Der Automobilclub von Deutschland hat es sicher gut gemeint. Hohe Kraftstoffpreise haben ein erhebliches Erregungspotenzial, gerade bei denen, die auf das Auto angewiesen sind und nicht mal eben auf ein Elektroauto oder wenigstens einen verbrauchsarmen Hybrid umsteigen können. Deshalb ist die Forderung des Clubs an die Politik, sich der Problematik anzunehmen, nachvollziehbar und sicher ein Stück weit auch populär. Absurd wird es allerdings, wenn darin noch der Ruf nach eFuels ertönt.
Maximale Härte möglich
Forderungen, Energie, auch jene zum Fahren, billiger zu machen, lassen sich leicht aufstellen. Zustimmung ist einem sicher, denn Spritpreise von 2,3 Euro – und mehr – für einen Liter erfreuen schließlich kaum jemanden. Bezieher kleiner Einkommen, die auf das Auto angewiesen sind, trifft das unter Umständen hart. „Der AvD hält die Abschöpfung ungerechtfertigter Gewinne für gerechtfertigt. Preissteigerungen, die einzig aus den internationalen Krisen herrühren, ohne dass sie mit den Gestehungskosten in Europa in Zusammenhang stehen, müssen dem Gemeinwohl zugeführt werden“ heißt es in einem Schreiben. Als Club kann der AvD mit maximaler Härte auftreten und ausblenden, dass solche Maßnahmen in einem Rechtsstaat auch juristisch bestehen können müssen. Auch die Frage, wie eine Energiesteuersenkung finanziert wird, kann der AvD außen vor lassen. Politiker, die verantwortungsvoll handeln oder das zumindest für sich in Anspruch nehmen, können sich die Sache allerdings nicht so einfach machen.
Der Staat solle auf eine Ausweitung der CO2-Steuer verzichten, heißt es weiter, was perspektivisch nur mit erheblichen Hürden umzusetzen wäre. Schließlich haben sich die Regierungen auf den Fahrplan dafür auf europäischer Ebene geeinigt. Künftig ist der CO2-Preis keine nationale Angelegenheit mehr, sondern eine europäische. Länder, die bei der CO2-Reduktion weiter sind als Deutschland, werden schwerlich zu überzeugen sein.
Sinkende Preise, beschleunigter Aufbau?
Eine Senkung der Ladekosten für Elektroautos sei dringend notwendig, denn die hohen Preise konterkarierten das Förderprogramm, schreibt der AvD. Mit den Zahlen Vertraute dürften sich die Augen reiben vor Überraschung. Erstens sind Fahrenergiekosten zwar ständig sichtbarer Begleiter, machen an den Gesamtkosten, die ein Auto mit sich bringt, aber einen vergleichsweise kleinen Anteil aus. Und selbst bei einem angenommenen Preis von 50 Cent je Kilowattstunde und einem Bruttoverbrauch von 20 kWh/100 km braucht es bei Spritpreisen von mehr als 2 Euro je Liter schon einen verflixt sparsamen Verbrenner, um in diesem Kapitel wenigstens gleichzuziehen. Dass hohe Ladekosten also die Lenkungswirkung der Kaufunterstützung aushebeln, dürfte eine, nun ja, wirklich sehr tapfere Annahme sein. Woher das Geld für einen beschleunigten Infrastrukturausbau kommen, wenn gleichzeitig der Preis pro Kilowattstunde sinken soll, bleibt ebenfalls unbeantwortet. Wahrscheinlich soll der Steuerzahler ran.
eFuels: „zwingende Aufgabe einer verantwortungsvollen Klimapolitik“
Eine Klimaneutralität sei nur unter der Berücksichtigung des Bestands zu erreichen, argumentiert der AvD. Eine Förderung der Entwicklung und Produktion mit aus erneuerbaren Energien hergestellten, synthetischen Kraftstoffen, die vom Club als klimafreundlich bezeichnet werden, sei zwingende Aufgabe einer verantwortungsvollen Klimapolitik, heißt es weiter. Kein Wort dazu, dass man sich ein paar Zeilen vorab noch für eine bezahlbare Mobilität eingesetzt hat und wie sich das mit der Forderung nach eFuels verträgt, die absehbar weder billig noch in großem Umfang zu haben sein werden. Kein Wort dazu, dass eFuels nur mit sehr schmerzhaftem Biegen und Brechen als klimaneutral bezeichnet werden können. Klimafreundlich, was auch immer das genau sein soll, wird die Suppe nie. Kein Wort dazu, dass für eFuels in Massen erneuerbare Energielieferanten in einem erheblich schnelleren und größeren Umfang ausgebaut werden müssten, als das ohnehin schon jetzt nötig wäre – und absehbar nicht geschieht.
Klartext wäre besser
Der Club könnte die Freiheit, Forderungen aufstellen zu können, ohne die gesellschaftlichen und politischen Folgen bedenken zu müssen, auch dafür nutzen, Klartext zu reden. Das Hoffen auf eFuels ist ein Scheinriese, mit dem aus der Ferne signalisiert werden soll: „Seht her, alles kann bleiben, wie es ist.“ Je näher man der Angelegenheit tritt, desto klarer wird aber, dass damit nicht zu rechnen ist. Sprit ist teuer, und er wird es bleiben. Die nationale Politik kann nur begrenzt gegensteuern. In der Auseinandersetzung mit dem Iran sind Ölförderanlagen zerstört worden. Selbst wenn also die Straße von Hormus morgen wieder frei befahrbar wäre, was nicht sehr wahrscheinlich ist, bliebe der Ölpreis vorerst hoch.
Für die breite Masse sind eFuels perspektivisch keine Alternative, selbst wenn die Kosten über die Skalierung deutlich sinken würden. Rund 27 kWh Primärenergiebedarf und fünf bis neun Liter Reinwasser sind für einen Liter dieses synthetischen Kraftstoffs aufzubringen. Dazu kommen teure Produktionsanlagen, die am besten immer laufen, und nicht nur dann, wenn im Netz massenhaft Ökostrom zur Verfügung steht. All das wird in Rechnung gestellt, verdeutlicht ein Stück weit, warum das Hoffen auf billigen synthetischen Sprit vergeblich ist.
Die vertane Chance
Statt also Verunsicherte, die vor der Wahl stehen, welchen Antrieb der nächste Neuwagen haben soll, zum Umstieg auf ein E-Auto zu ermuntern, zeichnet der AvD ein schräges Bild. Doch der Verbrenner ist auf mittlere Sicht nicht die preiswerte Alternative, sondern wird in den kommenden Jahren teuer – sowohl beim Wertverlust wie auch bei der Fahrenergie. Umso wichtiger ist es, dass bei den Neuwagen der Wandel rasch vollzogen wird und nicht ständig frische Zweifel gesät werden. Denn mit einem steigenden Anteil von neuen Autos auf dem Markt wächst naheliegenderweise auch das Angebot auf dem Gebrauchtwagenmarkt, wo sich die bedienen, die sich teure Neuwagen nicht leisten können oder wollen. Auf gar keinen Fall sollten eFuels ein Argument dafür sein, den Bestand an Autos mit Verbrennungsmotor weiter anwachsen zu lassen. Eine solche Argumentation hätte dem AvD kurzfristig vielleicht etwas weniger Applaus eingebracht. Mittelfristig aber hätte es dem Club den Ruf bescheren können, für eine tatsächliche Nachhaltigkeit einzutreten. Die Chance darauf wurde vertan.
(mfz)











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