Trumps Liberation Day : Lagarde warnt vor weltweiten Schäden durch US-Zölle

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Am Abend will Trump Details zu neuen Strafzöllen verkünden. Schon zuvor warnt EZB-Chefin Christine Lagarde vor Folgen der US-Zollpolitik – und hofft auf Verhandlungen.

2. April 2025, 13:25 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, ,

 Wie groß der Schaden durch die Zölle tatsächlich sei, hänge auch davon ab, ob es zu erfolgreichen Verhandlungen komme, sagt Christine Lagarde, Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB).
Wie groß der Schaden durch die Zölle tatsächlich sei, hänge auch davon ab, ob es zu erfolgreichen Verhandlungen komme, sagt Christine Lagarde, Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB). © Daniel Roland/​AFP/​Getty Images

Christine Lagarde, Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), hat vor den Auswirkungen neuer US-Zölle gewarnt. Die von US-Präsident Donald Trump geplanten Zölle würden sich weltweit negativ auswirken, sagte Lagarde in einem Interview mit dem irischen Radiosender Newstalk. Wie groß der Schaden tatsächlich sei, hänge davon ab, wie weit die Zölle gingen, wie lange sie andauerten und ob es zu erfolgreichen Verhandlungen komme.

Zoll-Eskalationen würden sich oft auch für diejenigen, die sie verursachen, als schädlich erweisen, sagte Lagarde. Deshalb könnte es sein, dass sie zu Verhandlungen führen, "bei denen man sich tatsächlich zusammensetzt und diskutiert und schließlich einige dieser Barrieren beseitigt".

Trump kündigte "Tag der Befreiung" an

US-Präsident Donald Trump will am Abend Details seiner angekündigten weitreichenden Zölle bekannt geben. Sie könnten auch die Europäische Union schwer treffen und die Weltwirtschaft erschüttern. Obwohl noch viele Details über die neuen Zölle offen sind, könnten diese unmittelbar wirksam werden. "Sie werden sofort in Kraft treten", hatte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt gesagt.

Die Regeln, die Trump bei einer Rede im Rosengarten des Weißen Hauses (22 Uhr deutscher Zeit) verkünden will, dürften die bisher aggressivste und folgenschwerste Zollmaßnahme des US-Präsidenten sein. Der Republikaner hat den Tag der Verkündung vorab als Liberation Day bezeichnet – als "Tag der Befreiung". Zuletzt war unklar, ob die US-Regierung sich mit den Zöllen explizit auf einzelne Branchen und Länder konzentriert und mit genau darauf abgestimmten Strafmaßnahmen reagiert oder stattdessen pauschale Zölle erhebt.

Einem Bericht der Washington Post gibt des derzeit mehrere Optionen, noch sei keine endgültige Entscheidung getroffen worden. Am Wochenende hatte Trump gesagt, dass die Zölle "alle" Länder treffen würden, doch besonders die EU ist dem 78-Jährigen ein Dorn im Auge. Er moniert, dass europäische Unternehmen insgesamt deutlich mehr Waren in den USA verkaufen als amerikanische Firmen in der EU.

Der Republikaner wirft den Europäern Wettbewerbsverzerrung durch Subventionen und strenge Einfuhrvorgaben vor. Immer wieder kritisiert er zudem die in Europa fällige Mehrwertsteuer. Diese stellt allerdings kein Handelshemmnis dar: Sie wird unabhängig davon erhoben, ob Waren im Inland produziert oder aus dem Ausland importiert wurden.

Ifo-Institut warnt vor Auswirkungen pauschaler Zölle

Laut dem Münchner ifo-Institut hätte die Einführung von "reziproken Zöllen" durch die USA nur geringen Einfluss auf die Exporte aus Deutschland. Einer Simulation zufolge würden die Ausfuhren in die USA ohne Gegenmaßnahmen der Europäischen Union um 2,4 Prozent sinken, mit Gegenmaßnahmen um drei Prozent.

