Ukrainekrieg: Russland greift offenbar erneut ukrainische Energieversorgung an

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© Ukrainian Armed Forces/​Handout/​Reuters

Die Ukraine meldet russische Angriffe auf zivile Infrastruktur und Energieanlagen. Es gibt Tote und Verletzte. China und Russland besprechen sich in Moskau. Das Liveblog

Aktualisiert am 2. April 2025, 10:59 Uhr

Christina Denk

Selenskyj berichtet von Schäden an Energieanlagen nach Angriffen

Russland hat nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erneut die ukrainische Energieversorgung angegriffen. In der Nacht habe es Angriffe auf die Regionen Sumy und Dnipro gegeben – trotz einer Vereinbarung zum vorübergehenden Verzicht auf solche Angriffe, teilte Selenskyj auf Telegram mit. Dabei seien ein Umspannwerk und eine Stromleitung getroffen und beschädigt worden. 4.000 hatten demnach infolge der Angriffe keinen Strom.

Insgesamt habe es in der Nacht Angriffe mit 74 Drohnen gegeben. Ein gezielter Angriff habe der Region rund um Charkiw gegolten. Unter den dortigen Verletzten seien auch drei Kinder, schrieb Selenskyj.

Anastasia Tikhomirova

Ukraine meldet Toten und Verletzte durch Drohnenangriffe

Bei russischen Drohnenangriffen sind nach ukrainischen Angaben mindestens ein Mensch getötet und zehn weitere Menschen verletzt worden. In der südukrainischen Region Saporischschja wurde nach Angaben von Regionalgouverneur Iwan Federow ein 45-Jähriger getötet, als eine russische Drohne geparkte Autos traf. Zwei weitere Personen wurden demnach verletzt.

In Charkiw wurden nach Angaben von Bürgermeister Ihor Terechow acht Menschen durch Drohnenangriffe verletzt. Die Behörden sprachen von einem "massiven Angriff durch feindliche Drohnen".

Timo Stukenberg

Russische Soldaten haben südlich von Pokrowsk und in den Regionen Belgorod und Sumy Gelände eingenommen. Das berichtet das Institute for the Study of War (ISW) in seinem täglichen Lagebericht (PDF) unter Berufung auf geolokalisierte Videos. Sie zeigen unter anderem Luftangriffe auf russische Einheiten.

In der Region Luhansk haben russische Truppen den Angaben zufolge einen Brückenkopf in ukrainischem Territorium errichtet. Bei ihrer Offensive in Richtung der Stadt Lyman haben sie demnach den Ort Nowoljubiwka eingenommen.

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Katharina James

Ukraine Thema von Besprechung zwischen Lawrow und Wang

Der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein chinesischer Amtskollege Wang Yi haben nach Angaben des russischen Außenministeriums bei ihrem Treffen über die Notwendigkeit eines lang anhaltenden Ukraine-Friedensabkommens geredet. Wang befindet sich auf einem dreitägigen Besuch in Moskau. Dort hat er bereits Präsident Wladimir Putin getroffen. 

Sven Crefeld

Russland wirft Ukraine Angriffe auf Energieanlagen vor

Russland hat nach Angaben seines Außenministers Sergej Lawrow eine Liste mit angeblichen Verstößen der Ukraine gegen die vereinbarte Pause bei Angriffen auf Energieanlagen an die USA und die Vereinten Nationen übergeben. Kyjiw verletze weiter das Moratorium mit Schlägen gegen die russische Energieinfrastruktur, sagte Lawrow.

Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ebenfalls mehrfach beklagt, Russland attackiere weiter die Energieinfrastruktur des Landes.

Timo Stukenberg

Selenskyj kündigt Beratungen über Friedenstruppe an

Am Freitag wird in einer kleinen Staatengruppe über die Aufstellung einer internationalen Truppe beraten, die nach einem Waffenstillstand den Frieden sichern soll. Das kündigte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj an. Diese Staaten seien bereit, zu einem ausländischen Truppenkontingent in der Ukraine beizutragen.

