Trumps Zollpolitik: Welche US-Zölle bereits gelten und welche noch kommen könnten

vor 2 Tage 1

Donald Trump spricht von einem "Tag der Befreiung", ausländische Firmen sind nervös. Der US-Präsident will weitere Zölle ankündigen. Wen die Aufschläge treffen könnten.

Aktualisiert am 2. April 2025, 15:29 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, AFP, ,

33 Kommentare
 US-Präsident Donald Trump hat seit seinem Amtsantritt mit verschiedenen Zöllen gedroht – nicht alle wurden auch verhängt.
US-Präsident Donald Trump hat seit seinem Amtsantritt mit verschiedenen Zöllen gedroht – nicht alle wurden auch verhängt. © Tomohiro Ohsumi/​Getty Images

US-Präsident Donald Trump will weitere Zölle vorstellen, die sofort greifen sollen. Trump sprach in diesem Zusammenhang zuletzt von einem "Tag der Befreiung" – die EU von einem "Tag der Willkür". Als Gründe für die neuen Aufschläge führt Trump einen "unfairen Handel", mangelnde Bekämpfung der irregulären Migration und den Schmuggel von Fentanyl in die USA an. Welche Zölle die USA bereits verhängt haben und welche nun noch drohen könnten:

Alle Fragen im Überblick:

"Reziproke Zölle" auf alle Importe

Bei den neuen Aufschlägen geht es um sogenannte reziproke Zölle. Er wolle damit verhindern, dass Handelspartner die USA weiterhin "abzocken", sagte Trump. Die Idee dahinter ist, dass ein Produkt eines Landes bei Lieferung in die USA mit ebenso hohen Aufschlägen belastet wird wie ein gleiches US-Produkt bei Lieferung in dieses Land. Was Reziprozität genau bedeutet, ist jedoch weitgehend unklar. Die Zölle sollen nach Angaben von Trumps Sprecherin Karoline Leavitt direkt nach der Verkündung in Kraft treten.

Dem Münchener ifo Institut zufolge ist der Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Niveau der EU-Einfuhrzölle und dem der USA gering. Eine reine Angleichung der Zollsätze hätte daher auch nur geringe Auswirkungen. Nach Angaben der US-Regierung könnten bei der Kalkulation der Importaufschläge jedoch neben den in anderen Ländern geltenden Zöllen weitere Faktoren wie Subventionen oder Regularien einbezogen werden.

Produkte von Handelspartnern Venezuelas

Zudem will Trump am Abend einen sogenannten Sekundärzoll gegen Länder verhängen, die Öl und Gas aus Venezuela beziehen. Importe in die USA von diesen Handelspartnern Venezuelas werden dann also verzollt. Zur Begründung nutzte Trump diskriminierende Formulierungen gegenüber Menschen aus Venezuela. Das Land habe Zehntausende Menschen mit einer "sehr gewalttätigen Natur" in die USA geschickt, behauptete er. 

Diese Maßnahme könnte insbesondere China und Indien treffen, wohin Venezuela aufgrund von US-Sanktionen einen Teil seiner Exporte verlagert hatte.

Mit seiner Zollpolitik will Trump auch in den Ukrainekrieg eingreifen. So drohte er etwa dem russischen Präsidenten Wladimir Putin für den Fall, dass es keine Einigung auf einen Waffenstillstand gibt, damit, die Käufer von russischem Erdöl mit Zöllen zu belegen. In einem solchen Fall spricht man auch von Sekundärzöllen. 

Autos und Autoteile

Zuletzt hat Trump die Einführung von Sonderzöllen auf den Import von Autos und Autoteilen angekündigt. Die zusätzliche Abgabe in Höhe von 25 Prozent soll ab diesem Donnerstag gelten. Die Zölle sollen für alle in die USA importierten Autos gelten, von Kleinwagen über Limousinen und SUV bis zu leichten Nutzfahrzeugen. Auch Autoteile sollen später darunter fallen.

Für Autoimporte, die unter das nordamerikanische USMCA-Freihandelsabkommen mit Kanada und Mexiko fallen, kann je nach in den USA produziertem Anteil ein niedriger Zollsatz gelten. Trump drohte zudem der EU und Kanada für den Fall, dass diese zusammenarbeiteten, "um den USA wirtschaftlichen Schaden zuzufügen".

