Forschende haben in Thailand die Überreste eines Giganten ausgegraben. Genauer gesagt: eines Nagatitan, der zur Dinosauriergruppe der Sauropoden gehört. Das sind die mit dem langen Hals, dem langen Schwanz und dem kleinen Kopf.
Fast 27 Meter lang soll der pflanzenfressende Gigant gewesen sein. Forschern zufolge weidete er vor rund 113 Millionen Jahren entlang eines Flusses in einer warmen und trockenen Region – ein Gebiet, das heute in Thailand liegt. Ein Dorfbewohner hatte die Fossilien des Dinosauriers erstmals in der nordöstlichen thailändischen Provinz Chaiyaphum entdeckt.
Daraus ergibt sich auch der vollständige Name des Dinosauriers: Nagatitan chaiyaphumensis. Der größte bekannte Dinosaurier Südostasiens.
Über Jahre gruben Forscherinnen und Forscher dann Wirbel, Rippen, Becken- und Beinknochen aus. Darunter einen Vorderbeinknochen, 1,78 Meter lang. Die Forschenden schätzen das Gewicht des Nagatitan angesichts der Funde auf 25 bis 28 Tonnen. Der Dinosaurier war also schwerer als vier ausgewachsene Elefantenbullen zusammen.
Das Ausmaß des Dinosaurierskeletts ist riesig
Foto: Lillian Suwanrumpha / AFPDie Forschenden fanden keinen Kopf und auch keine Zähne. Und doch gehen sie davon aus, dass der Nagatitan Massen an Pflanzen fraß, die kaum bis wenig Kauarbeit erforderten. Das wisse man aus der Erforschung anderer Sauropoden, wie der Hauptautor der Studie, Thitiwoot Sethapanichsakul vom University College London, laut der Nachrichtenagentur Reuters sagte.
Viele Raubtiere, kaum Gefahr
Der Nagatitan lebte demnach neben verschiedenen anderen Dinosauriern und fliegenden Reptilien, den sogenannten Pterosaurieren, in einem wahrscheinlich subtropischen Klima.
Viele Raubtiere sollen dort unterwegs gewesen sein. In den Flüssen soll es von Krokodilen gewimmelt, auch Süßwasserhaie gegeben haben. Das größte Raubtier aber war laut der Studie ein fleischfressender Dinosaurier, ein Verwandter des riesigen afrikanischen Carcharodontosaurus, acht Meter lang, rund 3,5 Tonnen schwer. Dieser wurde mit einem Augenzwinkern auch als afrikanische Antwort auf den Tyrannosaurus bezeichnet.
Für den gefundenen Nagatitan bestand aber keine Gefahr, sagte Sethapanichsakul. Schier zu groß war er, damit ihm jemand gefährlich werden konnte.
Zwar könnten damals alte und kranke ausgewachsene Tiere oder schutzlose Jungtiere durchaus das Ziel von Raubtierangriffen gewesen sein. Die Sauropoden wuchsen nach dem Schlüpfen aber sehr schnell. Wohl auch, weil sie dadurch schneller sicher waren, sagte Paul Upbchurch, Mitautor der Studie. Erst einmal groß genug, ließen Raubtiere sie in Ruhe. Zu groß dürfte die Angst gewesen sein, schlichtweg zerquetscht zu werden.
Laut der Studie sind nicht viele Sauropoden aus Südostasien bekannt, der Nagatitan ist demnach der größte und geologisch jüngste unter ihnen. Er gehört zu einer Untergruppe der Sauropoden, die vor etwa 140 Millionen Jahren entstand und die einzige verbliebene war, die bis zum Ende des Dinosaurierzeitalters vor 66 Millionen Jahren lebte.
Mehrere Sauropoden enthalten das Wort »Titan«. Laut Sethapanichsakul kann man Nagatitan als den letzten Titanen Südostasiens bezeichnen. In der späteren Kreidezeit entwickelte sich die Region zu einem flachen Meer.
Der Nagatitan war riesig. Es gibt aber Sauropoden, die noch größer waren: In Südamerika erreichten etwa der Argentinosaurus und der Patagotitan eine Länge von mehr als 30 Metern.

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