Bei einer Pressekonferenz mit der geschäftsführenden deutschen Außenministerin Annalena Baerbock sagte er, er erwarte "konkretere" Antworten von den Verbündeten zu deren Bereitschaft, sich an einer solchen Truppe zu beteiligen. Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich bislang zurückhaltend zu den Plänen geäußert, im Gegensatz zu den Staats- und Regierungschefs in Frankreich und Großbritannien. Russland lehnt die Aufstellung einer europäischen Friedenstruppe mit einem robusten Mandat ab.

Von Friedrich Merz als voraussichtlich zukünftigem Bundeskanzler erhofft sich Selenskyj nach eigenen Angaben die Lieferung des deutschen Marschflugkörpers vom Typ Taurus. Es sei sogar "ein klein wenig mehr als Hoffnung", sagte er. Scholz hatte Taurus-Lieferungen strikt abgelehnt.

Anastasia Tikhomirova

Ukraine erhält 3,5 Milliarden Euro von der EU

Die Ukraine hat weitere 3,5 Milliarden Euro von der Europäischen Union bekommen. "Diese Gelder helfen uns, die makroökonomische Stabilität zu erhalten", schrieb Ministerpräsident Denys Schmyhal bei Telegram.

Es handele sich bei der Überweisung um 3,1 Milliarden Euro an ermäßigten Krediten, 400 Millionen Euro seien Zuschüsse. Die Gelder seien Teil des bis 2027 geplanten Unterstützungsprogramms Ukraine Facility über insgesamt 50 Milliarden Euro. 2024 hatte die Ukraine daraus bereits 16 Milliarden Euro erhalten.

Anastasia Tikhomirova

Ukraine erlebt erste drohnenfreie Nacht in diesem Jahr

Die Ukraine hat zum ersten Mal in diesem Jahr eine Nacht ohne Drohnenangriffe erlebt. Die ukrainische Luftwaffe meldete in ihrer Statistik allerdings den Einsatz zweier abgefeuerter Marschflugkörper. Beide Raketen seien rechtzeitig abgeschossen worden. Zuletzt hatte es eine Nacht ohne russische Drohnenangriffe im Dezember vergangenen Jahres gegeben.

David Rech

Russland spricht sich für weitere Gespräche mit USA aus

Die russische Regierung will den Dialog mit den USA nach eigenen Angaben trotz der Drohungen von US-Präsident Donald Trump fortsetzen. Der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, bezeichnete die Bemühungen um eine Lösung für die Ukraine als "sehr komplex".

Trump hatte damit gedroht, Sekundärsanktionen gegen russisches Öl zu verhängen, sollte der russische Präsident Wladimir Putin nicht auf ein Ende des Krieges gegen die Ukraine hinarbeiten. 

Christina Denk

Russlands Außenminister deutet Treffen von Putin und Xi an

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat ein Treffen zwischen Kremlchef Wladimir Putin und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping angedeutet. Bei einem Treffen mit dem chinesischen Außenminister Wang Yi in Moskau sagte er, Treffen zwischen dem Kremlchef und Chinas Staats- und Parteichef würden den Beziehungen immer einen starken Impuls verleihen.

Das Treffen zwischen den beiden Außenministern soll laut Lawrow der Vorbereitung eines russisch-chinesischen Gipfels gedient haben. Dieser sei im Mai geplant. Zuvor hatte es zudem vom russischen Außenministerium geheißen, dass auch über "Perspektiven einer Regelung der Ukrainekrise" gesprochen werden könnte.

Christina Denk

Ukraine beschuldigt Russland, weiter Energieinfrastruktur anzugreifen

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hat Russland vorgeworfen, trotz der gegenseitigen Vereinbarung, die Energieversorgung vorerst nicht zu attackieren, weiterhin Energieanlagen anzugreifen. Am Dienstag habe ein Angriff in einer Anlage in der Grenzstadt Cherson Schäden angerichtet. Dadurch sei die Stromversorgung von 45.000 Einwohnern unterbrochen worden, sagte Sybiha.

Maline Hofmann

Ukraine arbeitet mit USA an "beidseitig akzeptierbarem" Mineralien-Abkommen

Der ukrainische Außenminister hat angekündigt, mit den USA auf einen "beidseitig akzeptierbaren" Text eines möglichen Mineralien-Abkommens hinzuarbeiten. Das sagte Andrij Sybiha auf einer Pressekonferenz in Kyjiw.

