell deutlich unter 30 km.

Immerhin: Dank des Leichtbaus fährt sich das Carbon Fold 2 auch mit leerem Akku noch gut. Urtopia hat einen 353-Wh-Zweitakku angekündigt, der in Deutschland aber bisher nicht erhältlich ist.

Preis

Aktuell kostet das Urtopia Carbon Fold 2 1799 Euro direkt beim HerstellerDer Preis soll auf 1999 Euro steigen. Urtopia ermöglicht es Interessierten, eines seiner E-Bikes in mehr als 250 Fachgeschäften Probe zu fahren. Wer daran Interesse hat, kann hier einen Termin vereinbaren.

Fazit

Das Urtopia Carbon Fold 2 zeigt, dass ein Faltrad auch leicht, schick und komfortabel sein kann. Der Carbon-Rahmen und optimierte Komponenten drücken das Gewicht auf rund 16 kg und der Faltmechanismus spielt in der Spitzengruppe. Dazu kommen ein hoher Komfort trotz fehlender Federung, ein sensibler Drehmomentsensor und ein durchdachtes, wenn auch rein englisches Bordmenü.

Ganz ohne Kanten kommt der Leichtbau nicht aus: Der Akku sitzt ohne Diebstahlschutz in der Sattelstütze, 100 kg Zuladung könnte für einige zu wenig sein, ein Dämmerungssensor fehlt, und wer ständig die volle Motorleistung abruft, lebt mit knapper Reichweite. Zusammengefasst zählt das Carbon Fold 2 aber zu den durchdachtesten und schickesten Falträdern seiner Preisklasse – eine klare Empfehlung.

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