Im Sudan werden laut dem Chef des UN-Menschenrechtsbüros, Volker Türk, neue »Gräueltaten« in der Stadt Al-Obeid verübt. Er sprach von einer »roten Warnung« an die Welt.
Quelle: DIE ZEIT, AP, lgi Aktualisiert am 3. Juli 2026, 15:19 Uhr
Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, hat sich besorgt wegen möglicher Gräueltaten in und um die Stadt Al-Obeid im Sudan geäußert. Zeichen aus der Stadt seien »klar und unmissverständlich: Im Sudan entfaltet sich eine weitere Menschenrechtskatastrophe«, sagte Türk bei einer Sondersitzung des Menschenrechtsrates in Genf. Er rief dazu auf, das Blutvergießen zwischen Sudans Militär und der paramilitärischen Miliz, den Rapid Support Forces (RSF), zu stoppen.
»Das ist keine Übung«, sagte Türk. »Das ist eine rote Warnung, die auf den Schreibtischen von Staats- und Regierungschefs weltweit landen muss.« Zivilisten würden seit 18 Monaten mehr oder weniger belagert und seien angesichts der Gefechte zwischen Militär und RSF um die Kontrolle über Gegenden in der Umgebung von Al-Obeid mit Drohnenangriffen konfrontiert. In der Stadt leben rund eine halbe Million Menschen. Türk sagte, wegen Angriffen auf die Infrastruktur hätten Zivilisten kaum Lebensmittel, Treibstoff und Wasser.
»Niemand wird sich seiner Verantwortung entziehen können«
In der Region finden derzeit die stärksten Kämpfe des Krieges statt. In den vergangenen Wochen zogen die RSF dort ihre Truppen zusammen. Türk erinnerte daran, dass im vergangenen Jahr innerhalb von drei Tagen mindestens 6.000 Menschen getötet worden waren, als die RSF die Stadt Al-Faschir einnahmen. Die RSF und verbündete Milizen hätten damals Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt, wie etwa Massentötungen, sexuelle Gewalt und Folter, sagte er.
Die Debatte im Menschenrechtsrat fand auf Initiative Deutschlands und einiger weiterer europäischer Länder statt. »Die Welt sieht genau hin. Niemand wird sich seiner Verantwortung entziehen können«, sagte Antje Leendertse, Deutschlands UN-Botschafterin in Genf. Die Menschen in Al-Obeid seien keine Zahlen, sondern »Familien, Kinder und Menschen, die diesen Krieg nicht wollen«.
Der Krieg im Sudan hat seit April 2023 fast 14 Millionen Menschen in die Flucht getrieben und zu Hungersnöten geführt, fast 60.000 Menschen wurden bisher getötet. Nach mehr als drei Jahren des Konflikts kontrolliert die sudanesische Armee das Zentrum und den Osten des Landes, während die RSF-Miliz ihre Macht in der westlichen Region Darfur gefestigt hat. Beide Seiten kämpfen um die dazwischenliegende, landwirtschaftlich wichtige Region Kordofan. Die USA und Menschenrechtsorganisationen werfen der RSF-Miliz zudem einen Völkermord an Nichtarabern in der Region Westdarfur vor. Die Miliz weist dies zurück.

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