Im Vorfeld hatte Trump sich bereits über die europäische Handelspolitik in der Automobilbranche beschwert. Während die USA auf Autos aus der EU nur 2,5 Prozent Zoll erheben, verlangt die EU 10 Prozent auf US-Autoimporte. Allerdings sind die US-Zölle auf Pick-ups und leichte Nutzfahrzeuge mit 25 Prozent deutlich höher.

Stahl und Aluminium

Importe von Stahl und Aluminium werden von der US-Regierung seit dem 12. März mit Zöllen in Höhe von 25 Prozent belegt. Die USA importieren etwa die Hälfte ihres Bedarfs, die EU ist nach Kanada und Brasilien ihr drittgrößter Lieferant. 

Nach Inkrafttreten der Abgaben erließ Kanada Aufschläge auf US-Waren wie Computer, aber auch Stahl- und Aluminiumprodukte im Wert von fast 21 Milliarden Dollar. Die kanadische Provinz Ontario erhöhte indessen den Tarif für ihre Stromexporte an drei US-Bundesstaaten. Daraufhin drohte Trump zunächst eine Verdopplung der Stahlzölle auf 50 Prozent an. Die Maßnahmen wurden dann aber von beiden Seiten fallen gelassen.

Die EU hat ihrerseits Gegenzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte angekündigt. US-Produkte wie Jeans, Whiskey und Motorräder sollten zunächst ab dem 1. April mit Zöllen belegt werden. Da die Verhandlungen noch andauern, wurde das Datum jedoch auf Mitte April verschoben.

Alkoholische Getränke

Auf die europäischen Gegenzölle auf US-Whisky reagierte Trump wiederum mit neuen Strafzöllen – ebenfalls auf Getränke. Bis zu 200 Prozent will der US-Präsident künftig auf alkoholische Getränke wie Wein und Champagner aufschlagen, wie er auf seiner Plattform Truth Social ankündigte. Dort bezeichnete er die 50-Prozent-Zölle auf US-amerikanischen Whiskey als "böse". Die EU sei "eine der feindseligsten und missbräuchlichsten Steuer- und Zollbehörden der Welt".

Im Jahr 2023 lieferte Europa laut der Welthandelsorganisation WTO Wein und Champagner im Wert von fast 5,2 Milliarden Euro in die USA. Für viele Weinbaubetriebe wären die Strafzölle ein "Hammerschlag", sagte Gabriel Picard, Leiter des französischen Verbands der Wein- und Spirituosenexporteure. Allein französische Wein- und Spirituosenexporte in die USA hätten einen Umfang von jährlich vier Milliarden Euro. "Mit 200-prozentigen Zöllen gibt es keinen Markt mehr", sagte Picard.

Kanadische und mexikanische Produkte

Die beiden US-Nachbarländer Kanada und Mexiko gehörten zu den ersten Staaten, die von der Zollpolitik in Trumps zweiter Amtszeit betroffen waren. Kurz nach seiner Amtseinführung am 20. Januar verhängte Trump Strafzölle in Höhe von meist 25 Prozent für beide Staaten, die zunächst ab dem 1. Februar fällig werden sollten. Wenige Stunden vor dem geplanten Inkrafttreten stimmte Trump einem Aufschub um einen Monat zu.

Nachdem die Zölle dann Anfang März eingeführt wurden, dauerte es drei Tage, bis der Großteil von ihnen erneut ausgesetzt wurde. Der Aufschub gilt für Produkte, die unter das Freihandelsabkommen USMCA fallen. Daraufhin setzte Kanada geplante Gegenzölle doch nicht ein.

Chinesische Waren

Zusammen mit den Zollankündigungen gegen Mexiko und Kanada verhängten die USA auch Strafzölle gegen China. Dies hatte der US-Präsident auch mit mangelndem Fortschritt bei der Bekämpfung von Schmuggel illegaler Drogen wie Fentanyl in die USA begründet. Im Gegensatz zu den US-Nachbarländern nahm Trump diese Maßnahmen jedoch nicht zurück. Ab dem 4. Februar galten zunächst Zölle von 10, seit dem 4. März von 20 Prozent. 

China ist das Land, mit dem die USA das größte Handelsdefizit haben. Die Volksrepublik setzte im Gegenzug Zölle von 10 oder 15 Prozent auf verschiedene Landwirtschafts- und Energieprodukte wie Sojabohnen und Hirse sowie Energieprodukte aus den USA ein.

Gesamten Artikel lesen