Der ukrainische Militärnachrichtendienst HUR (Hauptverwaltung Aufklärung) hat das Innenleben eines russischen Marschflugkörpers vom Typ S-71M „Monochrome“ analysiert. Die Überreste eines detonierten oder abgestürzten Exemplars enthielten das stärkste Nvidia-Board, das der Dienst bislang gefunden hat: ein Jetson Orin NX mit 16 GByte Speicher. Laut Beschriftung wurde das Modul erst im März 2025 produziert – Jahre nach Nvidias Rückzug aus Russland.
Stärkster gefundener Nvidia-Chip
Das Herzstück des Moduls bildet ein ARM-Prozessor mit acht Cortex-A78AE-Kernen. Die integrierte Grafikeinheit stammt aus der Generation Ampere, ist also auf dem Stand der GeForce-Serie RTX 3000. 1024 Shader-Kerne, 32 Tensor-Cores und separate Deep Learning Accelerators (DLA) übernehmen auch KI-Aufgaben. Bis zu 157 Billionen KI-Rechenoperationen pro Sekunde (157 Tops) nennt Nvidia.
Unterm Strich ist ein Jetson Orin NX so flott wie ein aktueller Oberklasse-Prozessor für Notebooks. Anderen Boardcomputern wie solchen mit Raspberry Pis ist das Exemplar in der S-71M meilenweit überlegen.
Es handelt sich derweil nicht um den ersten entdeckten Nvidia-Prozessor in russischem Militärgerät: Die HUR-Datenbank enthält neun Einträge mit Nvidia-Chips. Bisherige Funde waren allerdings deutlich leistungsschwächer. Am häufigsten ist der kleine Mobilprozessor Tegra X2 mit sechs schwächeren ARM-Kernen und 256 Pascal-Shader-Kernen (Architekturstand GeForce GTX 1000) vertreten.
(Bild: war-sanctions.gur.gov.ua/)
Russische Einfuhr nicht komplett abdrehbar
Der ukrainische Militärnachrichtendienst wirft die Frage auf, ob Russland inzwischen KI bei seinen Marschflugkörpern einsetzt. Die S-71M wird von Su-57-Jets abgefeuert und ist selbst als Drohne (Unmanned Aerial Vehicle, UAV) klassifiziert. Zumindest bei der Bilderkennung über die eingebauten Kameras könnte die Hardware helfen.
Die Ukraine mahnt erneut an, dass bisherige Exportkontrollen nicht ausreichen, um Russland von moderner Hardware abzukapseln. Eigene Fertigungskapazitäten für solche Chips hat das Land nicht, das Militär ist daher auf Importe angewiesen. Eine Lösung ist insbesondere bei zweckentfremdeter Hardware allerdings schwierig.
In einer Stellungnahme gegenüber The Register erklärt Nvidia, dass die Firma nicht alle Lieferketten kontrollieren kann. Jetson Orin NX ist zwar hauptsächlich als Schaltzentrale für Autos und Roboter gedacht, an sich aber „Consumer Grade“: Normale Händler verkaufen neue und auch wiederaufbereitete Boards, etwa für Entwickler-PCs. Russland setzt explizit keine militärisch zertifizierten Chips ein, bei denen Hersteller eine höhere Kontrolle innerhalb der Lieferkette haben.
Nvidia stellt laut eigenen Angaben den Verkauf an Shops ein, wenn diese nachweislich gegen Exportregeln verstoßen und nach Russland liefern. Um solche Exportregeln bauen sich derweil ganze Schmuggelnetzwerke auf, etwa auch bei KI-Hardware für China. Schon die analysierte Raspi-Drohne offenbarte, dass Russland auch Billig-Leistungshalbleiter von Infineon und andere deutsche Komponenten einsetzt.
(mma)











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