Toter Buckelwal in Dänemark: »Ihr solltet kommen und den Wal holen«

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Der Fischer sagt, das Tier sei ihm völlig egal. Der Mann vom Thai-Imbiss sagt, es werde explodieren. Der Mitarbeiter der Naturschutzbehörde sagt, es müsse weg.

Vom Hafen in Anholt sind es ungefähr 20 Minuten zu Fuß zum Kadaver, am Strand entlang. Es ist ein kurzweiliger Spaziergang. Man sieht Flussseeschwalben, Strandläufer, Austernfischer und die eine oder andere ältere Dänin, die nackt in der Sonne liegt. Es sind 15 Grad, die Luft ist warm, eigentlich könnte die Saison beginnen.

Das Problem ist, dass er jetzt im Wasser liegt, fünf Meter vom Ufer, die Haut rostbraun verfärbt, bedeckt von Möwenkot, und sich langsam aufbläht. 15 Tonnen, wie eine Bedrohung. Der Wal, den sie »Timmy« oder Hope nannten, den sie retten wollten, und der nun doch tot ist.

»Ich finde, er sollte hierbleiben. Er ist hier gestrandet, warum sollte man ihn wegschaffen? Vielleicht löst er ja eine Debatte aus, wenn er hier liegt. Über Umweltverschmutzung und so.«

»Er dachte: Fuck it, hier kann ich nicht sterben«

Janni Hansen streift sich eine Hose und einen Pullover über. Sie war nur bis zu den Knien im Wasser, es ist doch noch etwas kalt zum Schwimmen. Sie arbeitet als Krankenschwester in der Nähe von Kopenhagen und ist mit einem Freund auf die Insel gereist, einem Amerikaner, um ein paar Tage Urlaub zu machen. Der tote Wal zeige eindrücklich, wie sehr die Meere belastet seien, sagt sie. »Die Schweinezucht in Dänemark verbraucht so viel Wasser und Ressourcen und erzeugt so viel Abfall.« Das arme Tier, sagt sie weiter. Sie wischt sich Feuchtigkeit aus dem Augenwinkel. Kann aber auch der Wind sein.

»Wissen Sie, was mir gerade einfällt?« Ihr Begleiter meldet sich, er stammt aus New York. »Der Wal ist nach Deutschland geschwommen und merkte: Fuck it, hier kann ich gar nicht sterben. Die Leute lassen mich nicht in Ruhe.« Er lacht grollend. »Also ist er nach Anholt gekommen. Hier hat er wenigstens einen schönen Blick auf den Leuchtturm.«

Ein lauteres Lachen, ein Schulterklopfen. Just kidding. Zum Dinner empfehle er das Thai-Restaurant unten im Dorf.

Ein nackter Kletterer

Ein paar Meter weiter am Strand hat der deutsche Sender News5 eine Kamera aufgebaut, die den toten Wal live auf YouTube streamt. News5 sendet seit Wochen fast ununterbrochen Wal-Content. Die »Bild«-Zeitung ist hier und ein Team vom NDR. Zu sehen ist nicht viel. Vor ein paar Tagen war ein nackter Mann auf den Kadaver geklettert, um Fotos zu machen. Die »Bild« konfrontierte ihn anschließend mit der Frage, ob er es okay finde, auf ein totes Tier zu steigen. Im Moment steht nur Karin mit Mali im Livestream, ihrem Chihuahua, angezogen und im sicheren Abstand zum Wal. Sie lebt auf der Insel und arbeitet im Bordbistro der Fähre, die vorhin vom Festland kam.

Sie schaut auf das tote Tier. »Das sieht so gar nicht wie ein Wal aus. Mehr wie ein Felsen oder so. Irgendwie traurig, oder? Komm Mali, wir gehen weiter.«

In Hollywood enden Dramen oft mit einem Knall. Auf Anholt ist das Ende stumpfer. Wochenlang hielt der Buckelwal die Republik in Atem, es gab Liveticker, das Land spaltete sich in Walfans und Walhasser, der Bundespräsident äußerte sich. Es gab eine private Mission, die Millionen in die Rettung des Wals steckte. Jetzt liegt am Strand von Anholt ein Fleischberg, an dem Möwen picken. Wie ein Mahnmal. Ruhe findet er immer noch nicht.

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