In den frühen 90ern gründete er einen der ersten nur mit Linux arbeitenden Internet Service Providern. Bis zuletzt kämpfte er für das Right to Repair. Einer breiteren Fachöffentlichkeit bekannt wurde er vor allem durch seine Arbeiten gegen das von der Industrie selbst verschuldete Problem zulaufender Puffer, das "Krebsgeschwür" Bufferbloat, wie er es nannte. Am 1. April ist Dave Täht im Alter von nur 59 Jahren gestorben.
Die Schlange der Trauernden auf Mailinglisten quer durchs Internet schwoll schnell zu einem Strom an, nachdem das LibreQoS-Team am Dienstag die Nachricht vom überraschenden Tod des US-amerikanischen Entwicklers und Internetaktivisten veröffentlicht hatte.
Fast im Alleingang hatte Täht sich vor eineinhalb Jahrzehnten auf das Bufferbloat Projekt gestürzt, nachdem er bei einem seiner vielen Einsätze zur Realisierung des offenen Internet für alle in Nicaragua mit riesigen Latenzzeiten zu kämpfen hatte. Täht habe das Problem zu einem Zeitpunkt erkannt, als es trotz massiver Probleme noch niemand so recht zu interessieren schien, bekundete Co-Bufferbloat Aktivist Jim Gettys in seiner Abschiedsmail.
Architekt des Bufferbloat-Projekts
Statt wie in westlichen Breiten üblich immer mehr Bandbreite auf Verbindungsprobleme zu werfen, müsse man nur bessere Router bauen, predigte Täht. Bessere Software, die ein faires Abarbeiten von Paketen sichert, sei dem Konzept immer neuer Puffer in der Hardware zur Verkehrssteuerung haushoch überlegen. Voll gelaufene Puffer führen zu unnötigen Latenzen.
Täht arbeitete im Rahmen des Bufferbloat-Projekts an der Entwicklung mehrerer Algorithmen, FQ-CoDel, CAKE und zuletzt dem fürs Management von ISP Netzen optimierten LibreQoS, sowie an Router-Betriebssystemen wie OpenWRT und CeroWRT mit.
Im kleinen LibreQoS Team engagierte sich Täht zuletzt als CTO. Lukrative Jobangebote haben Täht, der sich in der Corona-Zeit auf seinem Boot isolierte, in einer 40 Jahre umspannenden Entwicklerkarriere nie locken können.
Zu den jüngsten Nutznießern des besseren Queue-Managements gehören auch große Namen, etwa Elon Musks Starlink. Starlinks schicke Wlan-Router konnten es bei etwas größerer Entfernung zum Terminal schon mal auf 7 Sekunden Verzögerung bringen. Um Elon Musks Aufmerksamkeit zu bekommen, bediente sich der Nerd dabei kurzerhand eines der Internetväter, Vint Cerf.
Offene Router
Auf den politisch besser vernetzten Cerf hatte Täht vor einigen Jahren auch für öffentlichkeitswirksame Aktionen zum Wohl des Netzes zurückgegriffen. Gemeinsam mit 270 bekannten Entwicklern und Internetexperten warnte er 2015 die FCC vor einer Lizenzpflicht für Updates von Standardroutern. Die hätte das Nachrüsten und auch Absichern kommerzieller Router durch Dritte extrem erschwert.
Die erfolgreiche Aktion veranlasste ihn, 2023 erneut bei der FCC dafür zu werben, dass höhere Bandbreiten beim Ausbau der US-Netze allein das Netz keineswegs besser machen für Endnutzer. Problematisch sei vielmehr der lässige Umgang vieler Netzbetreiber mit den ausgelieferten und dann nie mehr mit Updates versehenen Heimroutern.
Right to Repair
Bis zuletzt vertrat Täht vehement das "Right to Repair". "Ich könnte diesen Router besser machen, wenn man mich nur auf das Gerät zu greifen lassen würde", sagte er einmal in einem Interview in Bezug auf Starlink Router.
Viele Hersteller hätten aber leider vergessen, dass das Internet gewachsen sei, weil Hersteller, Netzbetreiber und Entwickler kooperiert hätten. Viele nutzten Open Source, seien aber nicht bereit, ihre Anwendungen und Hardware wiederum zu öffnen. Mit Code sei es aber wie mit dem Land in Woodie Guthries berühmtem Song: "This code is for you and me", sagte der selbst immer wieder als Filk-Sänger aktive Täht.
Die Internet und vor allem die Open Source-Gemeinde trauert heute vielstimmig um einen "Giganten", der das Internet für so viele besser gemacht habe, ohne dass sie je von ihm gehört haben.
()