Stadt der Zukunft: Unter Robotern in Los Angeles

vor 2 Tage 2

Los Angeles ist die Stadt der Ungleichzeitigkeit. Da kann es einerseits passieren, dass Hunderttausende Heiligabend bei Kerzenlicht verbringen. Anders als in Berlin muss aber dort wegen Stromausfall niemand frieren, da auch im Winter die Sonne scheint. Blackouts sind keine Seltenheit und bringen einen Höllenlärm in die Villengegenden, weil sofort die Generatoren anspringen. Auf Behörden will sich niemand verlassen. Andererseits steckt die Millionenmetropole voller technischer Gimmicks, die uns in die Stadt der Zukunft blicken lassen. So kommen einem auf dem Bürgersteig nicht etwa nur Fußgänger entgegen, sondern auch selbstfahrende Kisten auf Rädern.

Besonders in der Mittagszeit sind die Roboter überall unterwegs. Sie heißen Coco und bringen den Angestellten ihr Essen vorbei. Lustig blinkend holpern sie über den schlechten Asphalt und bleiben an der roten Fußgängerampel brav stehen. Dass sie wie eine Mischung aus R2-D2 und Wall-E aussehen – klein, niedrig, rundlich – ist kein Zufall. Sie wurden bewusst verspielt und mit ungefähr­lichem Aussehen entworfen, um dem Menschen die Angst zu nehmen. Bei den autonom fahrenden Autos, die ebenfalls auf den Straßen von L. A. unterwegs sind, ist das schon anders.

Wie von Geisterhand bewegen sie sich durch die Stadt

Wer das erste Mal ein Waymo ohne Fahrer neben sich auftauchen sieht – vielleicht noch auf dem zwölfspurigen Highway 405 mitten durch die Stadt –, kann durchaus ins Schwitzen kommen. Tatsächlich sitzt da niemand hinterm Lenkrad. Nur auf der Rückbank sind Leute zu sehen. Wie von Geisterhand bewegt sich das Auto durch den Verkehr, das man per App bestellen kann wie ein Uber. Mit ihrer strahlend weißen Karosserie und den vielen Kameras und Sensoren ringsrum sehen die Waymos alle gleich aus. Sie halten sich an die Straßenverkehrsordnung, fahren weder über Rot noch zu schnell und gleiten durch den Verkehr, als seien sie sich ihrer Sache sehr sicher.

Nur manchmal sind sie plötzlich lost, wenn sie etwa im Kreisverkehr pausenlos kreiseln, weil sie nicht wissen, wo sie abbiegen sollen. Der Algorithmus ist dann wohl gerade dabei, das mit sich selbst auszu­machen. Auch der weihnachtliche Strom­ausfall hat ihnen zu schaffen gemacht. In San Francisco wurde die Waymo-Flotte nach Hause geschickt, nachdem die Fahrzeuge überall die Straßen blockiert hatten. Ratlos standen sie vor den ausgefallenen Ampeln und wussten nicht, wohin mit sich. Dass Roboter so irrational und unvorhersehbar agieren wie Menschen, war eigentlich nicht der Plan.

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