Trump sprach in der Vergangenheit immer wieder von wechselseitigen, also "reziproken" Zöllen. Gemeint ist damit, dass ein Produkt eines Landes bei Lieferung in die USA mit ebenso hohen Aufschlägen belastet wird, wie ein gleiches US-Produkt bei Lieferung in dieses Land. Nach ifo-Angaben ist der Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Niveau der EU-Einfuhrzölle und dem der USA derzeit gering.

Deutlich stärker wäre dem ifo-Institut zufolge hingegen der Effekt bei pauschalen Zöllen auf alle ausländischen Waren. Bei pauschalen US-Zöllen von 60 Prozent auf chinesische Produkte und 20 Prozent auf alle anderen ausländischen Waren würden die deutschen Exporte in die USA der Simulation zufolge um 15 Prozent sinken. "Die geplante Zollerhöhung markiert eine Zeitenwende und ist ein Frontalangriff auf die regelbasierte Weltwirtschaftsordnung", sagte ifo-Forscherin Lisandra Flach.

EU kündigt Gegenmaßnahmen an und warnt vor Handelskrieg

Nach Angaben von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen werden die USA neue Sonderzölle auf die Einfuhr von Halbleitern, Pharmazeutika und Holz erheben. Zudem erwarte man eine weitere Ankündigung zu wechselseitigen Zöllen, mit denen auf angebliche unfaire Zölle anderer Länder reagiert werden soll, sagte von der Leyen. Diese würden sofort für fast alle Waren und viele Länder der Welt gelten und zu den Sonderzöllen hinzukommen, die Trump bereits in Kraft gesetzt hat. Die EU hat bereits klargemacht, mit Gegenmaßnahmen auf neue Zölle zu reagieren. Das könnte einen Handelskrieg auslösen.

Trump verhängte bereits Zölle auf alle Aluminium- und Stahlimporte, brachte Zölle in Höhe von 25 Prozent auf importierte Autos und Autoteile auf den Weg, führte erhöhte Zölle auf alle Waren aus China ein und nahm seine Nachbarn Kanada und Mexiko ins Visier. Auf Waren aus Kanada und Mexiko verhängte Zölle setzte er zwar teilweise wieder aus, diese Frist endet nun aber.

Zölle könnten Verbraucherpreise in USA in die Höhe treiben

Trump hat Zölle in der Vergangenheit als sein Lieblingswort bezeichnet und schon in seiner ersten Amtszeit diverse Strafabgaben eingeführt. Er will mit Zöllen das Handelsungleichgewicht korrigieren und die USA als Produktionsstandort stärken. Zugleich könnten die Zolleinnahmen dazu dienen, sein teures Wahlversprechen umfassender Steuersenkungen zumindest teilweise gegenzufinanzieren. Zölle dienen dem Republikaner auch als Druckmittel, um in Verhandlungen mit anderen Ländern seine Ziele zu erreichen.

Ein Importzoll ist eine Abgabe, die ein Staat auf eingeführte Waren erhebt. Er verteuert importierte Produkte und soll heimische Unternehmen vor ausländischer Konkurrenz schützen. In den meisten Fällen zahlt das importierende Unternehmen die Abgabe – im Fall der US-Zölle also das Unternehmen in den USA. Ökonomen fürchten, dass die Unternehmen die höheren Preise an die Verbraucher weitergeben. Das könnte die Inflation in den USA anheizen und das Wachstum ausbremsen. 

Trump und sein Team wischen diese Bedenken zur Seite. Die Zölle bedeuteten "mehr Arbeitsplätze in Ihren Gemeinden, was wiederum mehr Geld, mehr Investitionen und mehr Geld in Ihrer Tasche bedeutet", sagte Trumps Sprecherin Leavitt an die Amerikaner gerichtet. "Es betrifft die Welt, nicht nur dieses Land", sagte Trump Anfang der Woche. Man tue das Richtige für die USA.

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