Es habe bereits eine Konsultationsrunde über einen neuen Entwurf des möglichen Deals über Seltene Erden gegeben. Ein Abkommen in dem Bereich sowie die starke Präsenz US-amerikanischer Unternehmen in der Ukraine würden der Sicherheitsinfrastruktur seines Landes zugutekommen, sagte der ukrainische Außenminister weiter. 

Dominik Lenze

Russische Armee nimmt ukrainischen Grenzort ein

Die Ortschaft Weselyka, unmittelbar hinter der ukrainisch-russischen Grenze, ist von russischen Truppen besetzt worden. Dies geht laut dem Institute for the Study of War (ISW) aus geolokalisiertem Videomaterial hervor. Südlich der umkämpften Industriestadt Torezk hat die Ukraine verlorene Posten zurückerobert

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Jona Spreter

Baerbock zu Abschiedsbesuch in der Ukraine eingetroffen

Außenministerin Annalena Baerbock ist zum letzten Mal in ihrer auslaufenden Amtszeit in die Ukraine gereist. Die Grünenpolitikerin traf am Morgen in Kyjiw ein, wie das Auswärtige Amt mitteilte.

Die Ukraine sei zu einem sofortigen Waffenstillstand bereit, sagte Baerbock bei ihrer Ankunft. Russlands Präsident Wladimir Putin hingegen simuliere Verhandlungsbereitschaft, weiche aber von seinen Zielen "keinen Millimeter" ab. "Wir dürfen uns von Putin und seinen Claqueuren nicht blenden lassen. Denn ein Suggerieren von Frieden ist noch kein Frieden", sagte Baerbock.

Es gehe Putin nach wie vor darum, die Ukraine zu vernichten, hieß es weiter. Ein erster Schritt zur Vertrauensbildung wäre, wenn Russland verschleppte ukrainische Kinder zurückgeben würde. Aber dazu sei Putin offenbar nicht bereit. Und wer Kinder verschleppe, der wolle keinen Frieden, sagte Baerbock.

Die Realität zeige hingegen, dass Putins Strategie nicht Frieden, sondern weitere Zerstörung sei. Das belegten andauernde russische Angriffe auf ukrainische Wohnhäuser und Energieinfrastruktur, sagte Baerbock. "Daher ist für uns Europäer auch klar: Es kann keine Aufhebung von Sanktionen ohne Frieden geben."

Von Wladimir Putin forderte sie einen Waffenstillstand in der Ukraine "ohne jede Vorbedingungen". Die Ukraine habe deutlich gemacht, dass dazu nicht nur bereit sei, sondern diesen akzeptieren würde. Derjenige, der das nicht tue, sei der russische Präsident.

Beim Nato-Außenministertreffen in Brüssel Ende der Woche werde man auch gegenüber der US-Seite deutlich machen, "dass wir uns auf Putins Hinhaltetaktik nicht einlassen dürfen".

Wegen der andauernden russischen Angriffe stellt Deutschland der Ukraine laut Baerbock weitere 130 Millionen Euro an humanitärer Hilfe und Stabilisierungsmitteln zur Verfügung.

Eva Casper

Chinesischer Außenminister für Gespräche in Russland

Der chinesische Außenminister Wang Yi berät heute mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in Moskau über den Krieg in der Ukraine. Dem Kreml zufolge ist auch ein Treffen Wangs mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geplant. Wang befindet sich zu einem dreitägigen Besuch in Moskau, um Gespräche über die strategische Zusammenarbeit beider Länder zu führen.

Der chinesische Außenminister sagte in einem Interview, China und Russland seien "für immer Freunde, niemals Feinde". Die jüngsten Waffenstillstandsgespräche in der Ukraine hätten bereits einige Ergebnisse gebracht und sollten trotz unterschiedlicher Ansichten und der schwierigen Lage auf dem Schlachtfeld fortgesetzt werden, sagte Wang der russischen Nachrichtenagentur RIA zufolge. "Der Schritt in Richtung Frieden ist zwar nicht sehr groß, aber konstruktiv – es lohnt sich, darauf aufzubauen.“  

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