Vier Tage soll die neue Waffenruhe zwischen Regierungstruppen und SDF-Miliz in Syrien gelten. Zuvor waren die Milizen vom IS-Lager al-Hol abgezogen.
Aktualisiert am 20. Januar 2026, 17:52 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, AP, Reuters, kzi
Das syrische Militär hat eine neue Waffenruhe mit den von Kurdenmilizen angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) angekündigt. Die Waffenruhe solle vier Tage gelten, teilte das Militär mit. Die SDF gab derweil bekannt, sich an eine mit der syrischen Regierung vereinbarten Waffenruhe halten zu wollen, solange keine weiteren Angriffe stattfänden.
Bereits am Wochenende hatte die syrische Regierung eine Waffenruhe bekanntgegeben, nach der es jedoch erneut zu Kämpfen kam. Die SDF riefen am Montag in einer Erklärung "alle unsere Jugendlichen" auf, sich "den Reihen des Widerstands" anzuschließen.
SDF zogen sich aus IS-Lager zurück
Kurz vor Bekanntgabe der Waffenruhe am Dienstagnachmittag waren die Kurdenmilizen von dem Lager al-Hol in Syrien abgezogen. Dem syrischen Militär zufolge waren Gefangene entkommen. Die SDF bestätigten den Abzug ihrer Wachen aus al-Hol. Ihre Kämpfer seien "aufgrund der Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft gegenüber dem IS-Problem" gezwungen gewesen, aus dem Lager abzuziehen, und seien in die Nähe von Städten in Nordsyrien verlegt worden, die zunehmend von Regierungstruppen bedroht würden.
In dem Lager sind überwiegend Frauen und Kinder von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) untergebracht. Bisher stand es unter Kontrolle der SDF.
Zuvor hatten die SDF von schweren Gefechten mit den Truppen der syrischen Übergangsregierung rund um das Lager berichtet. Zudem hatte das syrische Innenministerium mitgeteilt, am Montag seien 120 IS-Mitglieder aus einem Gefängnis im Nordosten Syriens geflohen, als es zu Zusammenstößen zwischen Regierungstruppen und den SDF kam. Einsatzkräfte hätten 81 der Entflohenen wieder gefangen genommen. Nach den anderen werde gesucht.
Die Regierungstruppen rücken derzeit immer weiter in die kurdischen und bisher von den SDF kontrollierten Gebiete in Nord- und Ostsyrien vor. Sie wollen die bisher autonom verwalteten Gebiete unter ihre Kontrolle bringen. Die SDF zählten zu den wichtigsten Verbündeten des US-Militärs im Kampf gegen den IS in Syrien. Von US-Seite gab es zunächst keine Reaktion auf den Abzug der SDF.
Al-Hol gilt als Nährboden für IS
In al-Hol leben vor allem Syrer und Iraker, aber auch Menschen mit Staatsangehörigkeit in EU-Ländern, Nordamerika oder Zentralasien. Nach Angaben aus dem Lager befinden sich auch noch 13 Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit dort, die sich einst dem IS angeschlossen hatten. Insgesamt sind im al-Hol Lager derzeit rund 23.000 Menschen untergebracht, überwiegend Frauen und Kinder.
Nach dem militärischen Sieg über den IS im Jahr 2019 wurden Angehörige von IS-Kämpfern aus Sicherheitsgründen in Lagern wie al-Hol isoliert. Die kurdisch angeführten Milizen kontrollierten, verwalteten und sicherten das Lager.
Al-Hol gilt schon länger als hochriskant. Die Versorgung der Lagerbewohner ist unzureichend. Terrorismusexperten warnen seit Jahren, dass das Lager durch die Isolation ein Nährboden für die Ideologie des Islamischen Staats sei. Bewohner leben nach eigenen Aussagen in einer Art rechtsfreien Raum. Immer wieder kommt es dort zu Morden und anderen Gewaltakten. Nach Angaben von Verantwortlichen übt der IS weiter Einfluss auf die Bewohner aus und ordnet Angriffe an. Kinder, die dort aufwachsen, werden oft als Welpen des Kalifats bezeichnet.

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