Video von Itamar Ben-Gvir: Johann Wadephul verurteilt »unsägliches Verhalten« von israelischem Minister

vor 1 Stunde 1

Die diplomatische Kontroverse rund um Itamar Ben-Gvir zieht weitere Kreise. Nachdem ein Video des israelischen Polizeiministers publik wurde, das Gaza-Aktivisten in demütigender Weise zeigt, hat auch Außenminister Johann Wadephul das Verhalten des Politikers als »vollkommen inakzeptabel« bezeichnet. »Es widerspricht den Werten, für die Deutschland mit Israel gemeinsam stehen will, fundamental«, sagte Wadephul der Nachrichtenagentur dpa.

Er sei seinem israelischen Amtskollegen Gideon Sa’ar dankbar »für die klaren Worte, die er für dieses unsägliche Verhalten gefunden hat«. Saar hatte in Richtung Ben-Gvir erklärt: »Sie haben unserem Staat mit dieser schändlichen Darbietung wissentlich Schaden zugefügt – und das nicht zum ersten Mal.«

Das Video, das auf Ben-Gvirs X-Account veröffentlicht wurde, hatte scharfe Kritik ausgelöst (mehr hier). Es zeigt den Minister mit einer Gruppe Anhängern und eine israelische Flagge schwenkend zwischen gefesselten und knienden Aktivisten der internationalen Gaza-Hilfsflotte in der israelischen Hafenstadt Aschdod. »Willkommen in Israel, wir sind hier die Hausherren«, ruft er auf dem Video, auf dem er die Aktivisten auch verspottet.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von X.com, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Israels Außenministerium meldete den vollständigen Stopp der aus 51 Booten bestehenden Gaza-Hilfsflotte. An der Flotte hatten sich etwa 430 Aktivisten beteiligt, die von Israel festgehalten werden.

Auch der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu hatten sich vom Verhalten Ben-Gvirs distanziert. »Die Art und Weise, wie Minister Ben-Gvir mit den Aktivisten der Flotte umgegangen ist, entspricht nicht den Werten und Normen Israels«, erklärte er.

Die internationale Reaktion war deutlich ausgefallen:

  • Italien und Griechenland verurteilten die Behandlung der Aktivisten. Es sei »unerträglich, dass diese Demonstranten, unter denen sich viele italienische Staatsbürger befinden, dieser Behandlung ausgesetzt sind, die die Menschenwürde verletzt«, kritisierte Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni. Rom fordere eine Entschuldigung für die Behandlung der Aktivisten und »für die völlige Missachtung der ausdrücklichen Forderungen der italienischen Regierung«.

  • Spaniens Außenminister José Manuel Albares bezeichnete die Behandlung bei einem Besuch in Berlin als »monströs, schändlich und unmenschlich«. Madrid habe den israelischen Geschäftsträger einbestellt.

  • Auch Frankreich, Italien, die Niederlande, Kanada und Belgien bestellten den jeweiligen israelischen Botschafter ein. Die irische Außenministerin Helen McEntee zeigte sich »entsetzt und schockiert« über das Video.

  • Der polnische Außenminister Radosław Sikorski verlangte »Gerechtigkeit für unsere Bürger« angesichts polnischer Aktivisten unter den Festgenommenen und forderte »Konsequenzen« für Ben-Gvir.

  • Das türkische Außenministerium erklärte, Ben-Gvir habe der Welt »erneut die gewalttätige und barbarische Mentalität der Netanyahu-Regierung« offen gezeigt.

  • Der niederländische Außenminister Tom Berendsen schrieb, er habe sich mit Saar wegen des Videos in Verbindung gesetzt. Zugleich begrüßte er, dass Saar und Netanyahu sich klar von Ben-Gvir distanziert hätten.

  • Belgiens Außenminister Maxime Prevot sprach von zutiefst verstörenden Bildern. »Menschen werden gefangen gehalten, gefesselt und mit dem Gesicht nach unten gezwungen, während ein Regierungsmitglied ihre Demütigung in den sozialen Medien öffentlich zur Schau stellt.«

Ende April hatten israelische Streitkräfte bereits eine Hilfsflotte für den Gazastreifen in internationalen Gewässern vor Griechenland gestoppt. 175 propalästinensische Aktivisten gingen auf der griechischen Insel Kreta an Land. Zwei Aktivisten wurden nach Israel gebracht und dort zehn Tage lang festgehalten.

Auch Ende 2025 hatte schon einmal eine Hilfsflotte versucht, in den Gazastreifen zu gelangen. Die Schiffe wurden damals von der israelischen Marine aufgebracht, die Besatzungsmitglieder wurden festgenommen und anschließend ausgewiesen.

Gesamten Artikel lesen