Sony 1000X The Collexion im Test: Dieser Kopfhörer gibt Musik Raum zum Atmen

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 Mit Ledersessel und Designerlampe im passenden Ambiente
 Mit Ledersessel und Designerlampe im passenden Ambiente

Neuer Sony-Kopfhörer: Mit Ledersessel und Designerlampe im passenden Ambiente

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Der 1000X The Collexion ist so etwas wie Sonys neuer Edelkopfhörer. 629 Euro ruft das Unternehmen als Listenpreis auf, 259 Euro mehr als für seinen WH-1000XM6, sein bisheriges Vorzeigeprodukt. Dabei ist das Design des neuen Modells sogar an den WH-1000XM6 angelehnt, wobei vieles bewusst einen Tick schicker und exklusiver ausfällt.

So sind die Ohrmuscheln mit einem Kunstleder bezogen, für dessen Entwicklung Sony nach eigenen Angaben zwei Jahre gebraucht hat. Wie auch immer man das interpretieren möchte, mit seiner feinen Struktur sieht das Kunstleder sehr nach echtem Leder aus. Mehr jedenfalls als das noch als »veganes Leder« bezeichnete Material, mit dem die Bügel der XM5 und XM6 bezogen sind.

Sonys Edelstahlbügel werden während der Produktion erst sandgestrahlt, um ein mattes Finish zu erhalten, bevor dann einzelne Elemente auf Hochglanz poliert werden. Im Test wirkte der Bügel des 1000X The Collexion schön elastisch, der Kopfhörer lässt sich so unterschiedlichen Kopfformen anpassen. Die Polsterung empfinde ich als gerade ausreichend. Sie könnte für meinen Geschmack gern etwas straffer sein.

 Erst sandgestrahlt, dann teilweise poliert

Details am Bügel: Erst sandgestrahlt, dann teilweise poliert

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Trotzdem sitzt der neue Sony sehr bequem am Kopf, was er auch den großzügig dimensionierten Ohrmuscheln verdankt, die sich weit um die Ohren ziehen.

Ein Detail, das ich liebe: Auf den Innenseiten der Ohrmuscheln sind Markierungen für links und rechts aufgedruckt. Das hilft, den Kopfhörer sofort richtig aufzusetzen.

Da fehlt doch was

Bedauerlich ist, dass Sony zwar ein Miniklinken-Kabel mitliefert, über das man per Kabel Musik hören kann, diese Möglichkeit per USB-C aber nicht besteht. Bei vielen anderen Kopfhörern ist so eine Option Standard. Sie ermöglicht etwa nahezu latenzfreie Kabelverbindungen zu Computern und zu Smartphones, die keine Klinkenbuchse haben, wie modernere iPhones oder Geräte aus Samsungs S26-Serie.

 Audio über USB-C funktioniert leider nicht

Klinkenbuchse: Audio über USB-C funktioniert leider nicht

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Ziemlich merkwürdig, aber auch ziemlich praktisch ist das mitgelieferte Case, weil es eine Art eingebauten Tragegriff hat, wo innen die Ohrbügel verlaufen. Je nach Nutzer oder Nutzerin wirkt es wie eine Herren- oder Damenhandtasche. Apple hat diesen Look mit den AirPods Max vorgelegt, doch Sonys Version lässt wenigstens noch ein wenig Stauraum für Kabel.

 Muss man mögen

Case im Handtaschen-Look: Muss man mögen

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Ein tolles Detail: Der Verschluss schließt magnetisch, das spart das sonst unvermeidliche Gefummel mit einem Reißverschluss.

Viel raus, wenig rein

Die Klangqualität beim Telefonieren und in Videokonferenzen ist gut. Der Sound der Mikrofone ist ausgewogen und passt mit einem dezenten Höhenanteil gut zum Klangcharakter des Kopfhörers.

Die Transparenzfunktion, also die Möglichkeit, Außengeräusche und die eigene Stimme zu hören, ist nicht ganz auf dem Niveau der AirPods Max 2, aber dennoch recht gut. Das Klappern meiner Computertastatur wird beim Schreiben, wie bei vielen ANC-Kopfhörern, verstärkt. Meine Stimme höre ich gut, aber wie durch die Ohrmuscheln passiver Kopfhörer.

 Auch gut nutzbar, wenn es draußen laut wird

Sony 1000X The Collexion: Auch gut nutzbar, wenn es draußen laut wird

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Weil Sony bei Modellen wie dem WH-1000XM6 eine hervorragende Geräuschunterdrückung (Active Noise Cancellation, kurz ANC) liefert, erwartet man vom teureren 1000X The Collexion ein mindestens gleichwertiges Erlebnis. Umso mehr als dafür in beiden Modellen dieselben Mikrofone und Chips verwendet werden.

Bei einem Praxistest auf einem Mittelstreckenflug wurden die Erwartungen dann auch erfüllt. Insbesondere die Triebwerksgeräusche hat der neue Sony gut ausgeblendet und auch das Geplapper der Sitznachbarn hatte er gut unter Kontrolle. Damit zählt auch der teuerste Kopfhörer von Sony zur Spitzengruppe der Leisemacher.

Das hat allerdings Einfluss auf die Akkulaufzeit. Sony gibt eine Laufzeit von 32 ohne und 24 mit ANC an. Beides sind eher durchschnittliche Werte, Modelle wie die Sennheiser HDB 630 schaffen bis zu 60 Stunden.

Der Musik Raum geben

Der 1000X The Collexion hat durchaus einen eigenen Klangcharakter, der sich dadurch auszeichnet, dass seine Klangkurve im Höhenbereich einen Knick zu haben scheint. Das hat zur Folge, dass er hohen Frequenzen, wie etwa den Becken in David Bowies »Criminal World«, ein wenig die Spitzen nimmt.

Man könnte das beim ersten Reinhören fast als muffelig abtun. Tatsächlich aber dürfte der Effekt gewollt sein, denn er führt zu einem weicheren Klangbild, das auch nach stundenlangem Hören nicht anstrengend wird. Meine Hi-Fi-Lautsprecher haben einen Schalter, der den Boxen einen ähnlichen Charakter aufdrückt. Dort ist er als »Sanft« betitelt.

 Geben Sie dem Sony per Equalizer einen leichten Kick

Wenn Ihnen die Höhen zu mau sind: Geben Sie dem Sony per Equalizer einen leichten Kick

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Im Hörtest klingt PJ Harveys »Voyager« mit dem 1000X deutlich anders als mit dem WH-1000XM6. Der tiefe Synthbass im Outro wummert weniger und wird klarer definiert wiedergegeben, fast als wäre er ein paar Meter weiter weg. Auf ähnliche Weise wirken die Streicher beim 1000X räumlicher. Möglich, dass diese Effekte auf die großen Ohrmuscheln und leicht schräg angeordneten Treiber zurückzuführen sind.

Bemerkenswert ist, wie realistisch der neue Sony das akustische »Ça valait la peine« von Coralie Clément wiedergibt. Dabei scheint es fast, als würde man mit dem Kopf im Kontrabass stecken, wegen der krassen Stereoseparation des Tracks allerdings nur bis zur rechten Gesichtshälfte. Dabei steht die im Wechsel mit dem Bass spielende Gitarre links etwas weiter weg. Wenn dann der Gesang einsetzt, scheint es, als würde die Sängerin durch den Kopf des Zuhörers singen.

Seine Räumlichkeit macht den 1000X The Collexion besonders.

Sollte man »Upmix« nutzen?

All diese Effekte werden allerdings zunichtegemacht, teils geradezu karikiert, wenn man die »Upmix«-Funktion verwendet. Sony versucht damit, beliebigen Titeln einen Raumklang aufzudrücken. Dabei gibt es vier Varianten:

  • »Musik« soll den Sound einer Liveperformance oder eines Studios nachbilden, was sich im Kern widerspricht und fast immer furchtbar klingt. Die gerade beschriebene Hörerfahrung des Songs von Coralie Clément wird damit jedenfalls zunichtegemacht.

  • »Kino« soll einen »immersiven Sound« wie »in einem Kino« erzeugen, was bei Filmen und Serien unterhaltsam sein kann.

  • »Spiel« soll einen Effekt erzeugen, als befände man sich »in der Welt des Spiels«.

  • »Hintergrundmusik« lässt die Musik klingen, als würde man sie durch die an der Wand aufgehängten Lautsprecher eines Cafés hören, in dem es wenig Mobiliar und noch weniger Vorhänge gibt, so stark reflektieren die virtuellen Wände.

All diese Upmix-Varianten kann man auch mit anderen Sony-Kopfhörern verwenden, aber keine davon kann den Klang verbessern.

 »Standard« klingt am besten

Upmix-Varianten in der Sony-App: »Standard« klingt am besten

Foto:

Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Fazit

Beim 1000X The Collexion passt vieles zusammen. Seine räumliche Musikwiedergabe hebt ihn aus der Masse anderer Kopfhörer heraus, sein Handtaschen-Case ist praktisch, und die Geräuschunterdrückung ist überdurchschnittlich gut, genau wie die Verarbeitungsqualität und das Tragegefühl. Dafür muss man aber auch überdurchschnittlich tief in die Tasche greifen. Mit einem Listenpreis von 629 Euro kostet der Kopfhörer deutlich mehr als der auch einwandfreie WH-1000XM6 und ist sogar teurer als Apples AirPods Max 2. Um den Mehrpreis rechtfertigen zu können, muss man schon den etwas klobigen Pseudo-Leder-Look mögen.

Sony WH-1000X The Collexion

Bluetooth-Kopfhörer / Over-Ear / kabellos / kabelgebunden / Hi-Res Audio Wireless / Bluetooth 6.0 / Frequenzgang 4 - 40.000 Hz / 48 Ohm / 24 h Akkulaufzeit / Kabellänge 1,2 m / Gewicht 320 g / aktive Geräuschunterdrückung

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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